Raumnot
Basel-Stadt eröffnet 56 neue Kindergärten in fünf Jahren

Basel-Stadt muss einen Kindsgi nach dem anderen eröffnen. Aber nicht alle erfüllen die kantonalen Standards.

Annika Bangerter
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Der neue Kindergarten an der Bündnerstrasse mit Dachgarten.

Der neue Kindergarten an der Bündnerstrasse mit Dachgarten.

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Ein Kindergarten im Gotthelfquartier stockt auf. Wortwörtlich. In diesem Sommer brechen Bagger den Kindsgi aus dem Jahr 1949 ab, Handwerker ziehen daraufhin an der Bündnerstrasse 29 einen doppelstöckigen Bau hoch. Er gehört zu den elf neuen Kindergärten, die alleine 2017 im Kanton Basel-Stadt entstehen.

Wer die Baueingabe durchblättert, sieht: Jeder Quadratmeter wird genutzt. Auf dem Flachdach spriessen Sträucher, dazwischen finden sich Pflanzenbeete, ein Sandkasten und ein Bienenhotel. Mit diesem Dachgarten erhalten die künftigen Kinder über 130 Quadratmeter mehr Aussenraum als ihre Vorgänger in der alten Liegenschaft. Die Nutzung des Flachdachs ist ein Kniff, um die Raumstandards zu erfüllen, die sich der Kanton selbst gegeben hat.

Insbesondere die Aussenbereiche der Kindergärten sind diesbezüglich häufig ungenügend. Es fehlt an Grünflächen oder generell an Platz, um draussen spielen. Das geht aus der regierungsrätlichen Antwort auf die Anfrage von Anita Lachenmeier (Grünes Bündnis) hervor. Die Regierung schreibt, dass die «grundsätzlich angestrebten Anforderungen» in der Praxis «nicht immer» erfüllt seien.

Vor allem Kindergärten, mit denen sich der Kanton in einem Gebäude einmietet, sind davon betroffen. Der Grund: ein Mangel an Angeboten. Würden nur Liegenschaften angemietet, die allen Raumstandard für Kindergärten genügen, wäre die Auswahl «nahezu Null», hält die Regierung fest. Stärker gewichtet als die Aussenfläche würden die Innenräume oder die Lage im Quartier.

Ein Rekord nach dem nächsten

Der Druck, neue Lokale zu finden, ist in Basel-Stadt gross. Alleine in den vergangenen vier Jahren mussten 45 neue Kindergärten her. Der Trend dauere ungebrochen an, sagt Christian Griss, Leiter Dienste beim Erziehungsdepartement. Der Kanton plant daher, 2017 den Bestand um elf weitere Kindergärten aufzustocken. Die Anzahl neu eintretende Kinder habe sich in den vergangenen fünf Jahren stets erhöht.

Fast jedes Schuljahr schrieb einen neuen Rekord. Dabei ist der Höchstwert gemäss den statischen Hochrechnungen noch nicht erreicht. 2020 erwartet Basel-Stadt 1430 Kinder, die leicht nervös und mit Znünisäckli erstmals über die Schwelle eines Kindergartens tapsen. Zum Vergleich: Im Sommer 2010 waren es mit 1097 Eintritten fast ein Viertel weniger Kinder.

Kanton will Kindsgis aufwerten

Der Kanton kann die Kinder nicht einfach auf die vorhandenen Standorte verteilen. Ihr Schulweg muss kurz sein und darf nicht über stark befahrene Strassen führen. Es gilt, die Kindergärten dort in Betrieb zu nehmen, wo die Kinder tatsächlich wohnen.

Deshalb gehen in diesem Jahr beispielsweise zwei Doppelkindergärten auf der Erlenmatt auf. Entsprechend hält die Regierung bezüglich der Raumsuche fest: Der «ideale Kindergarten» nutze im Gellert nichts, wenn er im St. Johann nötig sei.

Wie viele Lokale den vorgegebenen Raumstandards nicht genügen, weiss der Kanton nicht. Aktuell erstellt das Erziehungsdepartement (ED) eine Planungsstudie zu den Kindergärten. Jeder Standort würde evaluiert, die «baulichen Sanierungs- und Erweiterungspotenziale» untersucht.

Auch die Aussenräume will das ED unter die Lupe nehmen. Das Ziel sei, in der zweiten Jahreshälfte dem Grossen Rat eine Rahmenausgabenbewilligung vorzulegen. Spricht das Parlament die Gelder, setzt der Kanton die Kindergärten instand und wertet sie auf. Auch die Aussenräume.

Die Standards seien dabei als «architektonische» Leitlinien zu verstehen, sagt Christian Griss. Zwingend seien sie nur bei Neubauten oder einer Totalsanierung. Da braucht es 100 m2 Rasen, 75 m2 Trockenplatz, 15 bis 25 m2 sonnengedeckten Sand- oder Kiesplatz sowie ein Pflanzenbeet von 10 bis 20 m2.

Und was, wenn dieser Aussenraum auf dem Hof eines Kindergartens fehlt, was wiederholt der Fall ist? Dann würden die Klassen auf nahe gelegene Parks oder Spielplätze ausweichen, sagt Christian Griss.

Im Gotthelfquartier, an der Bündnerstrasse, ist dies ab Sommer 2018 nicht mehr nötig. Der Gang aufs Dach genügt.

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