Coronavirus
Das Beizen-Sterben am Barfi geht weiter: Auch das «Des Arts» bleibt nach der Pandemie zu

Jetzt meldet auch das Café Des Arts Insolvenz an. Schuld daran soll allerdings nicht Corona, sondern ein uneinsichtiger Vermieter sein.

Leif Simonsen
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Das «Des Arts» wird auch nach dem Pandemie-Ende zu bleiben.

Das «Des Arts» wird auch nach dem Pandemie-Ende zu bleiben.

Kenneth Nars

Ein weiteres Stück Basler Gastrokultur wird zu Grabe getragen. Das Café Des Arts meldet vierzig Jahre nach seiner Gründung Insolvenz an, wie Hermes Beurret von der Rhyschänzli Gruppe gegenüber der bz sagt. Es zeigt dies: Die Krise macht selbst vor Traditionslokalen nicht Halt. Das «Manger & Boire» hat bereits angekündigt, dichtzumachen. Und die Zukunft des «Braunen Mutz» ist ungewiss, nachdem die Firma Candrian Catering AG bekannt gegeben hat, den Pachtvertrag nicht zu verlängern. Alle betroffenen Beizen liegen am Barfi.

Das «Des Arts» sei jüngst wieder populär geworden

Mit dem «Des Arts» hat es nun auch den Überlebenskünstler unter den Basler Beizen getroffen. Begonnen hatte alles 1980 in der Kunsthalle, als der mit Jean Tinguely befreundete Architekt Frank Hablützel das Garten-Säli in ein permanentes Lokal umwandelte. Es folgte nach zehn Jahren der Umzug ins Stadtcasino und 1999 die Niederlassung am heutigen Ort auf der anderen Seite des Barfis, wo es sich einen Namen als Feierabend-Treffpunkt für besser Situierte machte und wo es gute Cocktails und edle Single Malt Whiskeys gab.

Vieles änderte sich im Verlauf der Jahrzehnte – nicht aber die kitschig-künstlerische Atmosphäre, in die man im «Des Arts» eintauchte. Vor vier Jahren übernahm die Rhyschänzli Gruppe das Lokal. Mit dem Ziel, den Afterwork-Gedanken wieder aufleben zu lassen. «Das war nicht allzu einfach, denn heute treffen sich die Menschen nicht so oft abends unter der Woche», sagt Beurret. Die Eventreihe sei deshalb aufs Wochenende verlegt worden. Durchaus mit Erfolg: Das «Des Arts» sei jüngst wieder populär geworden.

Betroffene arbeiten weiter für Rhyschänzli Gruppe

Bereits vor der Pandemie hatte die Rhyschänzli Gruppe allerdings beschlossen, sich vom Lokal zu trennen. Das Gastrounternehmen sei auf Restaurants, und nicht auf Bars spezialisiert, sagt Beurret. Dass kein Nachpächter gefunden werden konnte, habe aber im Wesentlichen mit der Vermieterin, der Zürich Versicherungen, zu tun. «Wir hatten zwei bis drei Interessenten, namhafte Gastrobetreiber aus Basel und Zürich», sagt Beurret. «Doch die Mietbedingungen haben sie abgeschreckt.»

Die Zürich Versicherungen sei nicht willens gewesen, die hohe Monatsmiete zu senken oder die auf vier Jahre befristete Mietdauer zu verlängern. «Das wirkt natürlich sehr unattraktiv für jemanden, der investieren will», sagt Beurret. Zudem befinde sich das Gebäude in einem schlechten Zustand: Immer wieder seien Heizungs- und Wasserleitungen geborsten. Die Vermieter hätten nichts in den Erhalt investiert.

Das Gebäude befindet sich in einem schlechten Zustand.

(Quelle: Hermes Beurret, Rhyschänzli Gruppe)

Die Zürich Versicherungen sieht das anders. Ein Sprecher sagt, das Gebäude sei nicht grundsätzlich sanierungsbedürftig. Es reichten kleinere Arbeiten zur Werterhaltung. Die Rhyschänzli Gruppe habe darüber hinaus aufwändige Installationen auf Kosten der Vermieterin verlangt.

Eintracht klingt anders. Aber immerhin kommen die Angestellten glimpflich davon. Die meisten der betroffenen Mitarbeiter hätten innerhalb der Gastro-Gruppe, etwa ins «Union Diner», transferiert werden können, sagt Beurret.

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