Feuerlöschboot
Christophorus sucht auf dem Rhein nach Vermissten

Markus Luginbühl ist Schiffsführer des Feuerlöschboots Christophorus, das unterhalb des Hotels «Les Trois Rois» ankert. Brände hat er selten zu löschen, jedoch musste er letztes Jahr 25 Mal nach Rheinschwimmern suchen.

Muriel Mercier
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Schiffsführer Markus Luginbühl hat das Feuerlöschboot von Deck bis Kiel im Griff: Die «Christophorus» muss jeden Tag startklar sein.

Schiffsführer Markus Luginbühl hat das Feuerlöschboot von Deck bis Kiel im Griff: Die «Christophorus» muss jeden Tag startklar sein.

Kenneth Nars

Auf dem Armaturenbrett leuchten zig Knöpfe. Funkgeräte und Telefonhörer sind nebeneinander eingebaut, ein Monitor zeigt eine Karte des Rheinlaufs. Markus Luginbühl hat seine Hand auf einem grünen Hebel. «Heute ist ein Steuerrad halt kein richtiges Rad mehr.» Er muss es wissen, denn Luginbühl ist Schiffsführer auf dem Feuerlöschboot Christophorus, das unterhalb des Hotels «Les Trois Rois» ankert.

Auch wenn auf dem Schiff Löschschläuche aufgerollt sind und auf dem Deck eine riesige Wasserkanone gen Himmel gerichtet ist, müssen Luginbühl und seine Mannschaft selten bis gar nie einen Brand löschen. Meistens geht es bei ihrer Arbeit um die Rettung von Menschen im Rhein. Rund 25 Mal rückten die Feuerwehrmänner im vergangenen Jahr wegen vermisster Personen und wegen Schwimmern in Not aus. Allerdings sei nicht jedes Mal etwas Schlimmes passiert. «Oftmals erledigt sich die Sache selber, weil die um Hilfe rufende Person den vermeintlich Vermissten weiter unten im Rhein wieder trifft», erklärt Luginbühl.

Erfahrungen bis zum Meer

Der 56-Jährige ist verantwortlich, dass das Feuerlöschboot einsatzbereit und sauber ist. Jeden Tag gibt es auf und unter Deck viel zu tun. Im Maschinenraum wurden diese Woche zum Beispiel gerade Malerarbeiten erledigt. Zudem müsse regelmässig abgeklärt werden, ob die Heizungen warm sind und Öl vorhanden ist.

Für die sehr unterschiedlichen Arbeiten braucht ein Schiffsführer viel Wissen und eine entsprechend breite Ausbildung. Es reiche nicht, Berufsfeuerwehrmann zu sein, führt Luginbühl aus. Diese Ausbildung ist nur ein Teil des Berufs als Schiffsführer. Man muss sich auch in der Nautik auskennen. «Als Schiffsführer muss man auf einem Grossschiff gearbeitet haben, bis zum Meer gefahren sein und das Kapitänspatent erworben haben.» Luginbühl war neun Jahre auf dem Wasser unterwegs. Danach folgten 18 Jahre bei der Berufsfeuerwehr in Bern.

Neben der 41 Jahre alten «Christophorus» kümmern sich die Männer rund um Luginbühl noch um das Löschboot Fürio, das oberhalb der Schleuse auf Birsfelder Boden stationiert ist. Zwar ankert dieses im Baselbiet, die Basler Feuerwehr allerdings ist verantwortlich. Jeden zweiten Tag wird auch dort das Schiff auf Vandalismus oder technische Störungen geprüft.

Fliesstabelle errechnet Fundort

Luginbühl verbringt wöchentlich nur wenige Arbeitsstunden auf dem Löschboot. Hauptsächlich ist er als Ausbildner tätig. Geht aber ein Notruf rein, sind er und seine Leute in wenigen Minuten zur Stelle. Luginbühl erklärt das Vorgehen: Wird das Löschboot gerufen, weil jemand beobachtet, wie ein Mensch im Rhein untergeht, rechnet der Schiffsführer anhand einer Fliesstabelle aus, wo sich der Untergegangene laut Strömung Minuten später befinden wird. Das Löschboot fährt zur Brücke unterhalb der errechneten Stelle, um den Vermissten nicht zu verpassen und lässt sich treiben. So hält es ungefähr das Tempo eines menschlichen Körpers im Wasser.

Für Einsätze in der Nacht verfügt das Boot über eine Stadionbeleuchtung. Neben dem grossen Löschschiff fahren ein mittleres Motor- sowie ein Schlauchboot der Feuerwehr mit. Zudem stehen Polizeiboote, das Hafenboot und sogar die Fähren im Einsatz. «Die Fährimänner empfangen unseren Funk auch.» Allerdings gibt Luginbühl ehrlich zu: «Man muss leider sagen, dass die Chance, jemanden zu finden, der wirklich untergegangen ist, gering ausfällt.»

Dank Patrouille Leben gerettet

Die Menschen hingegen, die im Wasser einen Krampf bekommen, in Panik geraten oder ihnen schwarz vor Augen wird, können gerettet werden. Dies passiert häufig an heissen Sommertagen. Deswegen fährt die Berufsfeuerwehr gemeinsam mit anderen Blaulichtorganisationen bei hohen Temperaturen Patrouille. So konnten schon mehrmals Menschenleben glücklich gerettet werden, erzählt Luginbühl. Er betont zwar, dass immer mehr Rettungsaktionen ausgeführt werden müssen. Gleichzeitig relativiert er aber: «Heute sind die Menschen sensibler auf das Thema Rheinschwimmen und reagieren schneller. Zudem hat die Anzahl an Rheinschwimmer drastisch zugenommen.»

Hauptsächlich kümmern sich die Feuerwehrmänner auf der «Christophorus», darum, Katastrophen abzuwehren. Jährlich müssen sie zwei bis drei Jachten sowie ein Grossschiff abschleppen. Auch häufig sind Einsätze wegen Schwemmholz, das nach einem Unwetter den Rhein hinunter treibt. «Allerdings nur, wenn dieses Gefahr für die Schifffahrt darstellt.»

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