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«Das ist ein ganz toller Entscheid des Landrats, wir freuen uns sehr darüber»

Über den Zusatzbeitrag vom Land herrscht Freude in der Stadt. Intendant in spe Andreas Beck will das Geld für Zusatzproduktionen im Baselbiet ausgeben.

Susanna Petrin
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Für jede Puppe braucht es im Bunraku drei Männer, die sie führen – zwei von drei verstecken sich hier bei der Schweizer Premiere am Theater Basel unter schwarzen Kapuzen.

Für jede Puppe braucht es im Bunraku drei Männer, die sie führen – zwei von drei verstecken sich hier bei der Schweizer Premiere am Theater Basel unter schwarzen Kapuzen.

Juri Junkov/Fotograf

«Das ist ein ganz toller Entscheid des Landrats, wir freuen uns sehr darüber», sagt Samuel T. Holzach, Verwaltungsratspräsident des Theaters Basel. Er sei an Sitzungen gewesen, habe aber per SMS erfahren, dass das Baselbieter Parlament für die Herbstsaison 2015 einen Zusatzbeitrag von 700'000 Franken gutgeheissen hat. «Das ist für die Zukunft des Theaters Basel, das ist für uns und für den kommenden Theaterintendanten Andreas Beck von ganz grosser Bedeutung!»

Auch Philippe Bischof, Leiter Abteilung Kultur des Kantons Basel-Stadt, sagt: «Ich freue mich über diese einmalige Unterstützung. Es ist seit vielen Jahren das erste positive finanzielle Zeichen an das Theater aus dem Kanton Baselland.» Doch so positiv der Beitrag sei: «Er löst das Grundproblem nicht.» Das Theater Basel sei ein «weit nach vorne planender Betrieb», er brauche längerfristig finanzielle Sicherheit. Und das starke Ungleichgewicht zwischen den Theatersubventionen von Basel-Stadt (rund 50 Millionen Franken jährlich) und Baselland (4,5 Millionen Franken jährlich) – bei etwa gleich hohem Besucheranteil – bleibe bestehen. «Der Beitrag aus Baselland muss künftig in angemessener Form höher sein», betont Bischof, an dieser Forderung halte Basel-Stadt fest.

Längerfristige Lösung

Die Baselbieter Regierung hat Ende Oktober eine Erhöhung des Theaterbeitrags um 1,4 Millionen Franken jährlich abgelehnt. Welchen Weg zu einer mittelfristigen Lösung sieht Philippe Bischof noch offen? «Dieser Beitrag war direkt an das Theater Basel gebunden. Baselland könnte seine Kulturvertragspauschale ganz allgemein erhöhen, nicht nur die Subvention an das Dreispartenhaus», lautet ein Vorschlag. «Denkbar ist auch ein Weg in Richtung Lastenausgleich. Auf jeden Fall muss es das Ziel sein, dass Baselland seinen Anteil an den kulturellen Zentrumsleistungen der Stadt generell erhöht.» Derzeit unterstützt Baselland via Kulturvertragspauschale 17 Kulturinstitutionen auf städtischem Boden. Das Geld wird aus einem Prozent des Steuerertrags aller natürlichen Personen im Landkanton generiert – jährlich rund neun Millionen Franken, davon geht derzeit die Hälfte an das Theater Basel.

Holzach mag noch keine konkreten mittelfristigen Lösungen aufzeichnen: «Erst mal herrscht Freude über die Zusatzgelder vor.» Wie es darüber hinaus weitergehen soll, müsse er zunächst mit dem Verwaltungsrat und dem Baselbieter Kulturchef Niggi Ullrich besprechen. Sicher sei aber: Das gesprochene Geld werde unmittelbar in die Kunst, in den Spielplan fliessen.

Mehr Geld für Vermittlung

Andreas Beck, der künftige Intendant des Theaters Basel, kann das bestätigen und sogar konkret sagen, was dank der zusätzlichen 700'000 Franken möglich werde: Ein Schauspiel- und ein Opernprojekt auf dem Land. «Baselland hat sich das Theater damit noch mehr eingeladen», sagt er. Auch bei einem abschlägigen Entscheid hätte er Projekte auf Baselbieter Boden realisiert – nach dem Wienerwald-Motto: «Du entgehst meiner Liebe nicht». Doch nun sei einiges mehr möglich.

Offenbar existieren zudem eine Reihe wünschbarer Projekte, die aus Spargründen gestrichen worden seien. Ein Teil könne nun wieder reaktiviert werden, sagt Beck. Allem voran pädagogische Vermittlungsprojekte, die dazu beitragen sollen, auch bisher theaterferne Erwachsene und Kinder für Oper, Schauspiel und Ballett zu begeistern – zum Beispiel mit einer Klassenzimmeroper. Beck verspricht: «Das Geld wird gut angelegt.»