Bundesfeier
Nach Absage des Volksfestes in Basel: Nur vereinzelte Böller erinnern an den Geburtstag der Schweiz

In den vergangenen Jahren feierten jeweils am Vorabend der Bundesfeier die Menschenmassen am Basler Rheinufer. Diesmal war es ganz anders.

Fabian Schwarzenbach
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Ein Bild aus vergangenen Zeiten: Das Feuerwerk über Basel vor fünf Jahren.

Ein Bild aus vergangenen Zeiten: Das Feuerwerk über Basel vor fünf Jahren.

Martin Toengi

Am Kleinbasler Rheinufer sitzen Pärchen oder Grüppchen, wo in den vergangenen Jahren am 31. Juli die Massen gefestet haben. Die meisten haben sich von der Buvette etwas geholt. «Der 1. August findet nicht statt», sagt ein Mädchen im Primarschulalter zu ihrer Freundin auf der Mittleren Brücke. Diese meint: «Doch, der ist ja erst.»

Recht haben irgendwie beide. Nahe dem Kleinbasler Brückenkopf sitzen Jugendliche auf der Steintreppe. Sie diskutieren und stossen auf das Wochenende an. Aus einem Lautsprecher dudelt Musik. «Wir sind froh, dass wir uns wieder treffen und feiern können», freut sich die einzige Frau in der Runde. Die Herren nicken eifrig.

«Ja, das Feiern ist wichtig»,

ergänzt derjenige, der neben ihr sitzt.

Der erste Böller macht nicht allen Spass

Was genau gefeiert wird, spielt keine Rolle. Immerhin kommt dem Jüngsten dann noch in den Sinn, dass «die Schweiz bald Geburtstag hat. Darauf trinken wir jetzt.» Ganz vergessen scheint der Nationalfeiertag nicht zu sein. Eine Ente lässt sich ufernah den Rhein heruntertreiben. Weiter Richtung Johanniterbrücke haben sich die verschiedensten Menschen versammelt. Der Feiertag scheint wenig bis gar kein Thema zu sein.

Zwei Frauen tanzen, ein Mann sitzt am Ufer und liest ein Buch, zwei Damen trinken einen guten Tropfen. Es geht mehr darum, wenn es schon nicht regnet, wenigstens diese Stunden draussen zu verbringen. Die Ente marschiert nun flussaufwärts. Ein Boot fährt langsam den Rhein hoch. Der Bootsführer und seine Passagiere entdecken auf der Mittleren Brücke einen Kollegen, den sie dann am Ufer aufnehmen.

Feuerwehrlöschboot bleibt, wo es ist

Gleichzeitig explodiert der erste Böller des Abends. Er wurde zum Leidwesen der Flanierenden und der Personen auf dem Boot von der Brücke geworfen. Auch die Ente hat genug und fliegt davon. Beim Böllern darf man nochmals Kind sein Die Restaurants am Rheinufer sind meist gut gefüllt. Einzelne freie Plätze sind aber zu sehen. Die Serviererinnen sind trotzdem gut beschäftigt und freuen sich sichtlich über die Gäste.

Auf der Grossbasler Seite liegt das Feuerlöschboot irgendwie traurig an seiner Anlegestelle. Es hätte einen grossen Tag gehabt. Neben der Anlegestelle joggt einsam ein Mann durch, wo ansonsten viele Leute stehen würden. Nur vereinzelte Balkone sind sich mit Flaggen oder Lampions geschmückt. Vorbildlich der «Club de Bâle», aus dessen Balkon beinahe ein «Club de Suisse» geworden ist. Und traditionell ist die Mittlere Brücke mit Schweizerkreuzen und Baslerstäben beflaggt.

Der Regen vertreibt die letzten

Zwei Herren haben es sich unterdessen zum Sport gemacht, Raketen und Böller in den Eingang des Birsigtunnels an der Schifflände zu werfen. Beim ersten Versuch flogen die Tauben aus, beim zweiten waren rote Sterne zu sehen, und spätestens beim zehnten Böller dürfte es dem Trois Rois obendran die Löffel verbogen haben. Am Nationalfeiertag darf man nochmals Kind sein. Kurz nach 20 Uhr beginnt es leicht zu tröpfeln.

Das Rheinufer leert sich langsam. Wenige Zeigerumdrehungen später stehen auch die letzten Personen auf und gehen. Statt der städtischen Nationalfeier mit grosser Sause bleibt es ein gewöhnlicher Samstagabend. Immerhin gelingt es den meisten, die Pandemie für ein paar Stunden zu vergessen.

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