Talentförderung
Basler Gewerbeverband will Lernende zu Unternehmern ausbilden

Jugendliche, die Interesse an einer berufsbegleitenden Ausbildung zum «Unternehmer» zeigen, sollen bereits während der Lehre entsprechend gefördert werden. Darum wurde am Montag das Projekt «Campus Unternehmertum» lanciert.

David Egger
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Unternehmerische Führung kommt in den beruflichen Grundbildungen nicht vor. (Archiv)

Unternehmerische Führung kommt in den beruflichen Grundbildungen nicht vor. (Archiv)

Oliver Menge

Der Gewerbeverband Basel-Stadt will junge Erwachsene für das Unternehmersein begeistern. Dazu hat er gestern das Projekt «Campus Unternehmertum» lanciert. Jährlich sollen rund 20 Jugendliche eine Spezialausbildung absolvieren. Die ersten Lehrlinge beginnen bereits Ende Jahr mit der neuen Ausbildung. Seit dieser Woche können sie sich dafür bewerben.

Von 2016 bis 2019 stossen jeweils Mitte Jahr 20 weitere Jugendliche dazu. Im Frühling 2020 endet das Pilotprojekt. Dann entscheidet der Gewerbeverband, ob er sein Projekt fortsetzen will. Dieses sei einzigartig in der Schweiz, sagte Gewerbeverbandsdirektor Gabriel Barell gestern vor den Medien. Nun gebe es eine Spitzenförderung in der Berufsbildung, ähnlich wie im Sport.
Für den Unterricht der ausgewählten Lehrlinge mietet der Verband einen grossen Raum in der ehemaligen Jazzschule – also in dem Gebäude an der Reinacherstrasse, wo sich auch das Jugendkulturhaus R105 befindet.

Die Chefs kleinerer und mittelgrosser Firmen sollen die Lehrlinge unterrichten. An erster Stelle stehen Unternehmensstrategien, Planung und Organisation, gefolgt von Marketing und Verkauf. Aber auch Businesspläne und Finanzkalkulationen werden den jungen Berufsleuten nähergebracht. «Wir wollen die Lehrlinge aber nicht zu Managern machen, sondern zu verantwortungsvollen Patrons», sagt Reto Baumgartner, Projektleiter Berufsbildung beim Gewerbeverband.

Mit seinem neuen Angebot macht der Gewerbeverband auch auf die Verhältnisse im Arbeitsmarkt aufmerksam: So würden im Gewerbe die jungen Erwachsenen fehlen, die bereit sind, eine Firma zu leiten, sagt Barell. Dazu komme der allgemeine Fachkräftemangel. In der beruflichen Grundbildung würden die Lehrlinge zudem nicht auf das Unternehmertum vorbereitet. Dem will der Gewerbeverband nun entgegenwirken. Allerdings ist das einfacher gesagt als getan: Denn leistungsstarke Jugendliche ziehe es immer noch in die Gymnasien, so Barell weiter. Deshalb solle die duale Ausbildung künftig attraktiver vermarktet werden: als «Einstieg ins Unternehmertum».

«Keine Kritik an Berufsbildung»

Als Kritik an der Berufsbildung will Baumgartner den neuen Campus nicht verstanden sehen. «Die Verantwortlichen vom Kanton begrüssen das Projekt. Wir machen mit der Zusatzausbildung einfach unsere Hausaufgaben», sagt er. Für sein Angebot wird der Gewerbeverband auch mit Plakaten an Baselbieter Berufsschulen werben. Der Verband fragt diese Woche 2000 Ausbildungsbetriebe in Basel-Stadt an, ob sie daran interessiert sind, dass sich einer ihrer Lehrlinge für den «Campus Unternehmertum» bewirbt.

Jene Jugendlichen, die den zusätzlichen Aufwand auf sich nehmen, werden während der Lehre an etwa fünf Tagen pro Jahr im «Campus Unternehmertum» geschult. Nach der Lehre erfolgt auch die Zusatzausbildung berufsbegleitend. Dafür sind zehn Tage pro Jahr vorgesehen. In der Pilotphase zahlt der Gewerbeverband die Kosten für den «Campus Unternehmertum».

An der Projektlancierung betonten die Verantwortlichen, dass sie mit leistungsstarken Lehrlingen nicht nur schulisch starke Lehrlinge meinen. Talente würden sich auf unterschiedliche Arten zeigen: vom feinmotorischem Geschick bis hin zur Sozialkompetenz.

Der «Campus Unternehmertum» soll künftig die Anlaufstelle für individuelle Karriereplanung nach der Berufslehre werden, sagt Baumgartner weiter. Aufgenommen werden junge Erwachsene aus der Nordwestschweiz. Die neue zusätzliche Ausbildung richtet sich zudem ausdrücklich an Lehrlinge aller Branchen. «Wir wollen uns nicht festfahren», so Baumgartner.

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