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«Basler Zeitung» und «Tagblatt» wechseln den Eigner – eigentliche Gewinnerin ist Tamedia

Die Basler Zeitung und das Tagblatt der Stadt Zürich wechseln den Eigner.

Die Basler Zeitung und das Tagblatt der Stadt Zürich wechseln den Eigner.

Christoph Blocher verkauft die «Basler Zeitung» der Tamedia. Als Trostpreis übernimmt er das «Tagblatt der Stadt Zürich».

Wild gestikulierend schimpfte Christoph Blocher (78) auf «Teleblocher», es sei eine «Zeitungsente», was die «Schweiz am Wochenende» zuvor berichtet hatte: Der SVP-Politiker und Unternehmer verkaufe die «Basler Zeitung» dem Zürcher Tamedia-Konzern und übernehme von ihm im Gegenzug die Mehrheit am «Tagblatt der Stadt Zürich».

Blocher bestätigte in der Sendung vom 15. März zwar Verhandlungen, doch diese seien alle ergebnislos geblieben. Er verbreitete damit offenkundig eine Falschmeldung. Denn am Mittwochmorgen haben Blocher und Tamedia-Verleger Pietro Supino an einer Medienkonferenz in Basel genau jenen Deal verkündet, den die «Schweiz am Wochenende» angekündigt hatte. Stimmt die Wettbewerbskommission zu, findet der Tauschhandel statt und die «Basler Zeitung» wird mit abgespeckter Redaktion in den Tamedia-Verbund eingegliedert.

Blocher ist sich mit dem Dementi aber treu geblieben. Schliesslich war sein ganzes Engagement bei der «Basler Zeitung» begleitet von Halbwahrheiten wie von offen eingestandenen Lügen. So begründet er einst ebenfalls auf «Teleblocher», weshalb er anfänglich jede Beteiligung abstritt: Es wäre für die Zeitung im linken Basel nicht gut gewesen, sich als Eigentümer zu zeigen. Dient es dem Geschäft, so scheint ein lockerer Umgang mit Fakten legitimiert.

Selektive Wahrheiten

Ein beschränkter Wahrheitsbezug hilft allerdings auch, Blochers Basler Engagement als eine erfolgreiche Wirtschaftssanierung erscheinen zu lassen. So sagte er an der Medienkonferenz, das Basler Medienhaus habe 38 Millionen Franken Verlust gemacht, als er 2012 eingestiegen sei. Nun schreibe die «Basler Zeitung» Jahr für Jahr stolze Gewinne. Dass die Ära Blocher nachgewiesenermassen bereits 2010 begann, klammert er ebenso aus wie die Frage, was aus den 65 Millionen Franken geworden ist, die er einst zur Entschuldung eingeschossen hat.

Blocher zum Verkauf der Basler Zeitung an Tamedia

Blocher zum Verkauf der Basler Zeitung an Tamedia

Dass die Zeitung unter Chefredaktor Markus Somm einen zum Branchenschnitt deutlich höheren Auflage- und Leserverlust zu verzeichnen hat, versuchte vergangene Woche noch Verlagsleiter und Quasi-Teilhaber Rolf Bollmann mit einer kreativen Darstellung von Marktforschungsdaten zu entkräften. Das Medienmagazin «Horizont» listet in einer Analyse allerdings auf, mit welchen Mitteln und falschen Zahlen das Bild geschönt wurde. Das Magazin folgert: Bei der «Basler Zeitung» könne nicht sein, was nicht sein darf.

Das Ende des Sparens

Dass die Zeitung zum Verkauf steht, kursiert seit rund drei Monaten. Blocher stellt ihn als Notwendigkeit dar, da alle möglichen Sparmassnahmen erfolgt seien und nur die Einbindung in einen grösseren Verbund das Überleben sichere. Bis vor kurzem hätte dies auch heissen können, die «Basler Zeitung» biete ihre überregionale Berichterstattung anderen Zeitungen als Mantel an. Solche Gespräche liefen mit der «Südostschweiz». Wie Verleger Hanspeter Lebrument auf Anfrage sagt, seien sie von Basler Seite mit der Begründung abgebrochen worden, eine andere Option stehe nun im Vordergrund – der Verkauf der Zeitung.

