Der Claraturm-Rohbau ist fertig – wir waren drin

Baustellen-Rundgang
Der Claraturm-Rohbau ist fertig – wir waren drin

Aussicht über die Stadt, verstellbare Einrichtungen und ein Swimmingpool auf dem Dach ‒ der Claraturm mit dem Annexbau ist auf dem Wohnungsmarkt gefragt. Das habe wir auf einem Baustellen-Rundgang am Montag erfahren.

Tobias Gfeller
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Mit hohem Tempo zieht der Kran das Fassadenelement bis über 80 Meter in die Höhe. Nur noch wenige Stockwerke des insgesamt 96 Meter hohen Claraturms sind offen, knapp zwei Wochen dauert es, bis die Fassade eines ganzen Stockwerkes fertig ist.

Simone Morger

Der Rohbau ist fertig. Wäre da nicht die Coronapandemie, würde die UBS als Investorin und die Halter AG als zuständige Firma für die Projektrealisation gemeinsam mit den gegen 400 Bauarbeitern Aufrichte feiern. Stattdessen gibt es für die Bauarbeiter mehrere coronakonforme Essen, wie Roger Seiler, Gesamtprojektleiter der Halter AG, an der Begehung am Montag vor Ort voller Dankbarkeit betonte.

Blick auf die Baustelle im Innenhof.

Blick auf die Baustelle im Innenhof.

Roland Schmid

Dem Bau des Claraturms gleich neben dem Messeplatz gingen jahrelange Rechtsstreitigkeiten und Abstimmungskämpfe zuvor. Nun dauerte es nur noch gut sieben Monate, bis auch die letzten Mieterinnen und Mieter einziehen können. Die ersten Wohnungen im Annexbau – das sind die sechs optisch identisch wirkenden Stockwerke neben dem Turm – sind bereits fertiggestellt und bezogen.

Der Rohbau des Claraturms ist fertig.
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Im fünfstöckigen Annexbau (vorne) sind die Wohnungen bezugsbereit.
Knappe zwei Wochen dauert es, bis die Fassade eines Stockwerks fertiggestellt wird.
Die Fassadenteile «fliegen» via Kran ans Gebäude hoch.

Der Rohbau des Claraturms ist fertig.

Roland Schmid

Wie aus der Ein- eine Zweizimmerwohnung wird

35 dieser 60 Wohnungen gestaltete die Halter AG im von ihr mitentwickelten Raumkonzept «Move-ment». Dabei können die zentralen Einrichtungselemente wie der Schrank und das Bett per Knopfdruck verschoben werden. «In der Nachteinstellung steht das Bett im Zentrum, in der Tageseinstellung erhält die Küche mehr Platz», sagte Bau- und Projektleiter Sven Schäfli und führte das System gleich selber vor:

Simone Morger

Aus einer eigentlichen Einzimmerwohnung wird so mindestens eine Eineinhalbzimmerwohnung. Erhebungen aus Adliswil, wo die Halter AG ihr neues Raumkonzept zum ersten Mal umgesetzt hat, zeigen, dass die Mieterinnen und Mieter nur ganz selten pro Tag die Einrichtungselemente verschieben, verrät Schläfli. «Die meisten bevorzugen eine Kompromisseinstellung zwischen Tag und Nacht, in der eigentlich alles möglich ist.»

Grosse Wohnungen weniger gefragt

Solche gut 30 Quadratmeter grossen «Move-ment»-Wohnungen seien vor allem bei Jüngeren beliebt. Gemäss Sven Schläfli sind in Innenstädten grössere Wohnungen nicht mehr so gefragt. «Ich kann mir schon vorstellen, dass solche flexiblen Raumkonzepte das städtische Wohnen der Zukunft mit Verdichtung gegen innen sein können.»

Den Ausblick testen bei Tag und Nacht:

Quelle: Raumgleiter AG/Digitale Vermarktung: Tend AG

Dass grössere Wohnungen in Innenstädten nicht mehr so gefragt sind, bestätigt auch Thomas Aegerter, Regionaldirektor der UBS Basel. «In der Stadt geht der Trend immer mehr zu mittelgrossen und kleineren Wohnungen. Die Coronapandemie hat diese Entwicklung zusätzlich beschleunigt, in dem zum Beispiel Familien grössere Wohneinheiten mehr im Grünen bevorzugen.»

Eine Wohnung im sechsten Stock des Claraturms im Rohbau.
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Das Dach des Annexbaus, wo sich auch der Pool befindet.
Ausblick vom 27. Stock des Claraturms auf die Baustelle des zweiten Roche-Turms.
Blick übers Matthäusquartier in Richtung Novartis Campus.
Blick von der Clarastrasse in Richtung Münster (oben Mitte).
Blick in Richtung Kleinhüningen.

Eine Wohnung im sechsten Stock des Claraturms im Rohbau.

Roland Schmid

Mit der App das Paket abholen

Alle 60 Wohnungen im Annexbau sind bereits vergeben. Von den 225 Wohnungen im Turm sind nach drei Wochen Ausschreibung bereits 105 vergeben. Thomas Aegerter, der selber im Quartier aufgewachsen ist, ist mit dieser Quote sehr zufrieden. «Die Lage und die Qualität der Wohnungen sind sehr gefragt.»

Ein «Hallo» begrüsst die Bewohner im Eingangsbereich des Annexbaus.

Ein «Hallo» begrüsst die Bewohner im Eingangsbereich des Annexbaus.

Roland Schmid

Zu dieser Qualität gehören nicht nur verschiebbare Einrichtungselemente, sondern auch sonstige digitale Zückerchen. So erhalten alle Mieterinnen und Mieter eine eigene Claraturm-App mit direkter Kontaktmöglichkeit zur Verwaltung. Über diese App funktioniert auch der Paketraum. Bringt der Pöstler ein Paket, das im herkömmlichen Milchkasten keinen Platz hat, kann er es in einer Box im Paketraum verstauen. Diese lassen sich via Touchscreen bedienen. Jene Person, an die das Paket gerichtet ist, erhält auf der App eine Nachricht mit einem Code, mit dem sie die Paketbox öffnen kann.

Der Pool und das öffentliche Café

Der Claraturm ist auch digitales Wohnen der Zukunft. Zum modernen Stadtleben passt auch der zwölf Meter lange und viereinhalb Meter breite Swimmingpool auf dem Dach des Annexbaus:

Roland Schmid

Alle 500 Bewohnerinnen und Bewohner werden darin aber kaum gleichzeitig Platz finden. Die anderen können sich derweil im halb öffentlich zugänglichen obersten Stockwerk vergnügen. Dort sind Stand heute ein Café, ein Fitnessraum und womöglich Co-Working-Arbeitsplätze angedacht.

Rundumblick in einer Wohnung im Rohbau im 6. Stock sowie ein Ausblick aus dem noch nicht verkleideten 27. Stock.

Simone Morger

Die zu Beginn geplanten Büros wurden im ganzen Turm durch Wohnungen ersetzt. Zurecht, wie der Büromarkt in den vergangenen Jahren und explizit in der Pandemie gezeigt habe, so UBS-Regionaldirektor Thomas Aegerter. Im Erdgeschoss soll es unter anderem ein Restaurant und ein Kiosk geben.