Sie sind besonders kurzweilig und haben sich am Jungen Theater Basel mittlerweile zu den Lieblingsinszenierungen vieler Zuschauer hochgespielt: Die Klassenzimmerstücke, die erst der Öffentlichkeit, dann aber vor allem ahnungslosen Schulklassen der Region präsentiert werden. Nach «Der 12. Mann ist eine Frau» im Jahr 2006 und «Untenrum» 2011 nimmt Regisseurin Suna Gürler das Konzept erneut auf und lässt in «Don’t feed the troll» drei junge Frauen an einem Projekt zum Thema Medienkompetenz arbeiten. Geläufige Regeln zum richtigen Verhalten im Internet – «Glaube nicht alles, was im Internet steht» oder «Das Internet vergisst nie» – werden von den drei sprudelnden Frauen hinterfragt und neu interpretiert. Das Ergebnis ist einmal mehr überzeugend: Meist bitterböse witzig, zuweilen aber auch mit plötzlicher Ernsthaftigkeit, diskutieren die Frauen leidenschaftlich über Körperideale und Autokorrektur, über Verschwörungstheorien und Facebook-Kommentare.

Katzenmorde und Rassismus

Zum erfolgsversprechenden Konzept hinzukommen bei Gürlers Inszenierung zwei weitere tragende Komponenten: mit Lee-Ann Aerni, Lou Haltinner und Sascha Bitterli drei authentische und unterschiedliche Spielerinnen, die mit sprachlicher Präzision und grosser Präsenz auftrumpfen, und eine zügige Textvorlage, die der Autor Lucien Haug und Hausdramaturg Uwe Heinrich aus Interviews erarbeitet haben. In bloss einer Dreiviertelstunde gelingt es den Darstellerinnen, die Diskrepanz zwischen der Selbstdarstellung im Internet und der alltäglichen Realität in allen Facetten zu diskutieren. Schlagfertigkeit wird zur Metapher für Hasskommentare im Internet: «Ich schlage einfach online drein und gehe den Leuten offline aus dem Weg», gesteht die Harscheste der drei Spielerinnen. Dann wieder messen sich die Frauen darin, welche die meisten Kommentare für ihren Online-Beitrag erhält. Dafür gehen sie an die Grenze des Moralischen: Sie inszenieren Katzenmorde, posten umstrittene Bilder der Mondlandung oder prangern Rassismusvorfälle an.

Als die drei übermütigen Frauen in einem Kommentar selber bedroht werden, wollen sie sich wehren und den Übeltäter, den Troll, ausfindig machen. Und gerade hier steckt die einzige Schwäche der Inszenierung: Auf die wichtigste Frage des Abends, nämlich die, was bei einem ernstzunehmenden Vorfall von Cybermobbing zu tun sei, wird keine klare Antwort gegeben. Die Polizei verständigen? Nein, die Darstellerinnen entscheiden sich für den persönlichen Racheakt.

Aufgeworfen werden die zentralen Fragen aber ganz klar. Dies in einer Inszenierung mit berauschendem Tempo und einer Sprache, die sich eindeutig an ein jugendliches Publikum richtet. Diese Kombination funktioniert: Bei so viel Unterhaltung im Klassenzimmer sehnt sich wohl manch eine Person im Publikum geradezu nostalgisch nach der Zeit auf der Schulbank zurück.

«Don’t feed the troll» Noch bis zum 2.2.2018 im Jungen Theater Basel. Tickets und Aufführungen für Schulklassen können unter www.jungestheaterbasel.ch gebucht werden.