Kunstprojekt

Der Basler Totentanz erlebt eine filmische Wiedergeburt

Oben auf jeder Treppe wird ein Totentanzfilm laufen. Je höher der Stand des Menschen, den der Tod holt, desto höher ist das Podest: ein Still aus dem Projektfilm.

Oben auf jeder Treppe wird ein Totentanzfilm laufen. Je höher der Stand des Menschen, den der Tod holt, desto höher ist das Podest: ein Still aus dem Projektfilm.

Im November wird der Basler Totentanz vom englischen Künstler und Filmer Peter Greenaway neu interpretiert: Der Totentanz des 21. Jahrhunderts wird eine Film- und Kunstinstallation auf der Wiese neben der Predigerkirche.

«Jede Zeit hat ihre eigene Interpretation des Totentanzes.» Diese These ist Ausgangspunkt für das Projekt des dreiköpfigen «Vereins Totentanz», der sich im vergangenen Jahr konstituiert hat. Die drei aktiven Vereinsmitglieder sind Michael Bangert, der Pfarrer der christkatholischen Predigerkirche, sowie das Kulturmanager-Paar Carmen Bregy und Matthias Buschle. Sie haben die Initiative ergriffen, damit Basel auch im frühen 21. Jahrhundert seinen zeitgemässen Totentanz erhält – der zugleich an die historische Version aus dem Spätmittealter erinnert.

Das 60 Meter lange Wandbild von zirka 1440 wäre heute ein Unesco-Weltkulturerbe, wäre die Mauer des früheren Friedhofs der Predigerkirche nicht 1805 niedergerissen worden. Heute haben wir noch einige Porträts der Standesvertreter, die gerettet wurden, und eine Aquarellkopie des Künstlers Johann Rudolf Feyerabend, die er gerade vor dem Abbruch anfertigte. Der Basler Totentanz mit dem Reigen an Bildern aller Standesvertreter, die der Tod heimsucht, beschäftigte immer wieder Künstler von Hans Holbeins d. J. über Matthäus Merian den Älteren bis zu Jean Tinguely.

Bewegte Bilder am alten Ort

Bangert, Buschle und Bregy fragen für das Projekt einen Künstler an, der avancierte Filmkunst mit Bezügen zum Spätmittelalter, zur Renaissance und zum Barock verknüpft. Der Name Peter Greenaway drängt sich da auf. In seiner stets verrätselten Filmkunst – von «The Draughtsman’s Contract» über «The Prospero’s Book» bis zu «The Pillow Book» – schafft er immer wieder kunsthistorische Bezüge. Zudem sind seine Filme stets auch eine Auseinandersetzung mit dem Tod. Und Greenaway ist nicht allein Filmer, sondern ebenso wichtiger bildender Künstler. Der Brite sagte begeistert zu und hat seinen Entwurf als Animationsfilm gestaltet.

Der Totentanz von 2013 wird eine Film- und Kunstinstallation auf der Wiese neben der Predigerkirche, wo früher der Friedhof war. Die 1805 abgerissene Mauer wird wieder errichtet – als Leinwand. Jeder Standesvertreter – vom Kaiser bis zum Bettler –, der vom Tod geholt wird, erhält eine Art Grab. Greenaway baut 37 Podien mit Treppen. Deren Zahl richtet sich nach dem Stand. Auf jeder dieser symbolischen Grabstätten laufen bewegte Totentanz-Bilder, die sich an Holbeins Holzstichen orientieren. Die Filme sind eine greenawaysche kunsthistorische Auseinandersetzung mit dem Thema. Auf der grossen Leinwand findet die filmische Auseinandersetzung mit dem Original statt.

Um das Kunstprojekt herum organisiert der Verein Totentanz in der Predigerkirche verschiedene Vorträge, Konzerte und weitere Veranstaltungen. Ebenso werden Führungen durch die Museen, die im November ihre Totentanz-Werke präsentieren.

Das Budget beträgt 850 000 Franken. 550 000 sind bisher zusammengekommen. Basel-Stadt bezahlt über den Swisslos-Fonds 250 000 Franken, Baselland 100 000. Von Stiftungen kommen 200 000. Finanzchefin Carmen Bregy glaubt, dass die restlichen 300 000 aufzutreiben sind. «Notfalls könnten wir nicht alle 37 Positionen realisieren», erklärt Matthias Buschle.

Informationen www.baslertotentanz.ch

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