Euro-Airport
Catherine und Bussard Chinook – dieses Duo verbreitet Angst und Schrecken

Seitdem Catherine Daucourt ihre Bussarde regelmässig auf dem Flughafen fliegen lässt, sind die lästigen Tauben weg.

Peter Schenk
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Die Krähen sind in heller Aufregung, weil ein Bussard auf dem Flughafengelände ist.
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Der Busshard Chinook sitzt unter dem Dach der Feuerwehrwache auf dem Euro-Airport (EAP) und scannt mit schnellen Kopfbewegungen die ganze Halle.
Der Name Chinook stammt aus einem berühmten französischen Comic. Der Wüstenbussard (Harris Hawk) ist ein Weibchen und 2013 geboren.
Das Geheimnis der Falknerei ist das Gewicht des Busshards, das Aufschluss darüber gibt, wie hungrig er ist.
Ist er zu schwer, ist er nicht motiviert, Tauben zu vertreiben.
Falknerin Euro-Airport
Er muss also gerade so hungrig sein, um nach dem Flugeinsatz auf den Arm zurückzukommen.
Die Bussarde werden abgerichtet, nicht dressiert – diese Unterscheidung ist der Falknerin wichtig.
«Es bleiben wilde Tiere. Man darf nie denken, dass ein Busshard einen liebt.»

Die Krähen sind in heller Aufregung, weil ein Bussard auf dem Flughafengelände ist.

Kenneth Nars

Der Bussard Chinook sitzt unter dem Dach der Feuerwehrwache auf dem Euro-Airport (EAP) und scannt mit schnellen Kopfbewegungen die ganze Halle. Es sind keine Tauben da, und das ist auch das Ziel der Aktion. Bevor Catherine Daucourt (50) regelmässig mit ihren Bussharden vorbei kam, war die Halle voller Taubenkot.

Er ist stark säurehaltig und wirkt korrosiv auf den teuren Schneeräumfahrzeugen des Flughafens oder auf den Fliegern, die für viel Geld in den riesigen Hallen von Jet Aviation und Amac ausgebaut werden.

Name kommt aus einem Comic

Der Name Chinook stammt aus einem berühmten französischen Comic. Der Wüstenbussard (Harris Hawk) ist ein Weibchen und 2013 geboren. Am Tag der Reportage ist auch Odina dabei, noch nicht ganz ein Jahr alt und sozusagen in der Ausbildung. Das erklärt auch das häufige manchmal nervtötende, dann wieder herzzerreissende Fiepen des jungen Busshards.

Daucourt erklärt: «Bussharde rufen lange Zeit nach ihren Eltern.» Um mit ihren arbeiten zu können, müssen die Falkner sie in der Regel zehn Tage nachdem sie aus den Eiern geschlüpft sind von den Eltern trennen und dann mit viel Training daran gewöhnen, auf den mit einem Lederstück geschützten Arm zu sitzen. Als nächster Schritt werden sie, mit einer lange Leine gesichert, fliegen gelassen. Erst danach dürfen sie ganz frei unterwegs sein, um wie auf dem Flughafen Terror und Panik unter den Tauben zu verbreiten.

Eine Taube töten werden sie dabei nicht. Zurück auf den Arm der Falknerin kommen Chinook und Odina, wenn Daucourt sie mit hohen Tönen oder einem eintägigen toten Küken lockt, die sie an die Bussarde verfüttert. Sie betont: «Sie sind bereits tot und werden nicht speziell für mich getötet.» Mehr als drei am Tag davon dürfen die Bussarde nicht bekommen.

