Atommüll
Castor mogelt sich durch - Risikotransport in Basel kaum bemerkt

Ein tapferer Demonstrant stellt sich vor den Gleisen auf und posiert vor einer Handvoll Journalisten. Nicht zum ersten Mal geht Thomas Passaglia auf die Barrikaden – schon 1975 protestierte er in Kaiseraugst gegen Atomkraft.

Leif Simonsen
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Einsamer Kämpfer: Thomas Passaglia (NWA) posiert vor den Medien. lsi Einsamer Kämpfer: Thomas Passaglia (NWA) posiert vor den Medien. lsi

Einsamer Kämpfer: Thomas Passaglia (NWA) posiert vor den Medien. lsi Einsamer Kämpfer: Thomas Passaglia (NWA) posiert vor den Medien. lsi

Entscheidender Unterschied: Damals war Passaglia einer von 15 000, heute ist er alleine. Wo seine einstigen Kombattanten sind, weiss er nicht. Erstaunt über die etwas groteske Situation ist er allerdings ebenso wenig. «Wie sollen sich Demonstranten organisieren, wenn mit aller Kraft versucht wird, solche Transporte heimlich durchzuführen?», fragt das Mitglied von NWA (Nie wieder Atomkraftwerke).

Greenpeace wollte keine Demo

Dass die Schweizer Behörden bei Atommülltransporten bewusst Informationen unterschlagen: Dazu wollte Greenpeace keine Spekulationen abgeben. «Wir erhalten leider sehr wenig detaillierte Angaben über die Transportwege», sagt Florian Kasser.

Der Atom-Campaigner der Umweltschutzorganisation war indes in anderer Mission unterwegs als Passaglia. Er räumte ein, dass der Rücktransport der nuklearen Abfälle aus dem französischen La Hague gemäss Verursacherprinzip eigentlich korrekt sei.

Darüber hinaus meinte Kasser, dass die Zwischenlagerung in der Schweiz das geringste aller Übel sei. Eine grosse Demonstration wäre in seinen Augen der Sache nicht dienlich gewesen. Das im Unterschied zu den deutschen Protesten gegen das Atommüllendlager Gorleben, wo die Sicherheit höchst fragwürdig sei.

Greenpeace mobilisierte gestern zwar nicht zu einer Grosskundgebung – nichtsdestotrotz stellte sie ihre Forderungen mit Nachdruck. «Die Anwohner von Bahngleisen haben ein Recht zu erfahren, wann ein Castor-Transport vorbeifährt», sagte Kasser. Die Auswertung der Daten des Geigerzählers, der gestern entlang der Strecke des Castor-Transports aufgestellt wurde, machte die erhöhte Belastung deutlich. Bei Messungen in drei Meter Abstand zum Castorbehälter konnte Greenpeace eine doppelte Hintergrundstrahlung feststellen.

Grüne Parole gegen Atomstrom

Die Grünen nutzten gestern gleich auch noch die Chance zur allgemeinen Parole gegen Atommülltransporte und Atomstrom: Die Basler Nationalrätin Anita Lachenmeier wies an einer Pressekonferenz daraufhin, dass die Sicherheit nicht gewährleistet sei. «Insbesondere bei einem stark überlasteten System ist die Gefahr von Störungen und Unfällen gross. Basel ist überlastet und zählt beim Schienenverkehr als Engpass.»

Bei einem Zugunfall in Basel oder Agglomeration wären in unmittelbarer Nähe Zehntausende Personen betroffen und müssten evakuiert werden. Sie wandte sich mit einem Postulat zu den Sicherheitsmassnahmen und Katastrophenszenarien an den Bundesrat.

Aus den gleichen Gründen wie Florian Kasser wollte aber auch Anita Lachenmeier gestern nicht mit Aktivismus aufwarten. Denn Atommüll, der in der Schweiz produziert worden sei, müsse gerechterweise auch in der Schweiz gelagert werden.

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