Klinikum
Basler Schandfleck einfach abreissen oder sanieren

Das Klinikum 2, der vierzig Meter hohe Spitalbau mitten im Altstadt-Gebiet zwischen Hebel- und Spitalstrasse in Basel, wird nicht geliebt. Robert Schiess, Obmann des Basler Heimatschutzes, sagt warum.

Iso Ambühl
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«Das Klinikum 2 war und bleibt eine städtebauliche Fehlleistung», sagt Robert Schiess, Obmann des Basler Heimatschutzes und fügt an: «Es ist zu gross und zu hoch, es bedrängt die Predigerkirche und den Markgräflerhof und stört das Basler Stadtbild in unerträglicher Weise.» Der Bau sei auch aus der Sicht der dort im Keller Arbeitenden eine Zumutung – «und sollte gesprengt werden...», scherzt Schiess. Für den Heimatschützer ist klar: «Ein Neubau des Klinikums 2 muss massiv kleiner werden – er darf nicht so nahe an die Predigerkirche und den Markgräflerhof heranrücken.»

Die Pläne für «eine Erneuerung des Klinikums 2» sind in Vorbereitung. Denn die Basler Regierung ist sich bewusst, dass das Klinikum nicht mehr den Anforderungen an einen modernen Spitalbetrieb entspricht. Sie hat im Sommer einen «Masterplan Campus Gesundheit» für die nächsten Entwicklungen des Spitalareals genehmigt. Der Masterplan wurde vom Bau- und Verkehrsdepartement in enger Zusammenarbeit mit dem Universitätsspital und dem Gesundheitsdepartement erarbeitet.

Neue Stadtsilhouette wird genau beobachtet

Diese Gesamtschau für die Entwicklung des Spitalareals ist wichtig: Immerhin war vergangenes Jahr fast jeder zehnte Einwohner Basels Patient im USB. Doch das Spital benötigt mehr Platz. Im Masterplan steht, dass das USB künftig zusätzlich rund 17000 Quadratmeter Nutzfläche brauche. Knapp die Hälfte soll das erneuerte Klinikum 2 liefern, für das eine Bauhöhe von 60 Metern möglich wäre. Die Regierung will sich aber mit der heutigen Höhe von 40 Metern begnügen. Ein Streit wegen des Eingriffs in die Grossbasler Stadtsilhouette bleibt programmiert. Gegenüber dem «Sonntag» betonte Kantonsbaumeister Fritz Schumacher, dass man die Thematik Klinikum 2 und Stadtsilhouette sehr genau beachten werde.

Schumacher ist Vorsitzender der Jury eines Architektur-Wettbewerbs für «die Erneuerung Klinkum 2». Bereits vor vier Wochen hat der Kantonsbaumeister an einer Vorinformation gegenüber interessierten Spezialisten klargemacht, dass sowohl Vorschläge für eine Sanierung als auch für einen Abbruch des Klinikums mit anschliessendem Neubau möglich seien. Der zweistufige Wettbewerb startet am 5. März mit maximal zwanzig Teilnehmenden. Im September/ Oktober werden zirka sechs Bewerber ihre Arbeiten detaillierter ausarbeiten können. Die Resultate, die 2013 vorliegen, bewertet eine Jury.

USB-Direktor Werner Kübler ist froh, dass es mit der dringend notwendigen Erneuerung vorwärtsgeht. Er setzt darauf, dass der Wettbewerb Grundlagen dafür liefert, ob eine umfassende Sanierung oder ein Neubau bessere Resultate bringe. Primär wichtig seien der Nutzen des Klinikums 2 und die Verbesserungen für Patientinnen und Patienten sowie für die Mitarbeitenden des Spitals, sagt Kübler.

«Bürgerspital-Skandal»

Wer aber bezahlt die Kosten von 500 bis 700 Millionen Franken bis 2026 für die Erneuerung des Klinikums 2 inklusive der Rochadeflächen, wenn die Bauarbeiten im Gang sind und die Patienten in einem Rochadegebäude betreut werden? Ab 1. Januar ist das USB eine öffentlich-rechtliche Anstalt und tritt somit als Bauherrin auf. «In dieser Rolle werden wir die nötigen Kredite aufnehmen und den Bau finanzieren», sagt Kübler.

Der graue Spitalklotz mit seiner mächtigen Ausdehnung in die Höhe und Breite ist schon lange ein Streitpunkt in der Rheinstadt. Bereits in den Fünfzigerjahren wurde über Sein oder Nicht-Sein des Klinikums 2 gestritten. Die Entwicklung der 3.Bauetappe des damaligen Bürgerspitals war eine äusserst zähe Angelegenheit. Klar war damals einzig, dass etwas gegen die damals akute Spitalbettennot getan werden musste. Wohin aber mit dem Spital? Gegner wehrten sich, dass die Spitalbauten ausgerechnet inmitten der Altstadt zwischen Markgräflerhof und Predigerkirche konzentriert werden sollten.

Doch die damaligen Spital- und Regierungsbehörden trieben die Planung autoritär voran, worauf die Projekt-Gegner von einem «Bürgerspital-Skandal» sprachen. Doch der Kredit von 132 Millionen Franken für das Klinikum 2 wurde 1964 in einer Volksabstimmung angenommen. Danach wurde nochmals geplant. Der funktionale Bau von Suter+ Suter wurde erst 1978 fertiggestellt.

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