Das Geheimnis der Falknerei ist das Gewicht des Busshards, das Aufschluss darüber gibt, wie hungrig er ist. Ist er zu schwer, ist er nicht motiviert, Tauben zu vertreiben. Ist er zu leicht, ist er dafür nicht fit genug. Er muss also gerade so hungrig sein, um nach dem Flugeinsatz auf den Arm zurückzukommen. Daucourt hat das im Gefühl. Wobei auch sie sich manchmal täuschen kann. «Letztes Jahr haben wir zwölf Stunden vor einem Baum gewartet, bis der Busshard wieder runter kam. Einmal musste ich sogar zwei Tage suchen. Ich habe dafür immer ein Fernglas dabei.»

Bussarde bleiben wilde Tiere

Die Bussarde werden abgerichtet, nicht dressiert – diese Unterscheidung ist der Falknerin wichtig. «Es bleiben wilde Tiere. Man darf nie denken, dass ein Busshard einen liebt.» Dennoch räumt sie ein: «Eine gewissen Nähe entsteht doch.» Dafür spricht auch, dass sie Chinook einmal mit «ma belle», meine Schöne, anspricht.

Regelmässig versucht der Bussard davonzufliegen, breitet die grossen Schwingen aus, wird aber durch die Lederbändli gehalten. Der Besuch von Journalisten, Fotograf und Mediensprecherin des Flughafens geht ihm sichtlich zu lange. Ausserdem ist es Freitag, ein Wochentag. «Am Wochenende ist es ruhiger», sagt Daucourt.

Im Auto werden die beiden Greifvögel in schwarzen, lichtundurchlässigen Boxen befördert.«Nur so kommen sie zur Ruhe», erläutert Daucourt. Wie die Besucher muss auch die Falknerin mit Chinook durch die Sicherheitskontrolle, die sich in der Nähe der Feuerwehrwache befindet. Odina hatte sie schon vorher innerhalb des gesicherten Flughafengeländes deponiert, wo sie unter den Krähen für Unruhe sorgte.

Catherine Daucourt ist mit ihrem Mann Jean-David seit 2009 auf dem Flughafen im Einsatz. Er arbeitet als Ranger in den Vogesen. Sie ist Agronomin und unterrichtet an einem auf Landwirtschaft spezialisiertem beruflichem Gymnasium. Das Paar lebt auf 700 Metern in Vescemont unterhalb des Ballon d'Alsace.

Beiden ist die Leidenschaft für Greifvögel gemeinsam. Sie haben fünf Bussarde, einen Falken und einen Uhu. Am Wohnort der Falkner ist für sie genügend Platz. Die Tätigkeit auf dem Flughafen ist ein Zusatzverdienst für die Lehrerin, die ein 80 Prozent-Pensum hat. Dazu kommen die vielen Stunden Arbeit mit den Greifvögeln. «Ich bin ein Workaholic», sagt Daucourt von sich. Die Zeit, um sich zur Falknerin auszubilden, schätzt sie auf drei Jahre. «Manchmal nur eine Stunde am Tag, aber auch halbe Tage und etliche Stages in Frankreich oder Spanien.»

Der Job auf dem Flughafen begann 2009 durch einen Zeitungsartikel, den Jet Aviation auf die Daucourts aufmerksam machte. Es folgte Amac und 2013 der EAP selbst. Das Halten und Arbeiten mit Greifvögeln ist streng reglementiert. Es braucht dafür einen Jagdschein. Auf der Piste ist Chinook nicht im Einsatz. Der EAP löst das Problem mit den Vögeln, die in Triebwerke geraten könnten, anders.

Weiter zu Jet Aviation

Catherine Daucourt muss an diesem Freitag noch zu Jet Aviation. Es ist wichtig, zu unregelmässigen Zeitpunkten mit den Bussharden aufzutauchen. «Die Tauben dürfen sich nicht daran gewöhnen und sie müssen regelmässig erschreckt werden.»

Einmal war die Falknerin einen Monat nicht da. Es reichte, dass die Tauben sich wieder angesiedelt haben. »Bis zu sechsmal im Jahr können sie jeweils zwei Junge haben und das ohne natürliche Feinde.» Zum Glück gibt es die ökologische Wunderwaffe Chinook.

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