Bilanz nach 18 Monaten
Das Basler Volkshaus enttäuscht mit leeren Versprechen

Die Basler Regierung wählte die Betreiber des Volkshauses vor drei Jahren nicht wegen des Preises aus, sondern wegen ihres Kulturkonzepts. Doch dieses lässt sich nicht verwirklichen.

Andreas Maurer
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Im Volkshaus beim Claraplatz finden diverse Kulturveranstaltungen statt. So etwa das Literaturfestival (Bild), aber kaum Konzerte.

Im Volkshaus beim Claraplatz finden diverse Kulturveranstaltungen statt. So etwa das Literaturfestival (Bild), aber kaum Konzerte.

Martin Töngi

Der Aufschrei in der Basler Kulturszene war gross, als das Konzertprogramm des Volkshauses vor drei Jahren vor dem Aus stand. Auch in der subventionierten Kaserne fanden damals kaum Rock- und Popkonzerte statt. Die Petition «Popstadt Basel retten» erhielt grossen Zuspruch: Fast 6000 Leute forderten einen Konzertraum mit Platz für 1000 bis 1500 Besucher. Die Politik nahm die Forderung bei der Vergabe des Volkshauses an neue Betreiber auf. Die Regierung berücksichtigte nicht das finanziell attraktivste, sondern «das überzeugendste Projekt».

Als der neue Veranstaltungschef Lukas Wyniger vor zwei Jahren seine Pläne vorstellte, gab er «ein Bekenntnis zur Musik» ab. Für das erste Betriebsjahr 2012 versprach er 90 Tage Musik im Festsaal und 150 Tage Musik im kleineren Unionssaal. Gemeinsam mit dem bisherigen Programmchef Heinz Darr wollte Wyniger selber Konzerte veranstalten. Doch die Rechnung ging finanziell nicht auf. Die Übung wurde nach dem ersten Jahr abgebrochen. Seither überlässt das Volkshaus das Programm externen Veranstaltern.

Ein Blick auf das aktuelle Kulturprogramm des Volkshauses zeigt: Heute Sonntagmorgen spielt die Musikschule Basel um elf Uhr Klassik. Es ist das einzige Konzert bis Frühling. Wyniger erklärt: «Jeder Unternehmer benötigt Visionen, von denen einige gelingen und andere vorerst zurückgestellt werden müssen, um vielleicht später wieder aufgenommen werden zu können. So war und ist es auch bei uns.» Er findet es unfair, wenn die Volkshaus-Betreiber nur am Musikprogramm gemessen werden. Stattdessen solle man etwa die Lesung des deutschen Schriftstellers Martin Walser am kommenden Donnerstag würdigen, fordert Wyniger.

Die Petition von 2010 forderte allerdings keinen weiteren Lesesaal. Tobit Schäfer, Geschäftsleiter des RFV Basel und SP-Grossrat, bilanziert: «Das Veranstaltungsprogramm des Volkshauses ist relativ dicht. Es entspricht aber nicht dem, was die Regierung bei der Ausschreibung versprochen hat und die Veranstalter angekündet haben.» Grosse Popkonzerte fänden selten statt. «Es war und ist klar, dass es für einen nicht-subventionierten Betrieb schwierig ist, damit Geld zu verdienen. Deshalb hätte man wohl von Anfang an ehrlicher sein müssen», sagt Schäfer. Er zieht den Vergleich zur neuen Eventhalle der Messe, die vom Kanton mitfinanziert wurde: «Angekündet wurde ein neuer Mittelpunkt des kulturellen Lebens. Jetzt haben wir einfach eine weitere Messehalle.»

GLP-Präsident David Wüest-Rudin nimmt die Regierung in die Pflicht. Da die kulturpolitischen Bedürfnisse im Verkaufspreis des Volkshauses berücksichtigt wurden, habe man die Betreiber quasi subventioniert, womit auch eine Gegenleistung verbunden sein sollte. Nach dem Verkauf des Volkshauses habe sich die Regierung jedoch still aus der Affäre gezogen. Wüest fordert, dass die Regierung ihre im Kulturleitbild gemachte Absichtserklärung umsetzt und prüft, ob ein Mangel an grösseren Veranstaltungsräumen für Popmusik bestehe. «Je nach Ergebnis soll der Kanton auf die ursprünglichen Absichten zur Bespielung des Volkshauses zurückkommen und allenfalls die stärkere Umsetzung einfordern», sagt Wüest.

Nicht nur beim Musikprogramm können die Volkshausbetreiber nicht halten, was sie versprochen haben. Angekündet wurde auch eine Architekturbi-bliothek, die das Volkshaus finanziere und das Schweizerische Architekturmuseum kuratiere. Museumsdirektor Hubertus Adam erinnert sich: «Es war viel Euphorie vorhanden.» Sie ist verpufft. «Für uns ist diese Bibliothek kein prioritäres Ziel», sagt er. Mit dem Ackermannshof fand seine Institution dieses Jahr einen Partner für Veranstaltungen und Vorträge.

Zurück zur Popmusik: Obwohl das Volkshaus die Erwartungen nicht erfüllt, wird diesmal nicht mehr zur «Rettung der Popstadt Basel» aufgerufen. Schäfer erklärt: «Inzwischen hat sich das Pop-Programm der Kaserne deutlich verbessert. Damit gibt es heute eine gute Alternative zum Volkshaus.»

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