Nähkästchen
Chef der Uhrenmarke Oris: «Es ist mir nicht recht, dass ich so oft fliege»

Rolf Studer, Chef des Hölsteiner Uhrenhersteller Oris, plaudert aus dem Nähkästchen. Über Plastikabfall, was er von der Baselworld erwartet, und die Verwurzelung der Marke in der Region.

Rahel Koerfgen
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Rolf Studer hat das Lösli mit dem Begriff «Dicke Luft» aus dem Nähkästchen der «Schweiz am Wochenende» gezogen.

Rolf Studer hat das Lösli mit dem Begriff «Dicke Luft» aus dem Nähkästchen der «Schweiz am Wochenende» gezogen.

Kenneth Nars

Herr Studer, worüber reden wir?

Über «Dicke Luft».

Es herrscht dicke Luft auf diesem Planeten. Derzeit gehen tausende junge Menschen auf die Strasse, um gegen den Klimawandel zu demonstrieren.

Das wurde höchste Zeit. Eine tolle Bewegung. Aber es ist verrückt, wie viel es braucht, bis wirklich etwas passiert. Wir alle wissen im Prinzip schon lange, dass es schlecht steht um die Erde, und trotzdem haben wir bis dato – oder zumindest die meisten von uns – nur wenig unternommen, um das Klima zu schützen.

Würden Sie auch an einer solchen Demo teilnehmen?

Das kann ich mir sehr gut vorstellen. Oris macht seit zwei Jahren am «World Clean Up Day» mit. Eine Bewegung, bei der Leute ihre Umgebung, die Natur, vom Müll befreien. Da bin ich stets dabei.

Warum dieses Engagement?

Die Mission der Firma ist, sich sozial und ökologisch verantwortungsbewusst zu verhalten. Wir beschäftigen uns seit einigen Jahren mit solch umweltbezogenen Themen, im Speziellen mit der Plastikverschmutzung des Meeres. Gerade als Firma muss man eine Vorbildfunktion einnehmen. Das ist alles andere als ein Marketing-Gag.

Wie sieht das mit der Vorbildfunktion im Arbeitsalltag aus?

An unserem Firmensitz in Hölstein haben wir Plastik verbannt. Alle Angestellten haben wiederverwendbare Flaschen erhalten. So möchten wir fördern, dass mehr Hahnenwasser getrunken wird.

Anstatt Wasser aus Frankreich oder gar Norwegen, wie es neuerdings die Schweizer Detailhändler verkaufen...

...das ist ein absoluter Witz im Wasserschloss Schweiz! Das Leitungswasser hier ist das beste weit und breit. Im Restaurant beschwere ich mich stets, wenn ich Wasser aus der Flasche erhalte, und bestelle Hahnenwasser. Ich bezahle auch gerne was dafür.

Wie setzen Sie Ihre umweltbewusste Haltung sonst noch um im Privaten? Trennen Sie zum Beispiel den Müll?

Natürlich. Und ich achte darauf, möglichst wenig Produkte mit Plastikverpackung zu kaufen.

Sind Sie oft mit dem Flugzeug unterwegs?

Beruflich leider ja. Aber es ist mir nicht recht, dass ich so oft fliege. Wenn ich mit der Familie verreise, versuche ich, das zu vermeiden und die Ferien in Europa zu verbringen. Meine Kinder finden das nicht immer so toll, da herrscht hin und wieder dicke Luft (lacht).

Sie scheinen sich intensiv mit Umweltschutz zu beschäftigen. Was hat Ihnen die Augen geöffnet?

Die Erkenntnis, dass natürliche Ressourcen wie Öl oder Kohle, die sich über Jahrmilliarden aufgebaut haben, innert wenigen Jahrhunderten fast aufgebraucht wurden. Da muss man kein Klimawissenschaftler sein, um zu verstehen, dass das wenig sinnvoll ist. Auch interessant ist die Tatsache, dass es gar nicht so lange her ist, als die Menschen noch nachhaltig gelebt haben. Fernab von der Wegwerfgesellschaft, die wir heute haben.

Inwiefern?

Nehmen wir dieses aktuelle Modewort Nose to Tail. Hier werden alle Fleischstücke eines Tieres verwertet und konsumiert. Zu Zeiten unserer Eltern oder Grosseltern war das ganz normal. Heute wollen alle nur das Filet, und der Rest landet im Abfall. Was hat das mit gesundem Menschenverstand zu tun?

Apropos Abfall. Im Juni kommt das Uhrenmodell Clean Ocean von Oris auf den Markt. Auf der Rückseite des Gehäuses befindet sich ein Medaillon aus rezykliertem Plastik aus dem Meer. Wie kam es dazu?

Wir unterstützen das Projekt Pacific Garbage Screening, das innert fünf Jahren eine Plattform schaffen will, die den Plastikmüll aus dem Meer filtert und rezykliert. Mit dem Medaillon möchten wir gerade Menschen, die sich Luxus leisten können, zeigen, dass auch aus Rezykliertem Schmuckstücke entstehen können.

Wie viel investiert Oris jährlich in die Unterstützung solcher Projekte?

Zahlen nennen wir keine. Aber es handelt sich um langfristige Engagements.

Wir treffen uns hier am Stand von Oris an der Baselworld. An der Messe herrscht bereits seit zwei Jahren ziemlich dicke Luft. Wie ist die Stimmung heuer?

Erstaunlich positiv und aufgeräumt.

Viele Aussteller haben der Baselworld den Rücken gekehrt. Warum ist Oris weiterhin dabei?

Nach wie vor stellt eine solche Messe für einen Uhrenhersteller eine effiziente Art und Weise dar, alle Anspruchsgruppen innert kurzer Zeit an einem Ort zu treffen. Und auch in punkto Umweltschutz ist die Messe eine gute Sache. Sonst müssten die Kunden und Hersteller mehrere Male im Jahre um den Globus jetten, um zusammenzukommen.

Was erwarten Sie von der Baselworld in den kommenden Jahren?

Sie muss sich weg von der reinen Händler- zur Erlebnismesse hinentwickeln. Es sollen alle Anspruchsgruppen befriedigt werden, indem die Welt der Uhren aufgezeigt wird. Offene Werkstätten, wo man beobachten kann, wie ein Zifferblatt entsteht. Panels mit Exponenten aus der Branche. Und so weiter. Da gibt’s viele Möglichkeiten. Ich habe meine Ideen bei den Organisatoren jedenfalls eingebracht.

Sie tragen den Namen Oris aus Hölstein in die Welt hinaus. Es fällt aber auch auf, dass sich Oris verstärkt in der Region engagiert, etwa durch das Sponsoring beim Floss-Festival, oder neuerdings als «Official Timekeeper» des FC Basel...

... ich denke, als lokale Uhrenfirma liegt es nahe, mit dem lokalen Fussballclub zusammenzuspannen.

Aber Sie möchten in der Region schon stärker wahrgenommen werden.

Ja, das ist korrekt. Wir wollen unterstreichen, dass wir stolz sind auf unsere Wurzeln. Deshalb haben wir jüngst den Ortsnamen Hölstein ins Firmenlogo integriert.

Zum Schluss: Wie viele Uhren besitzen Sie?

Etwa 20. Die meisten sind Vintage-Modelle, einige Erbstücke auch. Das ist das Schöne an mechanischen Uhren: Sie haben eine wunderbare Beständigkeit, sind alles andere als ein Wegwerfartikel.

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