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Das Claraspital kämpft mit harten Bandagen

Am Rande einer Pressekonferenz schiesst Direktor Peter Eichenberger scharf gegen das Bruderholz-Projekt – die Situation scheint angespannt.

Benjamin Rosch
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So soll die Hauptfassade 2017 aussehen.

So soll die Hauptfassade 2017 aussehen.

zvg

Das Claraspital will neues Porzellan für die Hotellerie. Und neue Matratzen. Diese beiden Anschaffungen stehen weit oben auf der Liste der zukünftigen Projekte, die Peter Eichenberger gestern den Medien vorstellte. Der Direktor des Claraspitals dürfte sich glücklich schätzen, wenn Besteck und Betten seine Hauptsorgen sind. Sind sie natürlich nicht, das wird im Verlauf der Pressekonferenz klar. Unter den Privatspitälern der Region ist ein erbitterter Konkurrenzkampf im Gang. Denn allen ist klar: Es hat zu viele Betten.

Eichenberger beäugt deshalb die Debatte um das Bruderholzspital kritisch. Dieses soll abgerissen und durch eine Tagesklinik ersetzt werden. «Diesen Businessplan will ich sehen, der eine rentables Ambulatorium vorsieht», sagt Eichenberger. Seine Befürchtung: Unterstützung durch die öffentliche Hand. «Und wenn dem so sein sollte, dann wollen wir Privatspitäler auch.» Generell herrscht bei Privatspitälern der Eindruck vor, ehemals staatliche Einrichtungen würden bevorzugt. Eichenberger nannte einen aktuellen Fall: «Beispielsweise die Schliessung des Passerellen-Angebots im Felix Platter, das mit zwei Millionen Franken vom Staat abgegolten wurde – das wäre einem Privatspital nie passiert.»

Trotz aller Kritik: Dem Claraspital geht es gut. Dies belegt die Jahresrechnung. Mehr Eintritte, stationär (+ 2,8%) wie auch ambulant (+ 8,5%) aber auch andere Erträge wie aus Lehre und Forschung führten zu einem Betriebsgewinn von rund 2,14 Millionen Franken vor Abschreibungen. Das entspricht ungefähr dem Budget.

Etwas mehr als 10'000 Patienten behandelten Ärzte und Pflegepersonal im vergangenen Jahr. Rund ein Drittel der Behandelten stammt aus dem Baselbiet, eine Steigerung um 33 Prozent. Stark zugenommen hat aber vor allem die Zahl der Patienten aus Kantonen ausserhalb der Nordwestschweiz, «sogar aus dem Tessin reisen Leute hierhin», sagt Eichenberger.

Angesichts des schärfer werdenden Wettbewerbs wappnet sich das Spital im Hirzbrunnen-Quartier nun für die Zukunft. Und befindet sich im Wandel, sowohl innerlich als auch äusserlich. Für die Klinik bedeutet dies, sich noch mehr auf die einzelnen Kompetenzen wie Onkologie und allgemein innere Medizin zu konzentrieren. Die Orthopädie wurde im vergangenen Jahr zu einem grossen Teil auf das Partnerspital Merian Iselin abgewälzt. Für das Darm- und Pankreaszentrum strebt das Spital hingegen eine Zertifizierung nach internationaler Norm an. Dies soll zum einen die Qualität auf einen gewissen Standard heben, ist aber vor allem auch ein Gütesiegel, welches das Renommee zusätzlich steigern soll.

Teure Bauarbeiten

Die Patienten zeigen sich mit der aktuellen Arbeit zufrieden. Zu dieser Einsicht gelangte das Spital mittels verschiedenen Umfragen. Planungssicherheit geben dem Spital auch Einigungen mit Versicherern über die Baserate, teilweise auf die nächsten drei Jahre hinaus.

Eine besondere Investition ist aber vor allem der grosse Umbau, in welchem sich das Claraspital befindet. Vor rund einem Jahr haben die Arbeiten begonnen, aktuell klafft vor der späteren Hauptfassade eine grosse Baugrube. Zwischen 200 und 250 Millionen Franken lässt sich das Spital das Facelifting kosten.

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