Dass neben der Tamedia auch die AZ Medien, die Herausgeberin dieser Zeitung, geboten hat, ist bekannt und bestätigt. Der Zürcher Verlag hatte allerdings die besseren Karten aufgrund der zahlreichen, bestehenden Kooperationen. Seit Jahren läuft ein gemeinsames Werbeangebot, die Tamedia liefert den überregionalen Onlineauftritt von baz.ch sowie das wöchentliche «Magazin», und die BaZ-Abonnenten erhalten zum Vorzugspreis die «SonntagsZeitung» der Tamedia.

Blocher verkauft Baz

Blocher verkauft Baz

Der Käufer ist die Tamedia AG. Im Gegenzug erhält er mehrere Lokalzeitungen, auf die er vermehrt setzen will. Über die Basler lässt er mächtig Dampf ab.

Entscheidend jedoch, weshalb es gerade jetzt zum Abschluss gekommen ist: Seit der Schliessung der eigenen Druckerei wird die «Basler Zeitung» zu einem günstigen Preis bei der Tamedia produziert. Dieser Vertrag läuft aus und wäre nur zu deutlich höheren Konditionen verlängert worden. Blocher war zum Handeln gezwungen, wollte er die Erzählung einer erfolgreichen Zeitung aufrechterhalten.

Dass ein Verkauf möglich sein könnte, hatte sich auch in Basel herumgesprochen. Gemäss zuverlässigen Quellen gingen bürgerliche Kreise auf Chefredaktor Somm zu mit der Frage, ob nicht eine Basler Lösung mit ihm als Chefredaktor möglich wäre. Somm, pro forma immerhin Drittelsbesitzer der Zeitung, musste eingestehen, keinen Einfluss auf Blochers Entscheide zu haben.

Auch eine stiftungsfinanzierte links-liberale Übernahme wurde erwogen. Der Versuch, Roger Schawinski als Mittler einzuspannen, scheiterte jedoch schon im Ansatz. Der Zürcher Medienmann, der die Avancen bestätigt, sagt, als Journalist stehe er für solche Dienste nicht zur Verfügung.

Erfolg für die Tamedia

Eigentliche Gewinnerin ist die Tamedia. Nach der Einverleibung des Berner Medienraums (2007) und der Romandie (2009) hat sie nun auch ein Bein in der Nordwestschweiz. Entsprechend «hoch erfreut» zeigte sich Verleger Pietro Supino an der Medienkonferenz. Es sei damit die «bestmögliche Ausgangslage für die Herausforderungen» geschaffen, sagte er, um unverbindlich zu bleiben, was dies konkret für die «Basler Zeitung» und ihre Redaktion bedeutet. Diese soll noch ein halbes Jahr von Somm geleitet werden, der sich anschliessend in ein Sabbatical verabschiedet. Ob er tatsächlich als «Autor» zum Tamedia-Konzern zurückkehrt, wird sich weisen. An Verleger Supino wird diese Zusammenarbeit nicht scheitern. Im Verlegerverband war Somm in den vergangenen Monaten der engste Begleiter und Unterstützer von Verbandspräsident Supino.

Eine Bilanz seines dann achtjährigen Wirkens am Rheinknie wollte Somm auf Anfrage an der Medienkonferenz nicht geben. Dies machte dafür Blocher mit bemerkenswerter Einsicht: «Es ist uns nicht gelungen, mit der ‹Basler Zeitung› über den Raum Basel hinauszukommen.» Aus Basel heraus gehe dies nicht, aber es sei zum damaligen Zeitpunkt eben keine andere Zeitung zum Kauf gestanden.

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