Musikförderung

Der Basler Pop-Preis wird basis-demokratisch: «Es macht Sinn zu hinterfragen»

«Wir haben neben vielen Verbesserungsvorschlägen auch Bestätigung erhalten»: Claudia Jogschies und Alain Schnetz vom RFV.

«Wir haben neben vielen Verbesserungsvorschlägen auch Bestätigung erhalten»: Claudia Jogschies und Alain Schnetz vom RFV.

Der RFV Basel gestaltet sein Gefäss zur regionalen Spitzenförderung zeitgemässer.

Auch Bewährtes bleibt nur gut, wenn man es erneuert. Genau das macht der RFV (vormals Rockförderverein Basel) nun mit seinem Pop-Preis. Das Gefäss, das auf die Spitzenför­derung des regionalen Musikschaffens ausgerichtet ist, besteht seit 2009. Die Szene prägende Namen wie The Bianca Story, Anna Aaron, James Gruntz oder Zeal & Ardor gehören zu den bisherigen Preisträgern der Auszeichnung, die mit einem Preisgeld von 15000 Franken und nationaler Beachtung einher geht.

Dennoch hat sich die neu aufgestellte Geschäftsstelle des RFV 2019 entschieden, den ­renommierten Preis für ein Jahr auszusetzen und das Konzept einer Frischzellenkur zu unterziehen. Die Szene verändere sich ständig, begründet Geschäftsleiter Alain Schnetz diesen Schritt: «Daher macht
es ­total Sinn, regelmässig zu hinterfragen, ob die Popförderung des RFV Basel noch zeitgemäss ist.»

Nominierte gehen nicht mit leeren Händen heim

Hierzu hat man in einer Umfrage die RFV-Mitglieder zu Wort kommen lassen. Claudia Jogschies von der Geschäftsstelle hat die Ergebnisse ausgewertet: «Wir haben neben vielen Verbesserungsvorschlägen auch Bestätigung erhalten.» So sei gewürdigt worden, dass es – im Vergleich zu anderen Regionen – den Pop-Preis und die Förderung in der Region Basel überhaupt gebe. Man habe auch einige Anstösse mitnehmen können, so Jogschies, die effektive Neukonzeptionierung sei dann aber in «intensiven Sitzungen» zwischen Geschäftsstelle und Vorstand erarbeitet worden.

Seit heute sind die Ergebnisse dieser Neugestaltung bekannt: Weiterhin soll der Pop-Preis nur alle zwei Jahre – das nächste mal am 19. November dieses Jahres – vergeben werden. So bleibt der Szene mehr Zeit, um sich weiterzuentwickeln. Als angenehmer Nebeneffekt erhöhen sich die Preisgelder: Der Hauptpreis ist nun mit 20000 Franken ­dotiert, die übrigen drei Nominierten gehen neu mit 4000 Franken statt wie bis anhin mit leeren Händen nach Hause.

Die grundlegendste Ver­änderung greift jedoch schon vorher: Wurden Künstler und Bands in den vergangenen Jahren vom RFV und von ausgewählten Branchenexperten vorgeschlagen, so kann nun jeder Musikinteressierte seine Vorschläge einreichen. So soll gewährleistet werden, dass auch wichtige Acts aus vielleicht übersehenen Nischen eine Chance bekommen und die regionale Szene flächendeckender widerspiegelt wird.

Die Geschäftsstelle prüft die eingereichten Vorschläge nach formellen Kriterien: «Im Sinne der Spitzenförderung kommen nur Bands und Musikerinnen für den Preis infrage, die bereits einen beachtlichen Leistungsausweis mitbringen», heisst es in der Medienmitteilung. Zu diesen Kriterien zählen unter anderem bisherige Veröffentlichungen, Live-Erfahrung und Medienresonanz, aber auch die Anzahl von Fans, Clicks und Plays.

Ist diese Hürde genommen, geht es wie bis anhin weiter zur Beurteilung durch eine unabhängige Fachjury, die aus nationalen Musikexperten rekrutiert wird. Aktuell stammen mit Bettina Schelker und James Gruntz nur zwei von fünf Jurymitgliedern aus der Region – mit ­Absicht, wie Claudia Jogschies betont: «Der Basler Pop-Preis ist keine Basler Nabelschau. Wir wollen wissen, wie die Fachleute ausserhalb der Region die Basler Szene wahrnehmen.» Zudem vertraue man darauf, dass die Juroren ihre Entdeckungen in ihrem jeweiligen Netzwerk weiterempfehlen.

Rund zwei Wochen vor der Siegerehrung verkündet die Jury ihre vier Nominierten, die Gewinnerin oder der Gewinner steht erst unmittelbar vor der Verleihung fest. Neben den vier Nominierten kommen zwei weitere Preisträger in den Genuss eines Förder- respektive eines Anerkennungspreises.
Der mit 2000 Franken dotierte Förderpreis namens «Spotlight» soll an Akteure ­gehen, die «im Hintergrund die regionale Szene voranbringen und stärken», wie es im Beschrieb heisst. Alain Schnetz fügt an, dass die Kriterien bewusst offen gehalten seien. Aber: «Bei der Abgabe der Vorschläge muss zwingend begründet werden, warum jemand vorgeschlagen wird.»

Preisvergabe nur im kleinen Rahmen

Altbewährt ist der Anerkennungspreis, der sich an Musikschaffende richtet, die seit mindestens 25 Jahren in der Szene aktiv sind. Hier wurde das Preisgeld von 5000 auf 6000 Franken erhöht. Weil sich die Bevölkerung beim Pop-Preis und die RFV-Mitglieder beim Förder- sowie beim Anerkennungspreis einbringen können, entfällt der undotierte Publikumspreis, der jeweils parallel zum Pop-Preis vergeben wurde.

Eine unfreiwillige Umstellung betrifft schliesslich die Durchführung der eigentlichen Preisvergabe. Gern hätte der RFV ­Basel den neu konzipierten ­Basler Pop-Preis «mit einem entsprechend gestalteten Event umrahmt», heisst es in der ­Medienmitteilung. Dies ist angesichts der Coronapandemie jedoch nicht möglich. Die Hoffnung sei jedoch gross, heisst es weiter, dass es bei der nächsten Durchführung im Jahr 2022 wieder einen würdigen Event geben werde und die «vielfältige und lebendige Popmusikszene der Region Basel gebührend gefeiert werden kann».

Vorschläge können bis 9. Oktober 2020 unter www.rfv.ch/top3 eingereicht werden. Preisverleihung (Corona-bedingt in kleinem Rahmen): 19. November.

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