Bewerbung
«Ich habe keine Ahnung, wie gut unsere Chancen sind»: Basel will die Umwelthauptstadt Europas werden

Die Stadt Basel bewirbt sich für den European Green Capital Award 2025. Der Regierungsrat hat dafür 300'000 Franken gesprochen.

Aimee Baumgartner, Elodie Kolb
Drucken
Teilen
Lukas Ott und Beat Jans (v.l.) an der Medienkonferenz.

Lukas Ott und Beat Jans (v.l.) an der Medienkonferenz.

Bild: Elodie Kolb

Die rot-grüne Stadt Basel will noch grüner werden. Sie bewirbt sich für den European Green Capital Award (EGCA) 2025, also für die Auszeichnung als Umwelthauptstadt Europas. Der Basler Regierungspräsident Beat Jans und der leitende Kantons- und Stadtentwickler Lukas Ott haben das Vorhaben am Mittwoch vor den Medien präsentiert. Mit dem EGCA zeichnet die Europäische Kommission Städte aus, welche eine «besonders ambitionierte Nachhaltigkeitspolitik» verfolgen und umsetzen.

«Ich habe keine Ahnung wie gut unsere Chancen sind»,

sagt Jans, «aber für einmal ist das Mitmachen wichtiger als das Gewinnen». Die Kriterien würden sich mit den Zielvorgaben des Kantons decken. Denn Basel verfolge seit vielen Jahren eine fortschrittliche Nachhaltigkeitspolitik und setze den Klimaschutz hoch oben auf die politische Agenda. So hat Basel beispielsweise als erste Schweizer Stadt den Klimanotstand ausgerufen.

Fünf Millionen Franken für die Umsetzung

«Wir müssen weitere Schritte für das Klima gehen», sagt Jans. Das Thema sei bereits als einer der drei Schwerpunkte der Legislatur definiert worden, weswegen die Bewerbung für die Auszeichnung die sinnvolle Folge sei. Ausserdem hoffe er durch die Herausforderung auch in der Bevölkerung zusätzliche Motivation für Klimathemen auszulösen.

Für die Bewerbung hat der Basler Regierungsrat insgesamt 300'000 Franken gesprochen. Jans rechnet mit fünf Millionen Franken für zusätzliche Nachhaltigkeits- und Klimaschutzmassnahmen im Rahmen des Wettbewerbs. 2022 werde er dies mit einem Ratschlag dem Grossen Rat unterbreiten. Jans sehe jedoch im Grossen Rat «viel Nachfrage für zusätzliche Massnahmen».

Bereits Kritik in sozialen Medien

Für die Bewerbung müssen die Städte in zwölf «für den Klimaschutz zentralen Themen», Zukunftspläne entwickeln. Darunter Abfall, Luftqualität, Biodiversität und ökologische Innovation. In Basel wolle man einerseits Start-ups im «Cleantech-Bereich» fördern. Lukas Ott spricht in diesem Zusammenhang von diversen Projekten des Smart City Labs, die ausgebaut werden könnten. Auch die grossen Transformationsareale der Stadt bieten laut Ott Potenzial. Konkret beispielsweise die Verbindung von Energie und Mobilität. Man bringe eigene Ideen und Erfahrungen mit, wolle aber die konkreten Massnahmen gemeinsam mit allen Akteuren ausarbeiten und nicht bereits im Voraus festlegen. «Dadurch würden wir Innovation abwürgen», so Ott.

In den sozialen Medien äusserten sich schnell bürgerliche Politiker kritisch: So schreibt etwa Daniel Seiler, Präsident der Kleinbasler FDP, auf Twitter: «Eine Stadt, die den Klimanotstand ausruft und dann ohne Not Bäume fällen lässt, die hat sicher keinen Green Capital Award verdient. Das ist einfach nicht glaubwürdig.»

Jans hält dieser Kritik entgegen: «Jetzt machen sich alle lustig über die Teilnahme, aber ich finde man kann es auch anders sehen: Das jetzt wegen 17 Bäumen eine so ausgeprägte Diskussion entbrannt ist, sehe ich eigentlich bereits als ersten Erfolg», wie der Regierungspräsident lachend sagt.

Aktuelle Nachrichten