Coronaviris

Das Virus und wir: Corona fürs Ohr

Zum Steinerweichen: David Hasselhoff vor der Berliner Mauer.

Zum Steinerweichen: David Hasselhoff vor der Berliner Mauer.

Musik gehört bei vielen Menschen zum Alltag dazu. Für alles und jeden gibt es einen speziellen Hit oder eine Hymne. Doch welche Melodie hat das Coronavirus?

Jeder Sommer hat seinen Hit, jeder Event seine Hymne und jedes Grossereignis seine Erkennungsmelodie. Mal passt das gar nicht («Angie» von den Rolling Stones zur 2005er-­Kampagne von Angela Merkel), mal überhaupt nicht (David Hasselhoffs «I’ve Been Looking for Freedom» zum Berliner Mauerfall) und mal überhaupt gar nicht (Herbert Grönemeyers «Zeit, dass sich was dreht» zur Fussball-WM 2006).

Da fragt man sich zu Recht: Was ist eigentlich der Soundtrack zur Coronakrise? Der erste Gedanke ist natürlich «My Sharona» von The Knack, dessen Hookline sich zu «Scheiss Corona» umtexten lässt. Die überlebenden ­Mitglieder der Band haben übrigens unlängst einen hoffnungsvollen Clip mit dem Alternativtext «Bye, Corona» veröffentlicht. Aber mit Zeilen wie «Come a little closer, huh, a-will ya, huh?» passt das Lied so wenig zu Social Distancing wie Herbert aufs Fussballfeld.

Was bietet sich sonst an? Vielleicht «Is There Anybody Out There?» von Pink Floyd. Der Song ist auf dem Epos «The Wall» eher ein Füller. Aber er hat eine anregende post-apokalyptische Stimmung, und die Isolation der depressiven Hauptfigur Pink zeigt sich kaum irgendwo besser als hier. Doch selbst ultra-konsequente Selbst­quarantänler dürften den Mitsingcharakter für die gemeinsame Balkon-Darbietung vermissen.

Also vielleicht «In The Cage» von Genesis? Zu vertrackt! «Virus» von Björk? Zu naheliegend. Oder einer der endlosen Songs, die in den vergangenen Wochen extra zum Coronavirus geschrieben wurden? Nein, danke, hier gibt es gute Gründe, wieso man sie nicht kennt. Dann also irgendetwas von den Flu Fighters, vom Wu-han Clan, von Miley Virus oder einen Filmsoundtrack von Quentin Quarantino?

Einen ernsten Vorschlag hätte ich noch: «Climbing The Walls» von They Might Be Giants. Das Stück des leider viel zu wenig bekannten amerikanischen Duos ist der geeignete Soundtrack zum Daheimbleiben. Denn es vereint sämtliche Formulierungen der englischen Sprache, die in etwa gleichbedeutend sind mit «die Wände hoch gehen»: «I was grinding my teeth, I was wasting my youth (...) now I’m done chewing my nails, hanging my head, chasing my tail, (...) then I got a new job climbing the walls.»

Zugegeben, im Vergleich zu den sonstigen Sommerhits ist das viel zu textlastig, und auch die Melodie bleibt nicht sofort hängen. Aber das Letzte, das wir jetzt neben einem ansteckenden Virus gebrauchen können, ist ein hartnäckiger Ohrwurm, der sich nicht vertreiben lässt. Und jetzt alle zusammen! I’ve been looking for freedom...

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