«Murmeli»

Dem Publikum den Nuggi rausgehauen: Theater Basel zeigt spezielle Aufführung für Babys und Kleinkinder

Im Bann des Murmeltiers. (zvg / Kim Culetto)

Im Bann des Murmeltiers. (zvg / Kim Culetto)

Im Theater Basel findet morgen die letzte Vorstellung des «Murmeli» statt. Sie lässt vor allem Kinderaugen strahlen.

Es kommt vor, dass Opernsänger ihr Publikum zu Tränen rühren. Dem Ensemble der Bregenzer Festspiele soll dies mit Bizets «Carmen» etwa vor zwei Jahren eindrücklich gelungen sein.

Auch das «Murmeli» am Theater Basel sorgt für feuchte Wangen, schon wenige Augenblicke nach Beginn der Aufführung. Das hängt aber weniger mit der Leistung der Darsteller zusammen, sondern mit den Besuchern der Vorstellung. Es sind Babys und Kleinkinder im Alter bis zu zwei Jahren.

Wenn diese «Murmeli» grüssen, ist herzlich wenig daran alltäglich: Es ist Montagmorgen, und der kleine Raum im Basler Theater ist in weiches Licht getaucht. Die drei Opernsänger kauern in der Mitte eines schlichten Bühnenbilds: einige silberne Steine, ein paar Büsche, Matten und Wollknäuel, daneben ein Zuber mit Wasser. Frei drumherum sitzen, krabbeln und tapsen zwischen den Beinen von vielen Müttern und einigen Vätern etwa zwanzig kleine Knöpfe.

Gebannt schauen sie zu den drei Menschen hoch, die sich langsam, aber geräuschvoll aus einer Art Schlaf erheben. Der Titel des Stücks lässt sie mit Murmeltieren assoziieren. Aber solche Verbindungen im Gehirn passieren natürlich nur bei den Erwachsenen, die das Ticket gekauft und die Programmvorschau gelesen haben. Für die Babys im Raum ist der Titel so bedeutungslos wie Worte, Handlung oder ein musikalisches Arrangement.

Ein Knirps ging baden

Entsprechend baff sind sie auch. Den einen haut es buchstäblich den Nuggi raus, als die drei riesigen Gestalten miteinander bald singend, bald gestikulierend kommunizieren und dabei Grimassen schneiden. Andere gehen gar nicht auf die Performance ein, sondern zerlegen kurzerhand das Bühnenbild. Mit geschäftiger Ernsthaftigkeit versenken zwei Knirpse einen Stein nach dem anderen im Zuber, bevor einer schliesslich selbst hinein steigt, um die Sache aus der Nähe zu betrachten.

Dem Schauspiel tut dies keinen Abbruch. Vielmehr bauen die drei Darsteller die Reaktionen der kleinen Kinder spontan in ihre Darbietung ein. Ein kleiner Junge, zuerst forsch auf die eine Schauspielerin zugetorkelt, erschrickt sich dabei und kehrt zurück in die tröstenden Arme seiner Mutter. Eine halbe Stunde dauert das Spektakel. Alle haben sich ausgetobt und sanft endet der Tag. Immerhin das hat die Baby-Oper mit der Erwachsenenausgabe gemeinsam: Das Publikum ist sichtlich geschlaucht und schlummert schon wenig später weg.

"Murmeli": Bis 6. Februar. Theater Basel.

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