Freizeit
Das neue Konzept des Themenparks zum kleinen Prinzen funktioniert

Seit der Eröffnung am 1. Juli kamen rund 60'000 Besucher in den Themenpark. Von den 31 Attraktionen sind zwei Heissluftballons und eine Freiluft-Bar am spektakulärsten.

Peter Schenk
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Rechts im Bild die Freiluft-Bar, in der man in 35 Meter Höhe etwas trinken kann. Links oben der «Ballon du roi», der auf 150 Meter steigt.

Rechts im Bild die Freiluft-Bar, in der man in 35 Meter Höhe etwas trinken kann. Links oben der «Ballon du roi», der auf 150 Meter steigt.

zvg

Jérôme Giacomoni dürfte ein Stein vom Herzen gefallen sein. Zehn Millionen Euro haben er und sein Geschäftspartner Mathieu Gobbi in den neuen elsässischen Themenpark zum kleinen Prinzen investiert und das Konzept scheint zu funktionieren. 60'000 Besucher kamen seit der Eröffnung am 1. Juli in den beiden Sommermonaten Juli und August und mittlerweile nähert sich der Park den 70'000 Eintritten.

Neuer Zeichentrickfilm in Arbeit

Helfen mag ihnen auch, dass der kleine Prinz im Gespräch bleibt. So dreht Paramount derzeit für 65 Millionen Dollar einen Zeichentrickfilm zum kleinen Prinzen, der 2015 in die Kinos kommen soll. Vor kurzem wurde zudem der 70igste Todestag von Antoine de Saint-Exupéry begangen, französischer Pilot und Autor, der die weltbekannte Geschichte geschrieben hat.

150 Millionen Exemplare des modernen Märchens wurden bisher verkauft. Die Erzählung vom Piloten, der in der Wüste notlanden muss und dort beim Reparieren seines Flugzeugs auf den kleinen Prinzen trifft, der von Planet zu Planet reist, wurde in 285 Sprachen übersetzt und ist damit, mit Ausnahme religiöser Schriften, das weltweit am meisten übersetzte Buch.

In dem Park mit seinen 31 Attraktionen, der nördlich von Mulhouse neben dem elsässischen Freilichtmuseum Ecomusée liegt, spielt das Thema des Fliegens selbstredend eine zentrale Rolle. Da kann man sich beim Gang durch einen Flugsimulator durchschütteln lassen, einen Film über einen Postflieger anschauen, sich eine Antonov, die aus Polen herangeschafft wurde, von innen ansehen oder mit dem Kettenkarussell seine Runden drehen. Am spektakulärsten sind die drei Möglichkeiten, selber in die Luft zu gehen.

Dabei ist die luftige Bar mit ihren fünfzehn Plätzen in 35 Meter Höhe mit dem freien Blick in die Tiefe für so manchen gewöhnungsbedürftig; auch wenn man angeschnallt ist. «Es sind in der Regel immer ein oder zwei Personen dabei, denen nicht ganz wohl ist», berichtet der junge Mann, der uns empor gefahren hat. «Wir raten den Besuchern, zuerst mit dem Fesselballon zu fahren, das ist einfacher. Manche trauen sich nach der Erfahrung mit der Bar dann leider nicht mehr.»

Wir haben uns getraut und können es bestätigen: In 150 Meter Höhe mit dem grossen Ballon über sich, einem Boden unter den Füssen und dem Blick zu Vogesen, Schwarzwald und bei entsprechendem Wetter bis zu den Alpen fühlt man sich erheblich wohler. Yves Fessler, der Pilot des «Ballon du Roi», hat immerhin schon 1000 Ballonflüge absolviert und in den Vogesen sein eigenes Unternehmen «Au gré du vent», das Montgolfières-Flüge anbietet.

Nur noch 50 statt 120 Flügen

Allerdings macht ihm die Wetterentwicklung zu schaffen. «Vor zehn Jahren haben wir noch 120 bis 150 Flüge im Jahr gemacht, jetzt sind es fünfzig», sagt Fessler. Das schlechte Wetter hat auch dem Park zugesetzt, in dem ein zweiter grosser Ballon 130 Meter hoch fliegt. «In den beiden Sommermonaten haben wir 20 Flugtage verloren», berichtet Giacomoni.

Wenn die Ballone am Boden bleiben müssen, erhalten die Besucher als Entschädigung einen Bon von sechs Euro für Erwachsene und drei Euro für Kinder, die sie im Shop, in dem es viele Produkte rund um den kleinen Prinzen gibt, oder in den Restaurants einlösen können. Die Betreiber des Parks haben vor 22 Jahren ihre Firma «Aérophile» gegründet, die sich auf die Herstellung von am Boden befestigten Heissluftballons spezialisiert hat. 75 wurden bisher davon in alle Welt verkauft (zur Sicherheitsfrage siehe Box unten).

Wie im Buch spielen auch im Themenpark Tiere eine wichtige Rolle. So gibt es Vorführungen mit Schafen, Füchsen und Tauben sowie ein Schmetterlingshaus – der Zeitpunkt der jeweiligen Veranstaltung findet sich auf dem Tagesprogramm, das die Besucher beim Eintritt erhalten. Neben dem Rosengarten lädt das Labyrinth des Brunnens zu einem Spaziergang ein, der bis zu 40 Minuten dauern kann. Eine Burg, eine grosse Schaukel und die Seilrutschbahn erfreuen sich bei den Kindern grosser Beliebtheit.

Der Park wendet sich schwerpunktmässig an Familien mit Kindern im Alter von zwei bis zwölf Jahren. Die meisten Besucher kommen zu 60 Prozent aus dem Elsass, zu 20 Prozent aus den französischen Nachbarregionen und zu zehn Prozent aus dem übrigen Frankreich. Deutschsprachige Besucher machen derzeit erst fünf Prozent aus.

Bei Attraktionen wie den astronomischen Fragen, einer Art Quiz, und verschiedenen Filmen ist dies ein Problem, weil die deutschsprachigen Versionen aufgrund der geringer Besucherzahlen aus der Schweiz und Deutschland nur selten oder gar nicht gezeigt werden. Giacomoni ist sich dessen bewusst und hat erst kürzlich eine Mitarbeiterin eingestellt, die sich um die deutschen und Schweizer Märkte kümmern soll.

Zirkusvorstellungen

Am 2. November schliesst der Park, um am 29. November für die Weihnachtssaison mit veränderten Öffnungszeiten von 11 bis 19 Uhr bis zum 4. Januar 2015 wieder zu öffnen. Dann soll es beleuchtete Ballonfahrten geben und zwei bis drei Mal am Tag in einem grossen Zelt Zirkusvorführungen. Für 2015 kündigt Giacomoni zwei neue grosse Attraktionen an.

tgl. 10–18 Uhr, Eintritt 22 Euro, Kinder 16 Euro, Kinder unter ein Meter Grösse frei. Familienkarte für die ganze Saison 99 Euro.

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