Schneidergasse
Da baut sich was zusammen – ein Pop-up Store in Rekordzeit für das Basler Label Tarzan

An der Schneidergasse entsteht ein temporärer Laden aus gebrauchtem Holz für das Label Tarzan.

Rahel Koerfgen
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Pop-up Holzabfälle

Pop-up Holzabfälle

Kenneth Nars
In kürzester Zeit, nämlich in elf Tagen, zimmern sie vor Ort aus dem gesammelten Holz einen Pop-up-Store für das Basler Modelabel Tarzan.

In kürzester Zeit, nämlich in elf Tagen, zimmern sie vor Ort aus dem gesammelten Holz einen Pop-up-Store für das Basler Modelabel Tarzan.

Kenneth Nars

Die Bohrmaschine hält Thomas Keller bereits fest in der Hand. Blickt rüber zu seiner Kollegin Sabine Fischer, die sich im ehemaligen Laden Heimatwerk gerade auf ein Tischchen gesetzt hat – und umringt ist von Holz jedwelcher Art: Kisten, Latten, Stühle, Bretter, Regale, ja sogar antik anmutende Masken sind hier an der Schneidergasse zu sehen. Vermeintlich unbrauchbares Holz aus Kellern, Lagern und Dachböden Basels, das in den vergangenen zehn Tagen von Keller und Fischer gesammelt wurde.

Die beiden Innenarchitekten des Büros Bravo Ricky, das sich mit temporären Projekten wie «100 Tage Warschau» oder der Gestaltung der Foodhalle Klara 13 im Kleinbasel im kreativen Pulk dieser Stadt einen Namen gemacht haben, betreten in diesen Tagen Neuland. In kürzester Zeit, nämlich in elf Tagen, zimmern sie vor Ort und zusammen mit Freunden und Familie aus dem gesammelten Holz einen Pop-up-Store für das Basler Modelabel Tarzan.

Es ist ein Sprung ins kalte Wasser, wie Fischer sagt: «Gewöhnlich haben wir neun Wochen Zeit, ein Konzept auf die Beine zu stellen; dieses Mal musste es ruckzuck gehen, weil wir ja nicht wussten, was für Holz wir erhalten werden. Wir waren also ein bisschen planlos. Und jetzt ziemlich nervös.» Aus dem Material liesse sich aber «definitiv» was machen, sagt Keller mit deutlich mehr Gelassenheit in der Stimme.

Freie Hand bei der Gestaltung

Das Projekt an der Schneidergasse 2 – es ist ein Experiment, ein Novum in der Ladenlandschaft Basels. Und eines, bei dem man die Verantwortung noch so gerne den kreativen Köpfen von Bravo Ricky übergeben habe, sagt Manuel Rieder, Geschäftsführer von Tarzan, zur bz.

Das Gebäude am Spalenberg, in dem sich der Laden seines Labels befinde, müsse in den kommenden sechs Monaten renoviert werden. «Uns war es wichtig, in dieser Zeit weiterhin in Basel präsent zu sein, fühl- und sichtbar, an attraktiver Lage. Zudem wollten wir nicht einfach zügeln, sondern das Ganze in eine Geschichte verpacken.»

Und das alles mit einem Mini-Budget. Deshalb die Idee, die Inneneinrichtung des Pop-up-Stores nicht mit neuen Möbeln auszustatten, sondern mit gebrauchtem Holz, «das passt zu unserer Firmenphilosophie, die auf Nachhaltigkeit setzt. Das ist unsere Geschichte.» Keller ergänzt, dass es sich an der Schneidergasse ja auch um eine Zwischennutzung handle. «Da drängt sich eine Einrichtung mit improvisiertem Charakter fast auf. Alles andere wäre irgendwie seltsam.»

Bei der Gestaltung des Ladens lässt Rieder den Machern von Bravo Ricky viel Raum. Gewisse Grundkonstellationen müssten vorhanden sein, etwa Kleiderhänger mit einer Länge von fünf Metern, auch Umziehkabinen. «Ansonsten lassen wir uns gerne überraschen.»

Die Zeichen stehen gut

Die Vorzeichen dafür, dass diese Überraschung gelingen wird, stehen gut, wenn man Fischer und Keller zuhört: Es solle mehr werden als ein Ort, an dem man einfach ein T-Shirt kaufe von einer Auslage, die es in der Art schon hundert- oder tausendfach in Europa gebe, und die auch an die Auslage eines Online-Shops erinnere, so Keller.

Und Fischer ergänzt: «Mit der eigenwilligen, quasi-organischen Einrichtung erhält der Tarzan-Laden sowieso einen ganz speziellen Charakter.» Beide betonen, dass mit solch einmaligen Konzepten die Leute auch in ein Geschäft gelockt werden können. «Da muss ein Erlebnis her. Sonst kann man das T-Shirt ja auch online kaufen.»

In der Austauschbarkeit der Inneneinrichtung orten die Raumkonzept-Profis einen Grund, warum es manch Geschäften in Basel nicht so gut laufe. «Dabei kann das gerade für kleine Retailer eine grosse Chance bedeuten, den eigenen Laden eigenwilliger zu gestalten als die Masse», so Fischer. Auch bei Bravo Ricky versuche man zunehmend, wegzukommen von einfach nur «schönen» Räumen: «Lieber etwas Lustiges, Schräges schaffen und dabei eine Geschichte erzählen. Und die kann durchaus Ecken und Kanten haben. Viel kosten muss das nicht, wie das Beispiel des Holz-Shops zeigt», so Keller.

Gegen den Materialverschleiss

Fischer sagt weiter, Bravo Ricky wolle mit diesem Projekt aufzeigen, dass aus wiederverwertetem, vermeintlich unbrauchbarem Material etwas Neues geschaffen werden könne. «Der Materialverschleiss, den wir bereits im Bereich Event- und Messebau beobachten konnten, stimmte uns sehr nachdenklich. Da werden ganze Einrichtungen nach einer Woche oder wenigen Tagen in die Mulde geworfen, total absurd.» Sie plädiere für einen bewussteren Umgang mit Ressourcen, gerade im Baubereich.

Was Sabine Fischer, Thomas Keller und ihre Freunde und Familien in diesen Tagen aus dem gesammelten Holz nun tatsächlich zusammen bauen, ist ab 13. April an der Schneidergasse 2 zu sehen. Dann feiert der Pop-up-Store von Tarzan Eröffnung.

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