«Imfluss»
Das Publikum geniesst die neue Nähe

Eigentlich bietet das Konzert-Provisorium ohne Floss Chancen. Der Berner Oberländer Sänger Ritschi ging aber dennoch baden.

Urs Grether
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Geniessen die Nähe zum Interpreten: Zuschauer beim Ritschi-Konzert am Rheinufer. Alex Preobrajenski

Geniessen die Nähe zum Interpreten: Zuschauer beim Ritschi-Konzert am Rheinufer. Alex Preobrajenski

«Imfluss», die Sommerveranstaltung mit und um das Konzertfloss im Rhein, feiert die 15. Ausrichtung und geht dabei baden. Wegen des Wasserstands kann das Floss nicht an Ort und Stelle gefahren, geschweige denn am Flussboden verankert werden. Was aber wäre, wenn die aus purer Not getroffene Lösung der Konzertreihe ganz neuen Elan verpassen würde? Könnte sich das theatralische «Alleinstellungsmerkmal» mit dem Floss in den anderthalb Jahrzehnten nicht etwas abgenutzt haben?

Unaufgeregte Piazza-Stimmung

An Land und rheinaufwärts ausgerichtet steht jetzt eine fast unscheinbare Bühne, nicht zu hoch für die Anwohner, nicht zu breit für die Zone am Ufer. Zunächst einmal ist mit einer «gegroundeten» Konzertbühne der Abstand zwischen Bühne und Publikum auf null geschrumpft. So stellen sich eine Nähe und Unmittelbarkeit zu den Musikern ein, die es an dem Ort so bisher nicht gab. Die Zuschauer, die sich auf den Treppenstufen am Ufer hingelümmelt haben, blieben oft genug lautstark mit sich beschäftigt. Mal flog auch ein Handy in den Bach. Nett. Nun aber stehen sich die Zuschauer in der Gasse vor der Bühne die Beine in den Bauch. Die Konzertsituation als solche findet sich jedenfalls aufgewertet. Die Apéro-Prominenz in der Bar oben stört weniger, wird aus Zusatz-Lautsprechern bei Laune gehalten. Diese Lautsprecher vermitteln das Geschehen weiter flussabwärts, auf die der Bühne abgewandten Seite hin. Wie bereits während der einstündigen Auftritte an den ersten Abenden zu sehen war, entsteht flussaufwärts in der Gasse eine erfreulich unaufgeregte Piazza-Stimmung. Der Sound ist gut, die Lichtshow umspielt das Geschehen subtil. Zwanglos, fast unerkannt mischt sich ein Pippo Pollina nach dem Auftritt unter die Leute.

Stadionbedingungen für Ritschi

Ritschi (35), Sänger der Berner Oberländer «Plüsch», derzeit mit dem zweiten Soloalbum unterwegs, hat am Abend zur Bundesfeier 90 Minuten Auftrittszeit. Weil man die Bühnenabdeckung hinten entfernt hat, können ihn die Apéro-Damen und -Herren genauso sehen wie die Menschen weiter weg auf der Mittleren Rheinbrücke. Die Lichter der Restaurants mischen sich mit ins Bild wie die gelegentlichen Privat-Feuerwerkchen. Für Hitparaden-Stürmer Ritschi und seine Band sind das Stadion-Bedingungen.

Nur mit dem Mitsingen klappts nicht richtig. Dabei hat sich Ritschi einen cleveren Plan zurechtgelegt: Erst erzählt er, wie im Berner Oberland eine gewisse Basler Mundart-Band mit Stücken einer gewissen britischen Band (und deswegen eingestampfter CDs) «Kult» war. Und der Bassist seiner Solo-Band nach «Plüsch» habe sich doch ausgerechnet als der Bassmann jener famosen Basler Truppe herausgestellt!

Hier hätte besagter Emmi Lichtenhahn seinerseits daran erinnern können, wie «D’Schmiir» zu ihrem Auftritt doch tatsächlich aus dem Rheinboot der Basler Polizei an Bord des tatsächlichen Flosses gesprungen kamen – wie auch immer: Ritschi gab dann das «verschmiirte» «Rösli» mitten im Publikum, entschuldigte sich für einen Rempler wegen des verschütteten Biers. Gleich im Anschluss das einzige, aber grösste «Plüsch»-Stück vom «Heimweh nach den Bergen». Sehr beherzt auch das, aber in der vergleichsweise intimen Gasse an Land ging das alles etwas unter.

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