Schifflände
Beim Nobelhotel «Trois Rois» gilt schieben statt treten

Ein Schild - keine Durchfahrt. Bei der Schifflände stehen die Velofahrer an. Wegen der Baustelle der BVB dürfen sie diese Passage nicht im Sattel passieren. Für die Velofahrer ist die vorübergehende Verkehrsführung ein grosses Ärgernis.

Hans-Martin Jermann
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Dieses Schild am Blumenrain fordert die Velofahrer auf, vom Sattel zu steigen. Es wird aber nicht von allen befolgt, wie das Foto beweist. haj

Dieses Schild am Blumenrain fordert die Velofahrer auf, vom Sattel zu steigen. Es wird aber nicht von allen befolgt, wie das Foto beweist. haj

Die Grossbaustelle der Basler Verkehrsbetriebe (BVB) an der Schifflände ist Martin Forter ein Dorn im Auge. Nicht, dass der bekannte Altlastenexperte dort eine illegale Chemiemülldeponie vermuten würde. Nein, Forter, der täglich auf dem Velo unterwegs ist, ärgert sich über die Verkehrsführung bei der Baustelle.

Ein Schild fordert die Radfahrer am Blumenrain beim Nobelhotel Les Trois Rois auf, vom Drahtesel zu steigen und diesen zu schieben. Diese Regelung gilt in beiden Richtungen; also sowohl für die Radfahrer, die vom Kleinbasel über die Mittlere Brücke kommen, als auch für jene, die von der St.-Johanns-Vorstadt Richtung Innenstadt unterwegs sind.

Ein Schild, das es gar nicht gibt

Für Forter ist die derzeitige Verkehrsführung eine unnötige Schikane: «Ausgerechnet eine der Hauptachsen für die Velofahrer in der Stadt wird dichtgemacht», schüttelt er den Kopf. Dabei wäre dort genügend Platz vorhanden, um eine Durchfahrt zu ermöglichen.

Besonders ärgert ihn, dass vor dem Nobelhotel Les Trois Rois – mitten in der Fahrrad-Schiebe-Zone – Autos parkiert sind. «Diese sind kaum dorthin geschoben worden», fügt er sarkastisch an. Für Forter ist die Verkehrsführung zudem rechtlich fragwürdig: «Schauen Sie sich das improvisierte Papierschild ‹Velo schieben› an. So etwas gibt es gar nicht im Strassenverkehrsgesetz.»

Gefährlich oder nicht?

Martin Forter ist nicht der Einzige, der sich über die Baustelle an der Schifflände aufregt. Auch VCS-Präsidentin Anita Lachenmeier ist überzeugt, dass diese Stelle problemlos mit dem Velo passiert werden könnte. Wenn sie dort das Rad stosse, brauche sie doppelt so viel Platz, wie wenn sie fahre. «Mit ein bisschen gutem Willen hätte man diese Route offen halten können», ist sie überzeugt.

«Wir wollen die Velofahrer nicht plagen», beteuert BVB-Sprecherin Dagmar Jenny. Dass diese die Baustelle auf dem Sattel passieren, wäre indes nicht zu verantworten, sagt Jenny und beschreibt die Situation vor Ort: «Baumaschinen, die sich bewegen, Baustellen-Installationen, die den Weg versperren, und daneben das offene Gleis.»

Die Massnahmen seien mit der Abteilung Verkehrssicherheit der Polizei abgesprochen. Dass vor dem Hotel Autos parkiert seien, könnten die BVB nicht beeinflussen. «Das ist privater Grund», stellt sie klar. Jenny verspricht, dass bis Mitte September die Arbeiten in diesem Abschnitt abgeschlossen sind.

«Autos dominieren immer noch»

Anita Lachenmeier hält an ihrer Kritik fest. Für sie ist die unglückliche Verkehrsführung bei der Baustelle kein Einzelfall. «Basel will eine Velostadt sein, ist es aber nicht. Das Auto dominiert immer noch.» Dies zeige sich auch daran, dass bei Baustellen für die Autos stets eine Sonderlösung gefunden werde. So sei bei Leitungsarbeiten in der Kleinbasler Utengasse zuletzt die Greifengasse temporär für die Autos geöffnet worden, gibt die ehemalige Grünen-Nationalrätin zu bedenken.

Der vom Volk im Herbst 2010 gutgeheissene Gegenvorschlag zur Städte-Initiative verlangt, den motorisierten Individualverkehr in Basel bis 2020 um 10 Prozent zu senken. «Wollen wir dieses Ziel erreichen, dürfen wir Personen, die aufs Velo umsteigen wollen, nicht mit solchen Schikanen vor den Kopf stossen.»

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