Geht doch mit euren Kindern auf Pokémon-Jagd

Ist das euer Ernst, liebe Baselbieter? Nicht mal mehr einen Zolli-Eintritt für eure Schulkinder wollt ihr euch leisten?

85 000 Franken pro Jahr zahlt das Baselbiet an den Zolli. Im Gegenzug erhalten alle Schulklassen aus dem Landkanton Gratiseintritte. Man könnte nun mit dem Rechnen beginnen, ob sich das bei rund 13 000 Eintritten lohnt oder nicht (es lohnt sich), aber hey: Das ist einerseits Geld für den Zolli, also für eine eigentlich sympathische, unterstützungswürdige Institution. Und andererseits sind es eure Kinder, die sich noch als Erwachsene freudig an diese allseits beliebten Zolli-Ausflüge erinnern werden. Und wenn ihr, liebe Spar-Profis in Landrat und Regierung, gerne rechnet, dann teilt doch die 85 000 Franken einmal durch die Anzahl Bewohner eures Kantons. Das gibt dann 30 Rappen. Pro Jahr. Die ihr einspart. Bravo.

Vielleicht sagt ihr euch: Zolli, das brauchen doch unsere Kinder nicht, die haben Säuli und Geissli doch vor der Haustüre, wo sich auch Fuchs und Hase «gute Nacht» sagen. Elefanten und Giraffen können wir ihnen doch wunderbar am Fernsehen zeigen, im Internet gibts schöne Bilder von Meeresbewohnern und Disney bringt zehn Jahre nach «Nemo» schon den nächsten Fisch ins Kinderkino.

Aber wisst ihr was? Vielleicht geht dieser ganze Hype um echte Tiere sowieso völlig an den Kindern vorbei. Wenn wir mit der Klimaerwärmung weitermachen wie bisher, dann wird es sowieso keine Korallenfische mehr geben, wenn die Kinder im Alter sind, dass sie die Tauchprüfung machen und die Nemos und Dorys beobachten könnten. Deshalb schlage ich vor: Kauft euch für läppische 10 000 Franken Gold-Münzen fürs Handy-Spiel «Pokémon Go». Verteilt diese den Lehrern und lasst sie, statt der Zolli-Ausflüge, mit den Goldmünzen auf dem Dorfplatz Lock-Module installieren. Dann kommen die Pokémons in Scharen, auch die ganz seltenen. Und die Kinder werden euch lieben. Aber das Beste daran ist: Ihr spart sogar zusätzlich noch das Drämmli-Billett für die Fahrt zum Zolli.

Auf dem Land haben wir auch einen Zoo

Gratisbesuche im Basler Zolli sind «nice to have». Sollten sie abgeschafft werden, ist das verkraftbar.

Sparen macht niemanden glücklich. In mageren Jahren sehen zwar viele ein, dass die Sparschraube angezogen werden muss. Aber bitte nicht bei mir!

Dem Bildungsbereich finanzielle Mittel zu entziehen, finde ich falsch. Wenn eine Direktion jedoch die Vorgabe hat, Millionen zu sparen, kommen wir nicht darum herum. Den Schulklassen die Gratiseintritte im Basler Zolli zu streichen, ist nicht die originellste Idee. Sie schadet aber weniger als vollgestopfte Klassen, Zusatzlektionen für Lehrer oder Schülerverschiebungen.

Selbstverständlich sind Zoobesuche mit der Schule tolle Erlebnisse – für Kinder und Lehrkräfte. Mit Ausflügen dorthin können aber auch Eltern sich und ihrem Nachwuchs ein Geschenk machen – und das dank Jahres-Abo-Rabatt unverschämt günstig. Und flexibler ist man auch noch: Nach Lust und Laune Tiere beobachten und beim Besammeln sind nicht immer die kleinen Schützlinge von neuem zu zählen.
Um Alternativen für Gratiseintritte in den Zolli zu finden, brauchen wir sicher nicht den Ratschlag meines geschätzten Stadt-Kollegen. Und schon gar nicht diesen, wir sollten mit unseren Kindern auf Pokémon-Jagd gehen. Da haben wir auf der Landschaft andere Sachen zu bieten, die sinnvoller sind für Mädchen und Knaben.

Ja, wir haben Säuli und Geissli – mehr als in eurem Leuchtturm, dem Zolli. Und nicht nur das. Wir verfügen über viele Kühe, Pferde, Hunde, Katzen. Im Wald hats Rehe, Füchse, Hasen, Wildschweine. Auch fremdländische Tiere leben bei uns auf dem Land: Schildkröten, Lamas, Emus.

Zugegeben: Mit total exotischen Lebewesen können wir nicht prahlen. Müssen wir auch nicht. Zuerst sollen unsere Jüngsten die eigene Tierwelt ein bisschen verstehen lernen. Gibt es doch nicht wenige Kinder, die überzeugt sind, die Milch stamme aus der Milchgugge.