Basler Ladensterben
Oh nein! Jetzt hat es das Kultlädeli im Gundeli doch noch erwischt

Im vergangenen Jahr feierten sie noch voller Optimismus das 60-jährige Bestehen ihres Hobby-Shops an der Dornacherstrasse. Doch für Fredi und Heidi Schleiss war es ein Lockdown zu viel.

Bojan Stula
Merken
Drucken
Teilen
Fertig lustig. Der Hobby-Shop von Fredi und Heidi Schleiss in der Dornacherstrasse ist seit dem 1. Februar Geschichte. Im Augst 2020 waren sie noch guter Dinge.

Fertig lustig. Der Hobby-Shop von Fredi und Heidi Schleiss in der Dornacherstrasse ist seit dem 1. Februar Geschichte. Im Augst 2020 waren sie noch guter Dinge.

Bild: Kenneth Nars / BLZ

«Es tut weh»: Fredi Schleiss versteckt seine Gefühle nicht. Den Hobbyladen an der Dornacherstrasse 109, den sein Vater Karl vor 61 Jahren gegründet hat, gibt es nicht mehr. Ende Januar hat Fredi zusammen mit seiner Frau Heidi Schleiss den Verkaufsraum fristgemäss geräumt. Zuletzt fühlte er sich durch den Termin gedrängt. Wer neu in den Laden einzieht, ist noch offen.

Mit dieser Schliessung geht ein Stück Quartiergeschichte verloren: Hobby-Schleiss am Winkelriedplatz gibt sein Ladenlokal auf.

Mit dieser Schliessung geht ein Stück Quartiergeschichte verloren: Hobby-Schleiss am Winkelriedplatz gibt sein Ladenlokal auf.

Bild: zvg / bz – Zeitung für die Region Basel

Lange haben sich Fredi und Heidi Schleiss gegen ein solches Ende aufgebäumt. Noch im vergangenen August sagten sie zur bz, dass sie den Laden «so lange wie nur möglich» weiterbetreiben wollten. Da hatten sie gerade den ersten Corona-Lockdown mit drei Monaten ohne Einnahmen überstanden. Gegen Ende 2020 kamen zu viele Dinge zusammen: die endlose Pandemie, die verschärfte Konkurrenz durch das Internet, gesundheitliche Probleme.

Das Geschäft kam nicht wieder in Schwung, obschon der Modellbau weltweit von der Coronakrise profitiert. Eingesperrt in ihren vier Wänden suchen die Menschen nach Beschäftigung. Viele erinnern sich da an die Hobbys ihrer Kindheit. Bestellen aber tun sie vornehmlich im Onlinehandel.

«An einem Samstag vor Weihnachten haben wir gerade mal 80 Franken eingenommen»:

Fredi Schleiss seufzt. Selbst die Vorweihnachtszeit brachte keine finanzielle Linderung, viele Kunden sind dauerhaft ausgeblieben. Auf staatliche Coronahilfen haben Fredi und Heidi Schleiss eisern verzichtet. Doch der Entscheid, das Ladenlokal aufzugeben, fiel noch vor dem zweiten Lockdown. Glücklicherweise ist man versucht zu sagen. «Es macht keinen Sinn mehr», musste sich das Ehepaar irgendwann im vergangenen Herbst eingestehen. Um wie viel tragischer wäre es geworden, hätte ihnen der zweite Lockdown den geschäftlichen Überlebenswillen gebrochen?

Internetgeschäft bleibt, persönliche Beratungen in der Werkstatt

Danach ging es ans wochenlange Räumen. Viele Artikel verschleuderten sie zum halben Preis, manche Bausätze verschenkten sie. Die Reste des Inventars zügelten sie in die Werkstatt und den Lagerraum im selben Gebäude.

Dieses ist ihre neue Bastion. Denn Fredi Schleiss wäre nicht er, hätte er nicht doch noch einen Weg gefunden, weiterzumachen. «Ich trage den Modellbau im Herzen.» An der Lebenseinstellung des 76-Jährigen hat selbst die mühselige Geschäftsaufgabe nichts geändert.

Es geht trotzdem weiter: via Onlinebestellungen und einmal pro Woche in der Werkstatt oder im Lager.

Es geht trotzdem weiter: via Onlinebestellungen und einmal pro Woche in der Werkstatt oder im Lager.

Bild: zvg / bz – Zeitung für die Region Basel

Noch einmal in der Woche werden er und Heidi Schleiss in der Werkstatt Kundschaft für persönliche Beratungen und Reparaturaufträge empfangen; dies nach telefonischer Voranmeldung, wie sie im Internet ankündigen. Die Bestellmöglichkeit via Website ist aktuell noch nicht betriebsbereit, soll aber demnächst folgen. Neben der Adresse www.schleiss-modellbau.ch führen sie die Domain www.model-truck.ch für ihr Sortiment von ferngesteuerten LKW-Modellen.

«Wir freuen uns, Sie auch weiterhin bei unserem gemeinsamen Hobby, dem Modellbau, zu unterstützen!»,

schreiben Fredi und Heidi Schleiss in ihrem aktuellsten Eintrag auf ihrer Website. Dass sie es auf diesem Weg keinesfalls mit den etablierten Grossen der Onlinebranche aufnehmen können, ist ihnen bewusst. Aber es ist für sie die einzige übriggebliebene Nische, ihre Lebensaufgabe weiterzuführen und ihrer Stammkundschaft erhalten zu bleiben.