Havarie

Benzin legt Bahnverkehr zwischen Basel und Freiburg lahm – mit weit wirkenden Folgen

Im Rangierbahnhof Basel ist es am Donnerstagmorgen zu einem Zwischenfall gekommen. Aus einem Kesselwagen lief Feuerzeugbenzin aus. Der Bahnverkehr zwischen Basel und Weil am Rhein war in der Folge für mehr als vier Stunden unterbrochen.

Der Alarm ging um 7.30 Uhr bei der deutschen Bundespolizei ein. Im Rangierbahnhof Basel ist es gestern Morgen zu einem Zwischenfall gekommen. Auf deutschem Boden unmittelbar an der Grenze lief aus einem Kesselwagen Feuerzeugbenzin aus. Wahrgenommen wurde zunächst Gasgeruch.

Aus den Ladegutpapieren sei hervorgegangen, dass sich im Kesselwagen insgesamt 63 Tonnen Feuerzeugbenzin befanden, teilt die Bundespolizeiinspektion Weil am Rhein mit. Der Stoff könne Dämpfe bilden, die sich mit Luft zu explosionsfähigen Gemischen verbinden können. Mehr als 50 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Polizei waren vor Ort. Die Umgebung des lecken Wagens wurde weiträumig abgeriegelt.

Sicherungsstift hatte sich gelöst

Aus Sicherheitsgründen fuhren zudem ab 8.35 Uhr zwischen Basel und Weil am Rhein für mehrere Stunden keine internationalen Züge mehr. Fernverkehrszüge in die Schweiz endeten in Freiburg, solche in Richtung Deutschland endeten in Basel. Das aus Italien kommende Gefahrgut sei aus einem Ventil ausgetreten.

An einem Verschluss habe sich ein Sicherungsstift gelöst. Bei der Fahrt habe sich dann der Verschluss gelockert, sodass der Stoff entweichen konnte. Die Feuerwehr konnte den Verschluss provisorisch abdichten, worauf der havarierte Wagen vom Zug abgekoppelt und auf ein Havariegleis gefahren wurde, sodass die Bahnstrecke um 12.46 wieder freigegeben werden konnte.

Auf dem Streckenabschnitt ist es schon verschiedentlich zu Zwischenfällen gekommen. So musste vor rund einem Jahr der Bahnverkehr unterbrochen werden, nachdem im Rangierbahnhof Weil unweit der Schweizer Grenze die giftige Chemikalie Dichlorbenzen aus einem verladenen Container ausgetreten war.

Nur kurz zuvor hatte die Bundespolizei einen undichten Kesselwagen beschlagnahmt, aus dem Methylmethacrylat austrat. Nachdem deutsche Politiker schon mehrfach die Sicherheit rund um die Gefahrguttransporte bemängelt hatten, beriefen die dortigen Behörden nun umgehend eine Arbeitsgruppe mit dem Ziel, die Sicherheit entlang der Bahnlinie zu verbessern. Die Schweizer Behörden dagegen wollten keinen dringenden Handlungsbedarf erkennen.

«Untragbare Risiken»

Dabei reklamieren die Basler Behörden gerade beim Badischen Bahnhof «untragbare Risiken» – zumal die Gefahrtransporte mit dem geplanten Vierspurausbau der Bahnstrecke Karlsruhe–Basel nochmals deutlich zunehmen sollen. Konkret: Gemäss der Deutschen Bahn würden die Transportmengen bis 2030 um 60 Prozent steigen, was gleichzeitig zu einer Erhöhung des Risikos führt.

Basel-Stadt will sich damit keinesfalls abfinden. Immerhin handelt es sich rund um den Badischen Bahnhof um dichtbesiedeltes Stadtgebiet. Der Kanton beurteilt die im Zuge der Ausbaupläne vorgeschlagenen Sicherheitsmassnahmen als ungenügend und hat 2016 beim Bund Einsprache erhoben.

Bisher aber zeigte sich das Bundesamt für Verkehr (BAV) von den Druckversuchen aus Basel wenig beeindruckt. Die Risiken würden «aktuell als tragbar erachtet». Es lägen keine Hinweise vor, wonach der Stand der Technik nicht eingehalten wäre. Zumindest aber hatten die Bundesbehörden angekündigt, nochmals über die Bücher zu gehen. Für den Streckenausbau werde eine neue Risikoermittlung erstellt.

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Autor

Daniel Ballmer

Daniel Ballmer

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