Josef Helfenstein, ab 1. September 2016 Direktor des Kunstmuseums Basel und noch Leiter Menil Collection and Foundation in Houston, Texas, kommt bereits im April 2016 nach Basel. Diese Neuigkeit teilt Ralph Ubl, Ordinarius für Neuere Kunstgeschichte an der Universität Basel, im Gespräch mit: Er werde bei «Eikones» Gastwissenschaftler sein, bevor er im September ins Museum wechsle. Dieses Engagement ist Ausdruck der Nähe von Forschung und Kunstmuseum, für die Helfenstein steht. «Eikones» ist der Nationale Forschungsschwerpunkt Bildkritik an der Universität Basel, dem Ubl als Direktor vorsteht.

Helfensteins einstimmig erfolgte Wahl als Direktor des Kunstmuseums und damit als Nachfolger von Bernhard Mendes Bürgi wurde bei Bekanntgabe am 30. Juni von vielen als eine solide, präzise und logische Wahl begrüsst (bz vom 1. Juli). Doch worin liegt diese Logik? Es gibt dazu verschiedene Sichtweisen. Entscheidend ist, was die Verantwortlichen dazu sagen.

Auch ein Ort des Forschens

Eine Leitlinie war bei dieser Wahl entscheidend und orientiert sich am Basler Museumsgesetz von 1999. Darin steht unter dem Paragraphen 3 (Kultur- und Bildungsauftrag): «Die Museen haben die Aufgabe, kulturelle Werte zu sammeln, zu bewahren, zu dokumentieren, zu erforschen und zu vermitteln». Und Paragraph 4 (Zusammenarbeit mit der Universität): «Die Museen und die Universität arbeiten unter Wahrung der Freiheit von Lehre und Forschung zusammen und koordinieren ihre Tätigkeit, soweit dies sinnvoll und möglich ist.»

Das Kunstmuseum Basel hat im Vergleich zur Fondation Beyeler oder dem Museum Tinguely einen präzis definierten Forschungsauftrag. Mag sein, dass dieser während der heutigen Direktion etwas ins Abseits geriet. Doch wer Bernhard Mendes Bürgi in seiner Tätigkeit als Direktor der Kunsthalle Zürich kannte, wusste, wie sehr er ein Praktiker ist, und es schaffte, so die Argumentation der damaligen, für die Kultur verantwortlichen Basler Regierungsrätin Veronica Schaller, in Menschen das «feu sacré» für die Kunst zu entfachen. Das ist nicht wenig.

Nach der Wahl von Bernhard Mendes Bürgi durch Veronica Schaller und durch Umgehung des Entscheides der Findungskommission, war in bestimmten Kreisen die Ernüchterung gross. In der engsten Wahl standen andere Personen. Mit übermässigen Vorschusslorbeeren ist der amtierende Direktor nicht angetreten. Doch auch wenn die Kritik nicht verstummte, Bernhard Mendes Bürgi wurde in seiner neuen Rolle heimisch und entwickelte sich zu einer prägenden Figur unter den Basler Museumsdirektoren. Nicht nur wichtige Neuzugänge der Sammlung, sondern auch der Erweiterungsbau sind in seiner Amtszeit konkret geworden.

Zusammenarbeit mit Schaulager?

Was die Wissenschaftlichkeit am Museum betrifft, «so hat sich Bernhard Mendes Bürgi nie gegen eine solche gesperrt und war immer offen für den Austausch mit der Forschung», verrät Ralph Ubl.

Ubls Vorgänger Gottfried Boehm zeigt sich nun – wie Ubl selbst – hoch erfreut über die Wahl Josef Helfensteins. Es sei für ihn «mit Abstand die beste Wahl, die er sich vorstellen könne». Er habe, so Boehm, das Koreferat übernommen, als Helfenstein bei Eduard Hüttinger promoviert habe und Helfenstein habe sich später in Basel um die Nachfolge Dieter Koepplins beworben. Nach seiner Emeritierung hat Boehm Josef Helfenstein in Houston besucht und konnte sich dort von der profunden Forschungstätigkeit des neugewählten Direktors überzeugen.

Für Maja Oeri, Präsidentin der Emanuel-Hoffmann-Stiftung und der Laurenz-Stiftung, geht die Forschungsallianz sogar noch weiter. In ihrer schriftlichen Stellungnahme schreibt sie der bz: «Die Situation der Kunstwissenschaft an der Universität war schon lange vor dem Schaulager eine Besondere durch die Nähe des Instituts zum Museum, zur Praxis also. Diese Situation sah ich immer als ideal an, und ich freue mich sehr, dass es gelungen ist, sie auch auf das Schaulager zu übertragen.» Zu ihren Hoffnungen befragt meint sie: «Da bin ich gespannt und offen. Josef Helfenstein kommt mit vielen Erfahrungen, und ich bin überzeugt, dass er an einer engen Zusammenarbeit sowohl mit der Emanuel-Hoffmann-Stiftung als auch mit der Laurenz-Stiftung und dem Schaulager interessiert ist.»

Kontinuität schaffen

Auch Bernhard Mendes Bürgi, der bereits zu einem frühen Zeitpunkt über den Namen seines Nachfolgers informiert wurde, zeigt sich erfreut, wie er gegenüber der bz verrät: «Ich freue mich sehr über die Wahl von Josef Helfenstein und bin überzeugt, dass er das Kunstmuseum Basel auf kluge und künstlerisch hochstehende Weise führen wird. Wir kennen uns seit vielen Jahren, als Josef Helfenstein noch am Kunstmuseum Bern tätig war, und schätzte schon damals seinen fundierten und integren Umgang mit Kunst, Künstlern und dem Publikum. Auch die letzten Jahre hatten wir einen stetigen Austausch, und so weiss ich, dass viele künstlerische und strategische Aufgaben, die mir für das Kunstmuseum Basel wesentlich waren, bei ihm gut aufgehoben sein werden.»

Dank Bernhard Mendes Bürgi sei das Museum heute an einem ganz anderen Punkt als vor zehn Jahren, stellt Ralph Ubl im Gespräch fest, und ein neuer Direktor müsse auf diese Veränderungen reagieren können. Der Erweiterungsbau, die Rolle des Museums für Gegenwartskunst in dieser Konstellation und die Schärfung des Profils, auch unter Berücksichtigung der kulturpolitischen Vorgaben, erfordere einen Direktor, der nicht nur mit den Leuten reden kann, sondern auch den wissenschaftlichen Anspruch erhalten werde.

Was er darunter verstehe? Ralph Ubl: «Die Sammlung muss physisch und dokumentarisch betreut werden, sicher wird Josef Helfenstein wie auch schon in der Menil Collection interdisziplinär arbeiten und dafür auch die Fotosammlung Herzog mit einbeziehen und wohl auch Kontakte in die Universität knüpfen, die über die enge Kooperation mit der Kunstgeschichte hinausgehen, etwa in Stadtforschung oder die Afrikastudien.»

Das Kunsthistorische Seminar versuche diese Anstrengungen durch entsprechende Masterarbeiten und Dissertationen zu unterstützen. Wissenschaftliche Kenntnisse und kunsthistorisches Wissen sei auch eine Ressource, die es zu fördern gelte. Schon deshalb freut es Ubl besonders, dass Helfenstein bereits im kommenden Frühjahr als Gastwissenschaftler nach Basel kommt. Das sind nicht nur gute Aussichten für das Museum, die Universität und das Schaulager, sondern auch für die Kontinuität im Kunstleben Basels.