Strafgericht Basel-Stadt
Der Horror für jeden Fluggast: Reisebüro verkaufte falsche Tickets

Mehrere Familien standen 2015 am Flughafen und warteten auf einen Flug, den es gar nicht gab. Der Grund dafür: Ein Kleinbasler Reisebüro verkaufte wertlose Flugtickets nach Pristina. Jetzt wird den mutmasslichen Betrügern am Strafgericht der Prozess gemacht.

Patrick Rudin
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«Ja, wo ist er denn, unser Flug nach Pristina?»

«Ja, wo ist er denn, unser Flug nach Pristina?»

Stefan Schuppli

Es ist der Albtraum jedes Reisenden: Man fährt mit Kind und Kegel zum Flughafen und stellt dort dann fest, dass der gebuchte Flug nicht stattfindet. Der Schalter des Reisebüros am Flughafen ist verwaist, die Telefonnummern der Helpline abgeschaltet.

Genau dies passierte im Sommer 2015 am Basler Euro-Airport Dutzenden von Familien: Mit dem Ticket in der Hand standen sie mit grossen Augen vor den Bildschirmen und mussten feststellen, dass der von ihnen gebuchte Flug nach Pristina nirgends auftauchte. Sie alle waren Kunden eines Basler Reisebüros in der Clarastrasse, das ebenso Flüge ab Stuttgart und Düsseldorf nach Pristina verkauft hatte.

Staatsanwaltschaft geht von Betrug aus

Zuvor liefen die verkauften Flüge mit der Fluggesellschaft Smartlynx problemlos, doch irgendwann im Verlauf des Frühlings 2015 wurde offenbar der Vertrag zwischen Smartlynx und dem Reisebüro nicht verlängert. Tickets wurden aber weiterhin verkauft. Die Basler Staatsanwaltschaft geht von kriminellen Machenschaften aus: Sie spricht von fiktiven Tickets und hat drei Männer wegen Betrugs und Urkundenfälschung angeklagt.

Seit Montag sitzen nun die drei Männer vor dem Basler Strafgericht. Ein 46-jähriger Schweizer, ein 44-jähriger Mazedonier sowie ein in Deutschland wohnhafter 63-jähriger Italiener, die sich teilweise gegenseitig die Schuld zuschieben. Der 63-Jährige wurde für die Verhandlung aus persönlichen Gründen dispensiert.

Die Zeugen liessen den Gerichtstermin platzen

Der 46-Jährige verweigerte am Montag die Aussage, liess aber eine Stellungnahme verlesen, wonach er unschuldig sei. «Ich weiss, dass es finanzielle Probleme gab im Sommer 2015. Mehr kann ich zu diesen Flügen nicht sagen», schrieb er. Der 44-Jährige war gesprächiger: Er sei bloss ein Angestellter gewesen und habe gar nicht gewusst, dass die Zusammenarbeit mit Smartlynx nicht verlängert worden sei. «Wir haben nicht gewusst, dass es diese Flüge nicht gibt», beteuerte er. Formell sei er zwar Geschäftsführer des Reisebüros gewesen, doch der 46-Jährige habe sich um alles gekümmert.

Auffällig oft fiel am Montag bei den Aussagen des 44-Jährigen der Name eines weiteren Mannes, der in Weil am Rhein wohnt. Wegen der Abflüge ab Düsseldorf gingen auch die deutschen Strafverfolgungsbehörden den Vorwürfen nach, kamen aber zum Schluss, dass man dem Mann sowie weiteren Verdächtigen keine bewusst betrügerischen Verkäufe nachweisen kann. Das Verfahren haben sie deshalb inzwischen eingestellt. Die Wahrheitsfindung ist nicht einfach: Eigentlich wären am Montag auch zwei Zeugen vorgeladen gewesen, doch beide erschienen nicht vor Gericht.

Kunden blieben auf dem Schaden sitzen

In den ersten Tagen im Juli 2015 organisierte das Reisebüro offenbar kurzfristig noch Ersatzflüge, danach aber nicht mehr. Die Staatsanwaltschaft geht von einem Schaden von insgesamt 153'000 Franken bei über 400 ausgestellten Tickets aus, auf diesem Betrag sind die geprellten Kunden bislang sitzen geblieben. Das Reisebüro ging anschliessend Konkurs, das Geld ist verschwunden, mindestens einer der drei Männer ist bereits hoch verschuldet. Die drei Richter fällen ihr Urteil am Donnerstag.