Riesenpuzzle
Basler Schulraumoffensive: Kaum ein Stein bleibt auf dem anderen

26 Schulhäuser werden in Basel zu Baustellen, um sich der neuen Sekundarschule anzupassen. Die Schulen werden für die Schulharmonisierung fit gemacht. Bis in einem Jahr sollten alle Räume bereit sein.

Pascale Hofmeier
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So viele Schulhaus-Baustellen gab es in Basel wohl noch nie. Die Handwerker übernehmen diesen Sommer in 15 Primarschulen, 6 künftigen Sekundarschulen und vier Gymnasien – oder sie sind bereits am Werk. Die Schulraumoffensive ist eines der komplexeren Puzzles, die der Kanton zu bewältigen hat. Denn alle Schulen werden für die Schulharmonisierung fit gemacht.

Und jetzt beginnt die heisse Phase: Bis in einem Jahr sollten alle Räume bereit sein, die es für den Start der neuen Sekundarstufe braucht. «Es ist eines der intensivsten Jahre unseres mehrjährigen Grossprojektes», sagt Thomas Riedtmann, oberster kantonaler Schulraumkoordinator.

Der Aufwand ist verschieden gross, bis alle benötigten Klassenzimmer an den zehn Sek-Standorten schulreif sind. Die Spannweite reicht von einem kompletten Schulhausneubau – gemeint ist der Standort Sandgrube – bis zu einem blossen Wechsel der Bezeichnung, zum Beispiel im St.-Alban-Schulhaus. Dieses wurde erst vor kurzem komplett saniert. An den Standorten Drei Linden, Wasgenring und Vogesen sind auch keine grösseren Eingriffe nötig.

Der Druck ist gross

Anders ist das beim Bäumlihof. Dort hat die Gesamtsanierung der Schulanlage begonnen, sie wird bis 2018 dauern. Die Arbeiten am Leonhard sind «auf Kurs». Im De Wette und Holbein sind ebenfalls grössere Anpassungen nötig. «Es handelt sich aber nicht um Gesamtsanierungen, weshalb der Schulbetrieb nicht ausgelagert werden muss.» Das neuralgische Projekt ist die Sanierung des Theobald Baerwart-Schulhauses. «Da ist der Druck hoch, fristgerecht fertig zu werden», sagt Thomas Riedtmann.

Das Theobald Baerwart wird einer von vier Sek-Standorten im Kleinbasel – neben Drei Linden, Bäumlihof und Sandgrube. Grund für den Druck ist, dass das Sandgruben-Schulhaus erst ein Jahr nach Sek-Start fertig sein wird. Vor knapp einem Jahr äusserte das Basler Hochbauamt Bedenken, ob es reichen wird – mussten doch vor Umbau-Beginn die Studierenden der Hochschule für Künste auf den Dreispitz ziehen.

«Wir sind seit rund zwei Monaten am Bauen», sagt Bernhard Gysin, beim Basler Hochbauamt Abteilungsleiter Schulen. «Wir sind auf Kurs.» Gysin räumt ein, dass es auch bei diesem Projekt Ungewissheiten gibt. «Man entdeckt immer Dinge, die man nicht erwartet.» Quelle von unangenehmen Überraschungen sind häufig die Elektroinstallationen.

Diese werden in allen Schulhäusern um Netzwerkkabel ergänzt, damit überall Internetzugang vorhanden ist. «Im Insel-Schulhaus war zum Beispiel der Unterhaltsrückstand bei der ganzen Elektroinstallation viel grösser, als wir erwartet hatten», sagt Gysin. Also müssen alle Kabel neu verlegt werden. Es lohne sich aber nicht, beim Werterhalt zu sparen. «Das holt einen immer ein.»

Das ungeliebte Budget

Sollte es Überraschungen geben, die die Sanierung des Theobald Baerwart verzögern, braucht es eine Feuerwehrübung, um die 18 Klassen anderweitig unterzubringen. «Bisher existiert noch kein fertiger Plan B», sagt Thomas Riedtmann. Man habe erste Überlegungen angestellt. Klar ist aber: «Das hätte für sehr viele andere Standorte unmittelbare Folgen.»

