Preise
Basler zählen zu den Besten aus Architektur und Design

Mit Christ & Gantenbein und Patrick Zulauf sind bei «Die Besten» auch zwei Basler ausgezeichnet worden.Lanciert wurde der Wettbewerb von der Schweizer Architekturzeitschrift Hochparterre.

Susanna Petrin
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Das Basler Architekturbüro Christ & Gantenbein hat mit bunkerartigem Betonbau das auf Schlösschen getrimmte Landesmuseum in Zürich ergänzt.

Das Basler Architekturbüro Christ & Gantenbein hat mit bunkerartigem Betonbau das auf Schlösschen getrimmte Landesmuseum in Zürich ergänzt.

KEYSTONE

Zwei silberne Hasen hüpften am Dienstagabend nach Basel. Der eine grast nun im Architekturbüro Christ & Gantenbein. Als Preis nicht für den Anbau des Kunstmuseums Basel, sondern für den Anbau des Landesmuseums in Zürich. Der andere Hase hüpfte dem Basler Industriedesigner Patrick Zulauf in den Schoss: Für die Entwicklung einer besonderen Glühbirne.

Manuel Christ und Christoph Gantenbein waren erst etwa 30 Jahre alt, als sie im Jahr 2000 den ersten des zweistufigen Wettbewerbs für die Renovation und Erweiterung des Landesmuseums gewonnen haben. Diesen Sommer ist das erneuerte Museum eröffnet worden. Auf dem Weg dahin dürften den beiden Männern ob des Projekts viele graue Haare gewachsen sein; 16 Jahre voller Streitigkeiten, Problemen, Beschwerden, Gerichtsverfahren, Volksabstimmungen. Da wollte der Bund unter Bundesrat Couchepin, dass Stadt und Kanton sich doch an den Kosten beteiligen sollen. Dort bekämpfte die Schweizerische Gesellschaft für Gartenkultur das Projekt, weil sie den Platzspitz--Park gefährdet wähnte. Dieses Projekt war für die Basler Architekten kein Spass, es war die Hölle.

Patrick Zulauf dagegen erfand seine Glühbirne beim Basteln mit seiner Tochter, wie er bei der Preisübergabe erzählte: «Wenn man mit Kindern Zeit verbringt, kann sehr spontan aus wenig viel entstehen.» Bis die Idee tatsächlich funktionierte, gingen aber viele Glühbirnen zu Bruch.

«E 27» hat ein verstellbares Schirmchen im Gehäuse.

«E 27» hat ein verstellbares Schirmchen im Gehäuse.

Suter Caputo

«Die Besten 2016»

Von der Jacke bis zur Landschaft

Sportjacken mit Ultraschall-Schweissnähten. Ein aufgegebenes Armeegelände, das mit gezielten Eingriffen zum Landschaftspark und beliebten Familienausflugsziel aufgewertet wird. Superurbane Genossenschaftswohnungen in der Industriezone. Derart verschiedene Projekte aus der ganzen Schweiz haben dieses Jahr beim Wettbewerb «Die Besten» gewonnen. Das Ganze lanciert hat die Schweizer Architekturzeitschrift Hochparterre.

Es gibt jedes Jahr in drei Kategorien drei Preise zu gewinnen: Architektur, Design und Landschaftsarchitektur. Je fünf Juroren pro Kategorie schlagen je fünf Projekte vor fürs Rennen um den goldenen, silbernen und bronzenen Hasen. Hinzu kommen je zwei Anerkennungen. In jeder Jury ist ein Hochparterre-Redaktor oder eine Redaktorin dabei. Diese Person nominiert ihre fünf Vorschläge aus den Eingängen einer zuvor lancierten offenen Ausschreibung. Die weiteren vier Juroren haben beim Vorschlag ihrer fünf Lieblinge freie Hand. So treten am Ende auf jedem Gebiet 25 handverlesene Projekte gegeneinander an.

Dem Wettbewerb wird überregionale Bedeutung attestiert. Die öffentliche Preisverleihung hat am Dienstagabend im Toni-Areal in Zürich stattgefunden. Geschätzte 400 Personen waren anwesend. Die Hasen-Trophäen werden vom Künstler Severin Müller aus Holz gehauen.

Bis zum 8. Januar 2017 sind die prämierten Arbeiten in der Eingangshalle des Toni-Areals in Zürich ausgestellt.

Alle Preisträger sowie mehr zu den prämierten Projekten finden Sie im aktuellen Hochparterre-Magazin oder online auf www.hochparterre.ch/diebesten

Schirm in der Birne

Der Witz an der Birne «E27» ist, dass dank eines beweglichen, kleinen Magnets auf der Aussenfläche, ein gefalteter Schirm innendrin verschoben werden kann. So gibt die Birne direktes oder indirektes Licht, je nach Bedarf. Und sieht erst noch schön aus. Von der «Poesie in einer Glaskugel» spricht die Jury. Die Leuchte vermittle die Lust des Designers am Licht. «Sie überträgt sich auf den Betrachter, der mit dem Licht spielen will.»

Das Elegante am Anbau des Landesmuseums ist, wie er mit dem Altbau zusammenspielt. Das war den Architekten das vielleicht grösste Anliegen. 1898 ist das Landesmuseum in Form eines Märchenschlosses eröffnet worden. Christ & Gantenbein haben ihm nun einen bunkerartigen Betonbau hinzugefügt: nüchtern, grossflächig und ausdrucksstark. Farblich und thematisch hätten sie aber «viele Themen aufgenommen», sagt Christoph Gantenbein, das Ganze bilde «eine geschlossene Figur». Auch sei die Sanierung des Altbaus gerade so anspruchsvoll gewesen wie der Neubau.

Die Jury zog diesen Museumsanbau demjenigen in Basel vor, weil sie «den Mut» des Architektenduos würdigen wollte. «Manche Innenräume, wie die grandiose Treppenkaskade, kennen wir eher von Nutzbauten wie Staumauern, Tunneln oder Bergfestungen als von Repräsentationsarchitektur», schreibt Architekturkritiker Axel Simon in der Laudatio. Sein Schlusssatz: «Nur das Nötige schmückt diese Schweizer Anti-Grandezza, die sich traut, oberirdisch anzuecken.»

Der Basler Edison Patrick Zulauf fertigt jede seiner neuen Leuchten von Hand auf Mass. Er sucht allerdings nach Wegen es einfacher und etwas günstiger zu machen. Derzeit kostet eine Leuchte 85 Franken.

Christ & Gantenbein werden noch bis 2020 mit dem Landesmuseum beschäftigt sein, erst dann sollten alle Trakte fertig sein. Ihr nächstes grosses Bauprojekt ist dagegen ein Schoggijob: das «Chocolate Competence Center» in Kilchberg, ein Schokolademuseum neben dem Lindt- und Sprüngli-Firmenhauptsitz.

Unweit davon entfernt kommen die Bauer von grossen Museen mit dem Ertüftler kleiner Lampen zusammen: Patrick Zulaufs Leuchtmittel werden das von Christ & Gantenbein renovierte Lux-Guyer-Haus in Küsnacht erhellen.

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