Beiz
Das Rätsel um das Gemälde in der Fischerstube ist gelöst.

Jahrelang wussten nicht einmal die Beizer, wer das Fischergalgen-Gemälde in ihrem Lokal gemalt hat. Nun ist klar, wer sich hinter der geheimnisvollen Signatur «huf.» verbirgt.

Martina Rutschmann
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Maler Hans Hufschmid steht mit seiner Frau Anne-Lise vor dem Bild, das er 1974 für die «Fischerstube» gemalt hat.

Maler Hans Hufschmid steht mit seiner Frau Anne-Lise vor dem Bild, das er 1974 für die «Fischerstube» gemalt hat.

Juri Junkov;Juri Juinkov;

Wo ist das? Wer hat das gemalt? Wer ist dieser «huf.»? Ständig stellen Gäste solche Fragen. Und immer antwortet «Fischerstube»-Wirt Karim Frick: «Ich weiss nicht, wer das Bild gemalt hat.» Dieses Schulterzucken hat jetzt ein Ende. Jetzt, 42 Jahre nach der Eröffnung des Restaurants unter dem damals neuen Besitzer Hans-Jakob Nidecker. 42 Jahre, nachdem dieser beschloss, dass über dem Tisch am Eingang ein Bild hängen soll.

Der Arzt Nidecker wollte aber nicht irgendein Bild. Er wollte ein Werk, das er im benachbarten Atelier eines Hobbymalers gesehen hatte. Bloss grösser. So kam es, dass der Detektiv Hans Hufschmid den Auftrag erhielt, den Ort seiner Kindheit erneut zu malen. Es fiel ihm leicht, den Blick von der Breite auf den Fischergalgen und den Rhein beim Rheinbad auf die Leinwand zu bringen. Hufschmid hat den Ort verinnerlicht.

Auch Hunkeler kennt dieses Bild

Und nun sitzt der 84-Jährige da, auf der Bank unter seinem Bild, und ist ein wenig stolz, dass das Interesse daran nach wie vor gross ist. Seine Frau Anne-Lise hat ihn zum Mittagessen mit «Fischerstube»-Geschäftsleiterin Anita Treml und Karim Frick begleitet. Die beiden hatten nichts mit der «Fischerstube» zu tun, als Hans Hufschmid das frischgemalte Bild pünktlich zur Eröffnung herbrachte. Doch seit sie hier sind, lässt das Bild sie nicht mehr los.

Es ist noch nicht lange her, seit sich eine Freundin von Anita Treml echauffierte: In einem Hunkeler-Roman stehe tatsächlich geschrieben, man sehe von der «Fischerstube» aus den Rhein. «Das stimmt doch nicht!», sagte die Freundin – und hatte eigentlich recht. Dennoch konnte Anita Treml sie beruhigen. Es stimme sehr wohl, wenn auch nicht im klassischen Sinne. Aber Autor Hansjörg Schneider habe mit dem Rheinblick auf das Bild angespielt. Jenes Bild mit der geheimnisvollen Signatur «huf.». Wie oft hat sich Karim Frick gefragt, was das wohl zu bedeuten hat?

Jetzt weiss er es. «huf.» ist ein Kürzel und steht für Hufschmid. Auch in Banken, Arztpraxen und Privathäusern hängen Bilder mit diesem Kürzel. «Oft ist der Rhein drauf, Natur allgemein, manchmal Menschen», sagt Hufschmid. Das Lieblingsbild seiner Frau ist ein Porträt des Enkels. Dieser war noch nicht geboren, als der Grossvater den Fischergalgen für Hans-Jakob Nidecker malte. Nie wieder hat er ein Bild in diesem Format gemalt, doch gemalt hat er immer. Selbst heute noch greift er manchmal zum Pinsel und zur Ölfarbe.

Das Atelier befindet sich inzwischen im Reihenhaus des Ehepaares. «Das ist praktisch, so können wir ein wenig plaudern, wenn er fertig ist mit Malen», sagt Anne-Lise Hufschmid. Es sei nicht immer leicht gewesen, einen Mann zu haben, der nach der Arbeit im Atelier verschwindet. Aber so sei das eben mit einem Künstler an der Seite. Sie lächelt.

Werk bekommt bald Gesellschaft

Hans Hufschmid hat für sein «Fischerstube»-Werk 2000 Franken erhalten. «Das war viel Geld», sagt er. Die Einnahmen der Bilder hat das Paar auf die Seite gelegt und später das Haus damit bezahlt. Zwar war es Hufschmids Traum, einmal einen Galgen zu besitzen, doch dazu kam es nie. Er fischte sein Leben lang mit der Rute, sass am Rhein, fotografierte diesen. Die Fotos brauchte er oft nicht als Vorlage. Die Erinnerung reichte. So, wie beim wohl berühmtesten Bild des Malers «huf.».

Karim Frick und Anita Treml haben vor, das Bild für immer an der Stelle hängen zu lassen, wo Hans Hufschmid und Hans-Jakob Nidecker es vor 42 Jahren aufgehängt haben. Vom 11. Januar her wird es aber nicht mehr aus allen Perspektiven so gut sichtbar sein wie bisher: Die Ehrengesellschaft zum Greifen wird dann ihre neue Laterne einweihen – und aufhängen. Was darauf ist, ist geheim. Nur das: «Die Laterne ist farblich auf das Bild abgestimmt», verrät Frick. Aber ein «huf.» sei sie nicht.

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