Gerne lassen sich die Bundespolitiker nicht in die Karten blicken. Am Dienstag haben die ersten Fraktionen den drei Bundesratskandidaten der FDP auf den Zahn gefühlt. Transparent zeigte sich einzig die SVP, die mehrheitlich den Tessiner Ignazio Cassis unterstützen wird. Daran wollen sich auch die Baselbieter Nationalrätin Sandra Sollberger und ihr Basler Kollege Sebastian Frehner halten: Cassis erfülle als einziger die Kriterien der Verfassung, wonach die Landesgegenden und Sprachregionen in der Regierung angemessen vertreten sein sollen. «Die Romandie ist mit zwei Vertretern bereits übervertreten», sagt Frehner. «Ein dritter Bundesrat aus der Romandie kommt für mich deshalb nicht infrage.»

Die Waadtländer Nationalrätin Isabelle Moret geniesst bei der SVP nur wenig Kredit. Noch schlechter sieht es für den Genfer Staatsrat Pierre Maudet aus, der kaum mithilfe von Rechts rechnen darf. Bestätigen möchte Thomas de Courten das nicht. Der Baselbieter SVP-Nationalrat verweist darauf, das die Stimmabgabe bei Wahlen in der Bundesversammlung geheim sei. Er werde aber jene Kandidatur unterstützen, die «im Sinne meiner Werte und Überzeugungen noch am ehesten Gewähr für eine freie, unabhängige, weltoffene und prosperierende Schweiz bietet». Das beinhalte auch den Leistungsausweis und die politische Glaubwürdigkeit. Auf wen das für ihn am ehesten zutrifft, will de Courten nicht verraten.

Hin und her gerissen

Selbst nach den Hearings hat die CVP noch nicht entschieden, ob sie einen bestimmten Kandidaten unterstützen will. Auch Elisabeth Schneider-Schneiter hat sich noch nicht abschliessend entschieden. Die Baselbieter Nationalrätin schwankt zwischen Maudet, der Exekutiverfahrung und starke Führungsqualitäten aufweise, und Cassis, der im Parlament besser vernetzt sei. «Er ist in der Lage, in schwierigen Dossiers wie der Europapolitik oder der Entwicklungshilfe Mehrheiten von Rechts zu holen.»

Auch die Fraktion der Grünen hat nach den Anhörungen noch keine Empfehlung abgegeben. «Wir haben uns noch nicht festgelegt», sagt die Baslerin Sibel Arslan. «Am Hearing haben alle Kandidaten unterschiedliche Stärken aufzeigen können», lässt sie noch alles offen. Eine klare Meinung hat dagegen ihre Fraktionskollegin Maya Graf: «Ich werde Isabelle Moret wählen.» Im Bundesrat müssten beide Geschlechter angemessen vertreten sein. Bald aber könnte wieder nur eine Frau in der Landesregierung sitzen, obwohl die Hälfte der Bevölkerung weiblich sei. «Die FDP-Kandidatin ist für dieses Amt bestens qualifiziert und hat beim Hearing in der Fraktion einen starken Auftritt hingelegt», betont Graf.

Am kommenden Dienstag folgen die Hearings mit den übrigen Fraktionen, bevor tags darauf die Würfel endgültig fallen. Vorher will sich der Basler Nationalrat Beat Jans nicht festlegen. «Antworten und Auftritt bei der Anhörung sind wichtig für die Entscheidungsfindung», sagt er. Das geht dem Baselbieter Ständerat Claude Janiak genauso. Nur so viel: «Alle Kandidierenden sind wählbar.»

«Ich wähle die Frau»

Das bestätigt Eric Nussbaumer, der sich gleichzeitig aber als Anhänger von Maudet zu erkennen gibt: «Er wäre ein valabler Bundesrat», findet der Baselbieter Nationalrat. Der Verlauf der verschiedenen Wahlgänge sei aber noch völlig offen. Im Schlussgang werde er jene Person wählen, die «in den grösseren politischen Fragen unseres Landes in den letzten Wochen mehr soziale Weitsicht und die bessere Konkordanzfähigkeit sichtbar gemacht hat». Anders Anita Fetz: Die Basler SP-Ständerätin will noch die Hearings abwarten. «Falls Isabelle Moret nicht abfällt, wähle ich die Frau.»

Bleiben noch die Freisinnigen selber. Für sie ist die Frage nach den persönlichen Präferenzen besonders heikel, kommen die Kandidaten doch aus den eigenen Reihen. «Ich habe meinen Entscheid getroffen», hält die Baselbieter FDP-Nationalrätin Daniela Schneeberger fest, «ich möchte diesen aber nicht offen legen.» Sie ist denn auch froh, dass die Wahl gemäss Parlamentsgesetz geheim ist. Aufs Wahlgeheimnis beruft sich auch Fraktionskollege Christoph Eymann, «weil ich mit den Unterlegenen auch in Zukunft gut zusammen arbeiten möchte».