Schweiz-Ukraine
Besuch von Putin-Freund an der Uni Basel sorgt für Unmut

Der kreml-freundliche russische Botschafter Alexander Golovin hält am kommenden Freitag an der Uni Basel eine Ansprache. In einem offenen Brief prangert der Verein Schweiz-Ukraine an, die Uni grenze sich nicht ausreichend gegen Putins «Diktatur» ab.

Noemi Lea Landolt
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Der Auftritt von Alexander Golovin schade dem Ruf der Uni, kritisiert der Verein Schweiz-Ukraine.

Der Auftritt von Alexander Golovin schade dem Ruf der Uni, kritisiert der Verein Schweiz-Ukraine.

Daniel Rihs / Pixsil

«Der gute Ruf der Universität Basel und des Slavischen Seminares steht auf dem Spiel.» Das schreibt Simon Gerber, Präsident des Vereins Schweiz-Ukraine, in einem offenen Brief, welcher der bz vorliegt. Den Brief hat er am Dienstag an Thomas Grob, den Leiter des Fachbereichs Slavistik an der Universität Basel, gemailt – und als Kopie auch an die Rektorin und den Verwaltungsrat.

Der Grund für seine Kritik ist eine Ansprache des russischen Botschafters Alexander Golovin an der Uni Basel. Golovin fällt immer wieder mit seiner Treue zum Kreml und zu Putin auf. In einem Interview mit dem «Sonntags Blick» zur Krim-Krise im Jahr 2014 sagte er: «Es gibt keinen russischen Aufmarsch. Das, was auf der Kriminsel passiert, ist die Folge von Ereignissen in Kiew.» Damals wurde der Botschafter vereinzelt von Veranstaltungen ausgeladen: «Man setzte mich in Kenntnis, der russische Botschafter wäre unerwünscht, weil auf der Krim das Völkerrecht gebrochen werde», sagte er im August 2016 im «Tagesgespräch» von Radio SRF.

Nicht so an der Uni Basel. Am Freitag hält er dort eine Ansprache, wenn das Slavische Seminar die Büste des russischen Dichters Alexander Sergejewitsch Puschkin einweiht.

Wie ein «Messer in den Rücken»

Angesichts der Verbrechen, die Putins Russland in der Ukraine anrichte, der Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen, die es begehe, löse der Auftritt äusserstes Entsetzen aus, schreibt Gerber. Sein Verein setzt sich dafür ein, die Souveränität der Ukraine zu stärken. Für ihn ist klar: «Die Universität hat es ganz offensichtlich nicht geschafft, sich ausreichend gegen Putins Diktatur abzugrenzen».

Es sei ihm klar, dass sich die Uni als Forschungseinrichtung nicht zu sehr in politische Belange einmischen könne: «Aber es stellt sich halt schon die Frage, ob man ausgerechnet einer solchen Person eine Plattform bieten soll.» Bei Exil-Ukrainern löse das «ein Gefühl aus, als ob ihnen jemand kalt berechnend ein Messer in den Rücken stossen würde».

Im Brief spricht Gerber Grob direkt an, ruft ihn dazu auf, das Programm anzupassen. Er schliesst mit den Worten: «Ich ermutige Dich, zu differenzieren und Humanismus nicht nur zu deklarieren, sondern auch zu leben!»

Matthias Geering, Mediensprecher der Uni Basel, verweist an Grob, da er direkt angesprochen werde. Für diesen kam der Brief überraschend. Der Ton sei erschreckend, sehr emotional. Inhaltlich könne er es nachvollziehen. Seit der Ukraine-Krise würde der Graben zwischen Russen und Ukrainern – auch in der Schweiz – grösser.

Aber die Einweihung der Büste sei von Anfang an als kultureller Anlass geplant worden: «Er ist kein Statement zur russischen Politik.» Deshalb erstaunt es Grob, dass Gerber ausgerechnet diese Veranstaltung kritisiert und interveniert. «Puschkin steht als einer der grössten russischen Dichter über der politischen Sache.»

Uni-intern habe es nie Diskussionen gegeben, ob man Botschafter Golovin an eine solche Veranstaltung als Redner einladen könne. «Natürlich muss auch eine Universität schauen, dass sie nicht instrumentalisiert wird.» Es sei aber genauso klar, dass sie als nicht-politische Institution mit allen Organisationen einen kritischen Kontakt pflegen muss. «Dazu gehören auch die Botschafter der jeweiligen Länder.»

Grob betont, dass der Osteuropa-Bereich der Uni Basel viele Veranstaltungen zur Ukraine auf dem Programm habe und gerade jetzt auch Träger eines Gastprogramms für ukrainische Wissenschaftler sei. «Da erscheint es mir schon etwas ungerecht, wenn man jetzt versucht, uns Putin-Nähe anzulasten.» Grob wird Gerber auf seinen Brief noch eine Antwort schreiben. Gerber sagt, er plane nicht, die Veranstaltung zu stören. «Es geht mir mit dem offenen Brief darum, dass die Frage diskutiert wird, welchen Leuten man als Universität eine Plattform bieten möchte.»

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