Landwirtschaft
Biomilch, aber kein Biopreis – Gemeinde soll helfen

Ivon und Hermann Arni Karle produzieren nach den Vorgaben von Bio Suisse. Verkaufen können sie ihre Milch aber nicht unter dem Label.

Tobias Gfeller
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Fordert die Gemeinde in einem Vorstoss dazu auf, die finanziellen Einbussen zumindest teilweise aufzufangen: CVP-Einwohnerrat Patrick Huber.

Fordert die Gemeinde in einem Vorstoss dazu auf, die finanziellen Einbussen zumindest teilweise aufzufangen: CVP-Einwohnerrat Patrick Huber.

zvg
Biomilch

Biomilch

Tobias Gfeller

Die Umstellung des Hofs Maienbühl in Riehen auf das Biolabel war aufwendig. Es brauchte einen neuen verschiebbaren Hühnerstall, neue Maschinen, um die Äcker biokonform zu bewirtschaften, und nicht zuletzt Anpassungen im Rinderstall, damit die Milch den Vorgaben von Bio Suisse entspricht. Für das Biolabel brauchen die Kühe im Stall unter anderem einen gedeckten Ort zur freien Bewegung, einen gedeckten Futterplatz und einen Ort ohne Dach, an dem es ihnen auf den Rücken regnen kann.

30 000

Franken pro Jahr entgehen dem Ehepaar Arni Karle vom Maienbühlhof.

Die Gemeinde Riehen, der der Hof gehört, gab bei der Neuausschreibung der Pacht vor gut zwei Jahren vor, dass auf Bio umgestellt werden muss und Milch der Hauptbetriebszweig sein sollte. Ivon und Hermann Arni Karle, die zuvor den elterlichen Betrieb im bernerischen Burgdorf bereits auf Bio umgestellt hatten, nahmen die Herausforderung an. Seit mehreren Monaten produzieren sie nun nach den Vorgaben von Bio Suisse. Den entsprechenden Preis dafür sollten sie ab dem 1. Januar 2020 erhalten. Im Dezember kam die enttäuschende Nachricht: Weil zu viel Biomilch auf dem Markt ist, müssen sie ihre Milch weiterhin in den konventionellen Kanal ohne Biozertifizierung einspeisen und erhalten dafür den normalen und nicht den höheren Biopreis. Das koste den Hof rund 30000 Franken im Jahr, rechnete Hermann Arni Karle dem «Regionaljournal» von SRF vor.

Ivon und Hermann Arni Karle sind nicht die einzigen Landwirte in der Region Basel, die vom «Milchstopp» beim Biolabel betroffen sind. Damit soll der Markt für Biomilch im Gleichgewicht gehalten werden, erklärte Katja Schweizer, Produktmanagerin Milch bei Bio Suisse, dem Dachverband der Bioproduzenten, gegenüber SRF. Anfang 2021 sollen wieder alle Biomilchbauern gemäss Biolabel bezahlt werden.

Trägt die Gemeinde eine Mitschuld?

Weil die Gemeinde Riehen die biologische Produktion auf dem Maienbühlhof vorgab, fordert nun CVP-Einwohnerrat Patrick Huber zusammen mit 18 Mitunterzeichneten die Gemeinde in einem Vorstoss dazu auf, die finanziellen Einbussen zumindest teilweise aufzufangen. Für Huber, der sonst nicht für staatliche Eingriffe bekannt ist, ist die Situation klar: «Durch den Entscheid des Einwohnerrats und des Gemeinderats, dass der Maienbühlhof gemäss Biostandards betrieben werden muss, trägt die Gemeinde die Verantwortung und zumindest eine Mitschuld dafür, dass das Pächterpaar jetzt finanzielle Einbussen habe.»

Die neuen Pächter hätten keine unternehmerische Freiheit gehabt, zwischen Bio- und konventioneller Produktion zu wählen, erinnert Huber. Das sieht die zuständige Gemeinderätin Christine Kaufmann (EVP) anders. «Es bestand ja die unternehmerische Freiheit zumindest in der Frage, ob man sich für die Pacht des Maienbühlhofs bewerben will. Die neuen Pächter wussten um die Vorgaben.»

Bereits zur Zeit der Vorgänger der jetzigen Pächter stand die Forderung nach einer Umstellung auf Bio im Raum. Weil diese aber nicht wollten, wartete der Gemeinderat bis zum Pächterwechsel ab, um bei der Ausschreibung die Vorgabe «Bio» zu definieren. Kaufmann sieht andere Massnahmen von Seiten der Gemeinde, um das Pächterpaar zu unterstützen. «Wir müssen dafür sorgen, dass die Voraussetzungen und Rahmenbedingungen auf dem Hof ideal sind, damit dort biologisch und wirtschaftlich produziert werden kann.» In einem sind sich Patrick Huber und Christine Kaufmann aber einig: Das Gebaren von Bio Suisse, zertifizierten Höfen den Markteintritt zu verwehren, damit der Preis für Biomilch nicht sinkt, sei fragwürdig.