«Eine Ehre und Anerkennung für die Stadt und den Kanton», nennt Regierungsrat Christoph Brutschin (SP) sein neues Amt: Brutschin ist neu der höchste Wirtschaftsdirektor aller Kantone. Nachdem er zuerst als Vize amtete, steht er nun den Volkswirtschaftsdirektoren aller Kantone vor und vertritt deren Interessen gegenüber dem Bund.

In der Basler Regierung befindet er sich damit in bester Gesellschaft. Christoph Eymann (LDP) präsidiert die Erziehungsdirektoren-Konferenz und prägt damit die Schweizer Bildungslandschaft. Eva Herzog (SP) ist als Vize-Präsidentin der Finanzdirektoren-Konferenz eine tragende Figur in der Debatte um die Unternehmenssteuerreform III. Lukas Engelberger konnte Carlo Conti (beide CVP) als Oberhaupt zwar nicht beerben, ist aber dennoch im Vorstand der Gesundheitsdirektoren, Guy Morin (Grüne) in jenem des Städteverbands, Barbara Schüpbach ist Vizepräsidentin der Schweizer Staatsschreiber. Und unlängst wurde Baschi Dürr zum Präsident der Strafrechtskommission der Justizdirektoren-Konferenz (KKJPD) gewählt.

Die KKJPD ist eine von nur drei Konferenzen, in denen Basel-Stadt nicht einen Vertreter des Vorstands stellt. Als Jörg Schild noch Regierungsrat war, befand sich gar die Präsidentschaft in Basler Hand. In derart vielen einflussreichen Positionen sind nicht einmal die Regierungsräte von Zürich. Auch wenn mehr Vorstandsmandate auf die Polit-Hauptstadt entfallen: Die Basler haben mehrere Schlüsselpositionen im Griff.

Auch Bern und Genf haben das Nachsehen. Dies mag erstaunen: Basel-Stadt wird immer wieder nachgesagt, in Bern auf wenig Gehör zu stossen. Dies bezieht sich aber wohl mehr auf den Nationalrat.

Folgt bald auch Wessels?

Die Machtkumulation vom Rhein könnte zudem bald noch grösser werden. Ein heisses Gerücht macht die Runde: Hans-Peter Wessels soll ins Präsidium der Verkehrsdirektoren-Konferenz vorstossen. «Noch ist nichts spruchreif», sagt Wessels selbst. Es sei lediglich bekannt, dass der aktuelle Präsident, Matthias Michel, «nicht mehr ewig» bekleiden werde. «Es ist üblich, dass der Nachfolger aus dem Kreis der Vorstandsmitglieder stammt.

Ganz zufällig wäre die Wahl von Wessels nicht. Nicht nur als Präsident des interkantonalen Gotthard-Komitees hat er Erfahrungen auf Bundesebene sammeln können. Es eröffnete dem Kanton wohl mehr Mitsprache-Möglichkeiten, auch wenn Brutschin sagt: «Bei einem solchen Amt geht es nicht um Partikularinteressen.» Aber auch Christoph Brutschin weiss: Als Präsident bringt man die anderen Kantone «auf eine Linie, schwört sie gewissermassen auf ein gemeinsames Vorgehen ein.» Die Meinungen aus dem Haus der Kantone haben Gewicht und beispielsweise bei der Ausbau der Bahninfrastruktur (FABI) oder auch der Autobahn würde Basel wohl gerne ein Wörtchen mitreden.

Vielleicht wird sogar Baschi Dürr einmal die Justiz stärker mitbestimmen — gesetzten Falles, er würde im Herbst nicht ins Präsidialdepartement gewählt. «Eine durchaus spannende Option», nennt das Dürr, auch wenn er sagt: «Das sind keine Karriereschritte, die man plant.» Auf der anderen Seite wird das Präsidium der Erziehungsdirektoren-Konferenz wohl den Kanton wechseln: Christoph Eymann tritt im Herbst nicht zu den Wahlen an, und sein Nachfolger darf sich kaum Chancen ausrechnen.

Baselland bleibt unerhört

Dürr und Brutschin nennen die Gründe für eine solche Wahl. Das Anciennitätsprinzip spielt eine grosse Rolle, aber auch der Einsatz an den Sitzungen und Dossiersicherheit. Dies stellt der Stadt-Regierung ein gutes Zeugnis aus — gerade im Vergleich auch zum Kanton Baselland. Verkehrsdirektorin Sabine Pegoraro ist aktuell einziges Regierungsmitglied mit einem Vorstands-Mandat in den Direktorenkonferenzen. Zum Vergleich: Solothurn hat fünf Mandate, genau wie auch Glarus. Aber auch Zug (4) oder Schwyz (3) geben in Bern mit den Ton an.

Basel-Stadt hingegen dominiert derzeit auch internationale Gremien: Dieses Jahr präsidieren drei Basler drei grenzübergreifende Institutionen: Helmut Hersberger (FDP) den Oberrheinrat, Guy Morin (Grüne) die Oberrheinkonferenz und Heinrich Ueberwasser (SVP) den Districtsrat.