Kino

«Crowd-Funding XXL» für Spielfilm über Bruno Manser

Noch fehlen 30 Prozent des 4,6-Millionen-Budgets für einen spektakulären Spielfilm über den Basler Umweltaktivisten Bruno Manser. Die Vorbereitungen laufen seit acht Jahren, 2019 soll der Film mit dem Basler Sven Schelker in der Hauptrolle in die Kinos kommen.

Alle Basler über 40 kennen Bruno Manser, den Umweltaktivisten, der sich in den 90er-Jahren mit spektakulären Aktionen für den Erhalt des Regenwaldes in Borneo eingesetzt hat und seit Mai 2000 als verschollen gilt. Viele Jüngere kennen den Namen nicht mehr oder kennen ihn zwar, können ihn aber nicht zuordnen.

Das soll sich nun ändern, findet der Zürcher Filmproduzent Valentin Greutert. Und mit ihm viele Gleichgesinnte, seien es direkte Verwandte, Bekannte oder die Verantwortlichen des Bruno Manser Fonds. «Die Geschichte von Bruno Manser ist für Schweizer Verhältnisse beispiellos», sagt Greutert. «Sie hat alles: Abenteuer, Drama, grosse Fragen rund um globale Konzerne, Staatsinteressen und kleine Völker. Und mittendrin ein Basler, der sich uneigennützig für ein indigenes Volk einsetzt, mit seinen Aktionen zum Staatsfeind wird und spurlos verschwindet.»

Seit acht Jahren arbeitet Greutert am Manser-Film, der den Titel «Paradise War – die Bruno Manser Story» tragen wird. Am Mittwoch stellte er sein Projekt erstmals den Medien vor: Um über die Fortschritte zu informieren, und wohl auch, um die noch fehlenden 900'000 Franken aufzutreiben. Denn das 4,6-Millionen-Projekt ist für Schweizerische Verhältnisse in vielerlei Hinsicht speziell: 50 Drehtage sind geplant, die meisten davon auf der abgelegenen Insel Borneo.

Die Schauspieler und Statisten werden teilweise direkte Nachkommen der Ureinwohner sein, bei denen Manser damals gelebt hatte. «Das wird eine unglaubliche Herausforderung für uns alle», sagt Greutert. Rein logistisch – er rechnet mit einem Drehort mehrere Fahrstunden von der Zivilisation entfernt – aber auch menschlich. «Es wird spannend, zu sehen, wie sich die Ureinwohner am Filmset verhalten werden – da haben wir keinerlei Erfahrung.»

Von einer Besetzung mit Schauspielern, die nicht dem Volk der Penan angehören, hält Greutert nichts. «Das würde sich irgendwie falsch anfühlen und würde der Sache nicht gerecht, auch wenn es uns Schweizern kaum auffallen würde. Aber wir drehen diesen Film nicht nur für uns, sondern auch für die Penan.»

Praktikum im Urwald

Drehbuch-Autor Niklaus Hilber hat als Vorbereitung bereits mehrere Wochen mit Angehörigen des indigenen Stammes gelebt, hat sie beim Jagen beobachtet und einzelne Fetzen ihrer Sprache aufgeschnappt – etwas, das in den kommenden Monaten auch auf Manser-Darsteller Sven Schelker zukommen wird. «Ich freue mich wahnsinnig auf diese Aufgabe und werde vier Wochen mit den Eingeborenen verbringen, damit ich einen glaubwürdigen Manser abgebe», sagt der 28-jährige Basler, der 2015 an der Berlinale mit dem Schweizer Filmpreis ausgezeichnet wurde.

Um das fehlende Geld aufzutreiben, gehen die Verantwortlichen neue Wege. «Interessierte Personen können in den Film investieren, wenn sie 100'000 Franken beisteuern. Als Gegenleistung winken die Beteiligung am Erfolg des Filmes und verschiedene Privilegien wie Set-Besuche oder exklusive Premieren», schreiben sie in einer Medienmitteilung. Crowdfunding im XXL-Format, gewissermassen.

Die Dreharbeiten starten im Oktober und finden im indonesischen Teil der Insel Borneo statt.

Der Film soll 2019 in die Kinos kommen. Weitere Informationen: brunomanserfilm.ch

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