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Das Kultkino streamt jetzt auch – ein Streaming-Dienst für Sofa-Cineasten

Kann man jetzt streamen, Kultkino sei Dank: Filme wie «Trading Paradise».

Kann man jetzt streamen, Kultkino sei Dank: Filme wie «Trading Paradise».

Als erstes Kino der Schweiz bietet das Kultkino Basel einen Streaming-Dienst für Sofa-Cineasten an.

Längst wandelt der weltweit erfolgreiche Serien- und Film-Streaming-Anbieter Netflix auf Pfaden abseits des Mainstreams. Eingefleischte Arthouse-Cineasten werden dort und auch bei anderen grossen Heimkino-Diensten wie iTunes oder Teleclub aber nur sehr bedingt fündig. Ihre Bedürfnisse können sie aber zunehmend über alternative Dienstleister befriedigen. So neuerdings auch über eine Basler Plattform.

Still und fast heimlich hat das Kultkino einen Video-on-Demand-Service aufgebaut. «Die Idee ist, die Filme, die wir in unseren Kinos zeigen, auch nach Ablauf der Spielzeit zur Verfügung zu stellen», sagt Kultkino-Geschäftsführer Tobias Faust. Seit Februar ist das Angebot auf der Website myfilm.ch nutzbar. Gegenwärtig stehen über 90 Filme zur Auswahl – vom einheimischen Dokumentarfilm «Trading Paradise» von Daniel Schweizer aus dem Jahr 2016 bis zum gefeierten italienischen Filmdrama «Dogman», das 2018 in Cannes den Preis für den besten männlicher Darsteller erhielt.

myfilm.ch ist eine reine Video-on-Demand-Plattform. Das heisst, dass es kein Abonnement gibt und sich die Filme nur einzeln streamen lassen. Für den Preis von Fr. 8.50 pro Film. «Wir wollen niemanden mit einem Abo fest an uns binden, alle Nutzer sollen frei sein, wann sie wie viele Angebote in Anspruch nehmen wollen», sagt Faust. Im Hinterkopf hat er aber ein Vergünstigungsmodell für die treuen Abonnenten der Kultkinos bereit.

Streaming als Chance

Faust will der neuen Plattform Zeit für eine allmähliche Entwicklung geben. So wurde bis jetzt selbst in den eigenen Kinosälen auf jegliche Werbung verzichtet. Einzig auf der Internetseite findet sich ein entsprechender Link. Und diesen haben bereits einige Cineasten entdeckt. «Seit Mitte Februar haben wir knapp 140 Käufe registriert», sagt er.

Das Basler Kultkino ist der erste Schweizer Kinobetreiber, der sein Angebot entsprechend ausbaut. «Viele Kinos sehen Streaming-Plattformen noch immer einzig als Bedrohung, wir sehen ein in ein lokales Umfeld eingebettetes Angebot im Gegenteil als Chance», sagt Faust.
Das gilt laut Faust auch für die betroffenen Verleiher, die gerne mitmachten. Mit Ausnahme der Stiftung Trigon-Film, die ihre Filme auf der eigenen Streaming-Plattform mit dem Namen Filmingo anbietet und deshalb einen Exklusivitätsanspruch geltend macht (wir haben darüber berichtet).

Als Streaming-Nischenplayer versuchen sich auch weitere Anbieter wie filmo.ch, lekino.ch oder cinefile.ch zu behaupten.

Der Bund hat ebenfalls entsprechende Pläne. So plant das Bundesamt für Kultur (BAK) eine eigene Streaming-Plattform für Schweizer Filme und Serien, die von der öffentlichen Hand mitfinanziert wurden. Die Plattform soll bis 2024 realisiert werden und die Inhalte sollen gratis verfügbar sein, wie BAK-Filmchef Ivo Kummer an den Solothurner Filmtagen angekündigt hat.

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