Basel

«Der Anlass fehlt nicht» – 2020 startet Basel-Stadt ohne Neujahrsapéro

Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann (links) muss 2020 auf ihre Neujahrsansprache verzichten. Bild: Roland Schmid (Basel, 7.1.19)

Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann (links) muss 2020 auf ihre Neujahrsansprache verzichten. Bild: Roland Schmid (Basel, 7.1.19)

Aus Spargründen gibt es 2020 keinen Neujahrsapéro der Basler Regierung – das sorgte für Verwirrung im Ausland.

Das Ende des Basler Neujahrsapéros war ausgerechnet einer der wenigen Erfolge der bürgerlichen Budget-Sparanträge vom vergangenen Februar. Grossratspräsident Heiner Vischer (LDP) versenkte den Anlass damals mit seinem ersten Stichentscheid. Der Pflichttermin zeichnete sich vor allem durch eine Rede des amtierenden Regierungspräsidiums vor geladenen Gästen im Volkshaus aus.

Nun ist es nicht so, dass die Honoratioren dieser Stadt in der ersten vollen Neujahrswoche an Alkoholmangel leiden würden. Allein in Basel führen dieser Tage der Gewerbeverband und die Handelskammer ihre aufwendigen Neujahrsanlässe durch, zusätzlich gilt der Empfang der Baselbieter Wirtschaftskammer als regionales «Must». Hinzu kommt eine Menge kleinerer Events.

Anfangs 2010er eingeführt, seither wenig etabliert

Der parlamentarisch verordnete Ausfall sorgte indes für Irritationen bei Gästen ennet der Grenze. So erhielt die Staatskanzlei teils verwunderte Anfragen aus dem Ausland, warum man denn von Basel-Stadt nicht mehr mit einer Einladung bedacht werde? Der politische Steckerzug zu Neujahr war nicht überall registriert worden.

Eine verschmerzbare Irritation, heisst es aus dem Lager der Apéro-Einsparer. So relativiert Grossratspräsident Vischer: «In Basel hatte dieser Anlass ohnehin noch keine eigentliche Tradition.» Er wurde erst anfangs der 2010er-Jahre eingeführt und habe sich inhaltlich wenig hervorgetan. Dass in Deutschland und Frankreich die ausbleibende Einladung verunsicherte, hat laut Vischer wohl auch mit anderen Traditionen zu tun: «So gibt es in Saint-Louis, aber auch in deutschen Städten eine offizielle Anlasskultur zu Neujahr, die im Gegensatz zu Basel öffentlich ist und von der Bevölkerung geschätzt wird.»

SVP-Grossrat und alt Ratspräsident Joel Thüring stützt Vischer: «Der Anlass fehlt nicht.» Gelegenheiten zum Netzwerken gäbe es dieser Tage genug. Da müsse nicht noch ein weiterer, in diesem Fall eher medioker gestalteter Regierungsanlass in geschlossener Gesellschaft auf Kosten der Steuerzahlern stattfinden. Natürlich sei dereinst eine Neuauflage denkbar, «aber wenn, dann würde ein kreativerer Ansatz deutlich mehr bringen als der bisher Gewohnte.»

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