Basler Strafgericht
Betrunkener und Kokser fährt mit Tempo 90 über den Bankenplatz

Auf der Flucht vor der Polizei raste eine zugedröhnte Fahrerin in eine Baustelle. Das Gericht beliess es bei Geldstrafen.

Patrick Rudin
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Der Blutalkoholgehalt betrug rund 1,3 Promille und die Kokain-Konzentration lag bei über dem Zehnfachen des erlaubten Grenzwertes.

Der Blutalkoholgehalt betrug rund 1,3 Promille und die Kokain-Konzentration lag bei über dem Zehnfachen des erlaubten Grenzwertes.

bz basel

Es war offensichtlich eine lange durchzechte Nacht, nach der die heute 24-Jährige im März 2013 beim Birsigparkplatz mit ihrem BMW 330 der Polizei auffiel: Der Blutalkoholgehalt betrug rund 1,3 Promille und die Kokain-Konzentration lag bei über dem Zehnfachen des erlaubten Grenzwertes. Das Unheil nahm seinen Lauf, als ein Polizist das Fahrzeug kontrollieren wollte: Die Frau gab einfach Gas.

Laut Polizeiprotokoll donnerte sie mit rund 70 Stundenkilometern den Klosterberg hinauf, drehte dort nach links, dicht gefolgt von einem Polizeifahrzeug. Am Bankenplatz ging es bei Rot über die Kreuzung weiter in Richtung Kunstmuseum, hier betrug die Geschwindigkeit ungefähr 90 Stundenkilometer. Kurz vor der Wettsteinbrücke endete die Fahrt schliesslich in der Abschrankung einer Baustelle: Der Bereich war mit Tempo 30 ausgeschildert, die letzte Kontrolle nahm ihr offenbar eine Bodenschwelle, die sie mit über 60 Stundenkilometer genommen hatte. Zwei Mitfahrer auf den Rücksitzen verletzten sich im Gesicht, einer davon erlitt gar einen Nasenbeinbruch, ansonsten blieb es bei teuren Sachschäden.

Gestern vor dem Strafgericht betonte die Frau, sie sei einfach in Panik geraten. «Beim Birsigparkplatz habe ich gesehen, dass mir die Polizei folgt. Da hatte ich Angst und bin weitergefahren». Alkoholprobleme habe sie keine, sie habe lediglich zuvor bei der Schwester zu Hause etwas Alkohol getrunken. Wie sie dadurch die 1,3 Promille erreichen konnte, erklärte sie allerdings nicht.

Frau war bisher unbescholten

Auch das Kokain habe sie in der Nacht zuvor zum ersten Mal überhaupt in ihrem Leben ausprobiert. Wie schnell sie auf der Flucht gefahren ist, konnte sie nicht mehr genau sagen. «Ich habe immer wieder gebremst. Sicher nicht mehr als 80.» Die Staatsanwaltschaft hatte eine bedingte Freiheitsstrafe von zwölf Monaten gefordert, dazu eine Busse von 4000 Franken. Ihr Verteidiger meinte, eine bedingte Geldstrafe von 180 Tagessätzen genüge, auch sei die Busse zu hoch. Die Frau sei bislang unbescholten und war auch noch nie in einer solchen Situation.

«Es war einfach eine Panikreaktion, als sie angehalten werden sollte», meinte der Verteidiger. Einzelrichter Lucius Hagemann beliess es bei einer bedingten Geldstrafe von 360 Tagessätzen zu 30 Franken und reduzierte die unbedingte Busse auf 3000 Franken. Das Urteil kann noch weitergezogen werden.

Die Geschichte wird für die Frau aber noch teurer: Die Verfahrenskosten von rund 5000 Franken muss sie übernehmen und die demolierten Baustellenfahrzeuge schlagen auch noch mit rund 20 000 Franken zu Buche. Ihren Führerausweis ist sie seit der wilden Fluchtfahrt los, es läuft noch immer eine 36-monatige Sperre der Administrativbehörden. Danach kann sie versuchen, ihren Ausweis zurückzuerhalten.

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