Coronavirus

Besuchsstopp für Basler Pflegeheim: Nach drei Ansteckungen wurde die Belegschaft nicht getestet

15 Fälle in einem Basler Altersheim. (Symbolbild)

15 Fälle in einem Basler Altersheim. (Symbolbild)

In einem Basler Alters- und Pflegeheim sind 15 Coronavirus-Fälle registriert worden. Die Zahl der aktiven Fälle ist seit dem 24. Juli von 15 auf 29 gestiegen.

Die Ansteckungszahlen mit dem Coronavirus nehmen in Basel-Stadt wieder zu. Das betrifft auch die kantonalen Pflege- und Alterszentren: Am Freitag vermeldete das Gesundheitsdepartement 15 Fälle, vor wenigen Tagen waren es noch drei. Dabei sind die Ansteckungen alle in der gleichen Einrichtung vorzufinden, wie Kantonsarzt Thomas Steffen auf Anfrage schriftlich mitteilte. «Betroffene Heime sind angehalten, ihre Schutz- und Hygienekonzepte insbesondere in Bezug auf Isolierungs- und Quarantänemassnahmen strikt umzusetzen», schreibt er.

Pflegeheime für zweite Welle besser gewappnet

Für das betroffene Heim bedeute das in diesem Fall auch einen vorübergehenden Besuchsstopp, so Steffen. Ein Pflegeheim, das die Türen für Besucherinnen und Besucher seit Donnerstag wieder geschlossen hat, ist das Marienhaus im Kleinbasel, wie ihrem Webauftritt zu entnehmen ist: «Aufgrund der aktuellen Situation im Haus sind wir gezwungen, das Haus vorübergehend wieder zu schliessen.» Die Geschäftsleitung will auf Anfrage jedoch nichts zu ihrer aktuellen Situation kommentieren und verweist auf das Gesundheitsdepartement (GD). Recherchen der «Basler Zeitung», die sich auf interne Quellen des Marienhaus stützen, zeigen: Das GD habe es auch auf Nachfrage der Heimleitung nicht für nötig befunden, nach den ersten drei Ansteckungen die gesamte Belegschaft auf das Virus zu testen. Daraufhin hätten sogar die Hausärzte der Betroffenen interveniert und seien seit Montag daran, die komplette Belegschaft und sämtliche Bewohnende zu testen. 

Das GD nimmt zu den Vorwürfen bislang keine Stellung. Kantonsarzt Steffen schreibt auf Anfrage lediglich: «Wenn mehrere Fälle in einem Heim auftreten, ist auch eine weitergehende Testung der exponierten Bewohnerinnen und Bewohner und des Personals zu prüfen.» Basler Pflege- und Alterszentren waren von der Pandemie besonders stark betroffen. Mehr als die Hälfte der Corona-Todesfälle sind in einem Pflegeheim verzeichnet worden. Am meisten Betroffene wies das Marthastift auf mit insgesamt 15 Todesfällen. Aktuell sei das Heim von Ansteckungen verschont, wie Geschäftsführerin Monica Basler auf Anfrage mitteilte. Auch die Zusammenarbeit mit dem GD laufe nun besser als zu Beginn der Pandemie. Näher dazu äussern will sich Basler jedoch nicht.

Auf Nachfrage richten sich die einzelnen Pflegeheime in Basel aktuell nach den Empfehlungen des Kantons. «Auch uns bereiten die steigenden Fallzahlen sorgen», sagt Beat Ammann, Direktor des Bürgerspitals Basel das insgesamt fünf Pflege- und Alterszentren betreibt. «Wir haben noch immer eine Maskenpflicht für das gesamte Personal und eingeschränkte Besuchsregelungen. Sollte der Kanton die Empfehlung geben, würden wir die Massnahmen weiter verschärfen». Das könne auch einen vorübergehenden Besuchsstopp bedeuten. So weit will man beim GD jedoch trotz den steigenden Fallzahlen nicht gehen. «Ein allgemeiner Besuchsstopp steht derzeit nicht zur Debatte.»

Laut Yannik Laely, Geschäftsführer des Pflegeverbands Curaviva, fühlten sich die Pflege- und Alterszentren besser für eine mögliche zweite Welle gewappnet. «Das gewonnene Wissen der ersten Welle und die eingeführten Massnahmen helfen in der jetzigen Situation, die nach wie vor ernst ist», sagt Laely.

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