Basler Kantonspolizei
Basler Polizeikommandant hat nach Meyer-Rauswurf ein weiteres Personalproblem

Die Kritik am obersten Basler Verkehrspolizisten stellt die Politik von Kommandant Roth auf den Prüfstand.

Benjamin Rosch
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Die Dienstplanung – speziell die Vergabe der Nachtdienste – ist ein emotionaler Diskussionspunkt innerhalb der Polizei.

Die Dienstplanung – speziell die Vergabe der Nachtdienste – ist ein emotionaler Diskussionspunkt innerhalb der Polizei.

Roland Schmid

Martin Roth ist angetreten, um aufzuräumen. Der Kommandant hat seit etwas mehr als einem halben Jahr die Aufgabe, die Basler Polizei auf allen Ebenen zu durchleuchten. Dass vergangene Woche mit Rolf Meyer sein Stellvertreter gehen musste, ist in diesem Zusammenhang zu verstehen. Meyer war stets umstritten, galt als einer der Protagonisten in den Machtspielen der Ordnungshüter.

Roth wird auch in Zukunft die Arbeit nicht ausgehen. Er hat einen Konflikt zu lösen, der sich schon unter seinem Vorgänger Gerhard Lips anbahnte. Konkret geht es um den Leiter der Abteilung Verkehr, Bernhard Frey-Jäggi. Frey-Jäggi ist ein Quereinsteiger, hat also nicht die Polizeischule durchlaufen. Alleine dieser Umstand reicht als Grund, intern kritisch beäugt zu werden. Doch Frey-Jäggi fällt auch mit einem unkonventionellen Führungsstil auf. Die bz sprach für die Recherche mit aktuellen und ehemaligen Polizisten aller Stufen. Überall tönt es gleich: Frey-Jäggi wirke chaotisch und neige dazu, in Stresssituationen überfordert zu sein.

Gewerkschaft ist informiert

Vergangenen Frühling schalteten mehrere Mitglieder den Polizeibeamtenverband ein, die Gewerkschaft der Basler Polizisten. Der Verkehrspolizei – und damit in letzter Konsequenz dem Chef der gesamten Abteilung Verkehr – lasteten sie eine allzu freie Dienstplanung an. «Mitglieder aus dem Polizeibeamtenverband, welche in der Verkehrsabteilung im Sechs-Touren-Modell arbeiten, sind auf uns zugekommen und haben erzählt, dass ein Problem bei der Einteilung der zusätzlichen Nachtdienststunden (siehe Box) besteht. In diesem Bereich ist nicht alles gut gelaufen», bestätigt Verbandsvize Harald Zsedenyi eine Anfrage der bz.

Was sind zusätzliche Nachtdienststunden?

Die Kantonspolizei Basel-Stadt beschäftigt Mitarbeiter in allen Abteilungen, welche in einem 6-Touren-Modell arbeiten. Dieses Modell ist so berechnet, dass pro Jahr der nötige Saldo zur 42-Stunden-Woche nicht ganz erreicht wird. Um diese Stunden nachzuholen, wurde der zusätzliche Nachtdienst geschaffen. So werden fehlende Stunden übers Jahr aufgeholt. (bro)

Es ist vereinbart, dass dieser zusätzliche Nachtdienst nach einem regulären Nachtdienst ab 19 Uhr geleistet werden muss, zwei Nachtschichten hintereinander quasi. Doch in der Verkehrspolizei war der Umgang mit den Regeln freier. Mitarbeiter wurden nach Bedarf eingeteilt, nicht gemäss Vorschrift, etwa um ungeliebte Wochenendeinsätze an FCB-Spielen zu decken. «Der Polizeibeamtenverband hat noch unter Gerhard Lips eine Untersuchung dieser Vorkommnisse eingeleitet», sagt Zsedenyi.

Persönlich verbandelt

«Diese Frage konnte mit dem Verband bereits vor einigen Monaten so bereinigt werden, dass alle zufrieden sind», lässt Polizeisprecher Martin Schütz derweil ausrichten, der für Frey-Jäggi die Stellungnahme abgibt. Zurzeit laufe eine generelle Überarbeitung der Dienstvorschrift zu den Arbeitszeiten; der Verband ist einbezogen. Die Kritik an Frey-Jäggi ist hingegen nicht verstummt. Es gebe weitere Vorwürfe aus dem Korps sagt Zsedenyi. Diese wolle man nun überprüfen. Die Polizisten behalten derweil den von Roth eingeschlagenen Kurs genau im Auge, sein bisheriger Auftritt hat Erwartungen an eine neue Führungskultur geschürt.

Keine einfache Aufgabe, denn Roth gilt als mit Frey-Jäggi freundschaftlich verbunden. Zudem arbeitet Roths Frau in der Abteilung Verkehr. Das Korps stellt Roth also auf den Prüfstand. Dieser will hingegen keine Zweifel aufkommen lassen: Die Weiterentwicklung der Unternehmenskultur der Kantonspolizei «auf allen Ebenen und in allen Abteilungen» werde weiter vorangetrieben. «Dieser Prozess ist in vollem Gang.»