Insgesamt investiert Basel 790 Millionen Franken in seine Schulbauten. Die Baumassnahmen im Rahmen der Schulharmonisierung machen davon 93 Millionen Franken aus, 180 werden für Neu- und Erweiterungsbauten verwendet. Der Löwenanteil von 344 Millionen Franken fliesst jedoch in den Werterhalt, um in die Jahre gekommene Schulhäuser wieder instand zu setzen. Geplant sind rund 50 Projekte, kaum eine Schule bleibt unangetastet. «Das Schwierigste ist, im rollenden Prozess die Übersicht zu behalten», sagt Gysin. Alle zwei Wochen finden Sitzungen statt, um zu überprüfen, ob der Zeitplan noch stimmt und die Budgets eingehalten werden. «Bisher gab es keine so grossen Überraschungen, dass es ein Problem wäre», sagt Riedtmann.

Eine «Black Box» war zu Beginn die Erdbebenvorsorge für die Schulhäuser. Nun zeichne sich aber ab, dass dies in «vernünftigem Rahmen» machbar sei. «Es sind nicht unbedingt die alten Gebäude, bei denen es teure Massnahmen braucht», sagt Riedtmann. Namen will er keine nennen, zu heikel sei das Thema. Erweist sich ein Haus als nicht erdbebentauglich, kann es rasch teuer werden – so teuer, dass Kostenvorgaben überschritten werden.

Riedtmann betont immer wieder, das «rigorose Kostenmanagement» brauche viel Zeit und sei anspruchsvoll. «Es gibt aber vereinzelt auch Projekte, bei denen der Kostenrahmen unterschritten wird.» Der Fall war das zum Beispiel bei der Sanierung des Bläsi-Schulhauses. Mehr als dieses eine – gute – Beispiel ist von ihm leider nicht in Erfahrung zu bringen.

Die Vorsicht ist gross, wenn es ums Geld geht, aus zwei Gründen. Da ist der öffentliche Druck, nicht mehr Geld auszugeben, als in den Rahmenkrediten vorgesehen. «Wir schicken immer mal wieder Baukommissionen nach Hause, wenn sie uns zu hohe Kostenkalkulationen präsentieren.» So geschehen beim Sandgrubenschulhaus, dessen Bau sich wegen der Redimensionierung verzögert. So geschehen bei den ersten Vorschlägen für die Erweiterung des Aula-Traktes des Bläsi-Schulhauses. Auch diese wurden abgespeckt.

Der Bau einer Bibliothek und des sonderpädagogischen Kindergartens wurden über Bord geworfen. Und nun ist eben dieses Schulhaus ein Vorzeige-Beispiel. Immer wieder stelle sich auch die Frage, was in die 790 Millionen eingerechnet werde. Nicht dazu gehören zum Beispiel Zusatzbauten, die wegen steigender Schülerzahlen nötig werden könnten.

Ja niemanden neidisch machen

«Unser Ziel ist, dass alle Schulen gleichbehandelt werden und in etwa den gleichen Raumstandard erhalten», sagt Riedtmann. Allerdings sei bei einem Neubau mehr Spielraum vorhanden, zum Beispiel auf pädagogische Wünsche einzugehen, als bei einer Sanierung. Ein solcher Wunsch, der bei vielen Schulen vorhanden ist: Sie möchten in Lernlandschaften unterrichten. Je nach Modell sind das altersdurchmischte Klassen, oder es werden Schülerinnen und Schüler unterschiedlicher Leistungszüge gemeinsam unterrichtet. Das braucht eine andere Raumaufteilung als klassische Klassenzimmer.

Erst kürzlich wurde kommuniziert, dass der Neubau Sandgruben als Erfahrungsschule konzipiert wird, in der alters- und leistungsdurchmischt in Lernateliers unterrichtet werden soll. Und an dieser Stelle kommt der zweite Grund ins Spiel, warum nicht offen über die Kosten der einzelnen Projekte geredet wird: Bedenken, dass Schulen aufeinander neidisch sein könnten, sich ungleich behandelt fühlen, weil in den einen Standort mehr Geld investiert wird als in den anderen. «Wir wollen keine Konkurrenz unter den Schulen», sagt Thomas Riedtmann.

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