Soul-Konzert

Dampfkocher und regnende Liebe

Lee Fields (69), flankiert von Evan Pazner (l.) und Jake Silver im Atlantis. (zvg)

Lee Fields (69), flankiert von Evan Pazner (l.) und Jake Silver im Atlantis. (zvg)

Lee Fields, der Soul-Sänger aus New Jersey trat am Donnerstagabend im Atlantis auf. Der 69-jährige hat alles gegeben und überzeugt.

Er hat noch keine zwei Strophen gesungen, schon erkundigt sich Lee Fields nach dem Wohlbefinden seines Publikums: «Are you happy?!», ruft der Sänger aus New Jersey ins Mikrofon, und aus dem ausverkauften Atlantis schallt ihm ein deutliches «Yes» entgegen. Auch sonst lässt der 69-Jährige am Donnerstagabend nichts anbrennen. Bereits im Opener «Coming Home» schraubt er seine Stimme in die höchsten Register, bei «Work To Do» sucht er den Blickkontakt zu den Zuhörern auf dem Balkon und bereits bei «Love Prisoner» rinnt ihm der Schweiss übers Gesicht.

Insgesamt steht Lee Fields in Basel nur eine gute Stunde auf der Bühne, doch hat man danach nicht das Gefühl, für die 40 Franken Eintritt zu wenig bekommen zu haben. Im Gegenteil: Mit nur einem Dutzend Songs beweist der Soul-Sänger eindrücklich, wieso er nicht nur zu den Letzten, sondern auch zu den Grössten seiner Zunft gehört.

Kein Musiker-Ego drängt sich vor den Song

Lob gebührt auch den sechs Begleitmusikern, die ihrem Leader mit punktgenauem und unaufgeregtem Spiel eine perfekte Plattform bieten. Hier ist keine Note zu viel, und kein Musiker-Ego drängt sich vor den Song. Soli sind selten, und auf Überraschungen wartet man in den stimmigen Arrangements vergeblich.

Genau so muss es sein bei einem Repertoire, das sich am Soul der frühen Sechzigerjahre orientiert. Grossartig gerät «Money Is King», das dank der Arbeit von Bassist Jake Silver und Evan Pazner am Schlagzeug auch bestens ins Set von James Brown gepasst hätte. Hier brodelt es wie in einem dicht versiegelten DampfKocher – die jederzeit mögliche Explosion inklusive.
Dass im Gegenzug die sanfteren Stücke wie «Ladies», «Will I Get Off Easy This Time» oder das als Zugabe gereichte «Honey Dove» textlich arg platt sind und kaum im Ohr hängen bleiben, ist vernachlässigbar. Die Botschaft muss schliesslich nicht neu sein, um zu berühren. Und wenn bei «It Rains Love» schliesslich die Liebe von der Bühne herab regnet, dann sind alle glücklich.

Meistgesehen

Artboard 1