Basel-Stadt
Das Theater Basel öffnet sein Wohnzimmer

Das neu geschaffene Foyer Public steht allen offen. Mit dem Angebot möchte man den Zugang zum Theater niederschwelliger gestalten.

Tanja Bangerter
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Das Foyer Public soll ein Experiment sein.

Das Foyer Public soll ein Experiment sein.

Juri Junkov

«Unsere Türen werden im ­Sommer weit offenstehen», schwärmt Benedikt von Peter und stösst eine der neuen Flügeltüren auf. Diese seien einladender als das alte Drehkreuz, sagt der Intendant, als er die Presse durch das Foyer des Theaters schleust. Tatsächlich ist der Ort kaum wiederzuerkennen. Die täglich besetzte Ticketkasse ist neu im Eingangs­bereich positioniert. An ihr vorbei gelangt man zur grosszügigen Tanzfläche. Darauf stehen Liegestühle, von der Decke baumelt ein Leuchter. Neben der Grossen Bar findet sich eine Loungeecke mit langen Fensterbänken.

Benedikt von Peter klärt über das partizipative Konzept auf: Tanzen, Picknicken, Arbeiten, Lesen, Performen oder Meditieren könne man ohne Konsumzwang im Foyer. «Wir kuratieren hier nicht.» Vielmehr gebe man einer künstlerischen Praxis Raum, die man noch nicht kenne. «Wir wollen sehen, was passiert.» Von Dienstag bis Sonntag stehe das Foyer Public allen offen – zurzeit sei die Besucherzahl auf 50 Personen limitiert.

Statt auf Verbote setzt man im Foyer auf den Dialog

Seit drei Jahren arbeitet der Intendant in einem achtköpfigen Team an seiner Vision eines stadtoffenen Stadttheaters. Diese werde an Häusern in Paris oder London bereits gelebt, sagt von Peter, der von den positiven Erfahrungswerten der Kollegen profitiert habe. «Wir verzichten auf Security. Statt Verboten setzen wir auf den Dialog», betont er. «Es ist ein Experiment», ergänzt Inklusionsmitarbeiterin Belinda Schweizer. Auch das Theatercafé dürfe vielseitig ­genutzt werden. Der Umbau sei «heftig» gewesen, sagt von ­Peter nachdrücklich. «Unser fliegendes Zirkuszelt aus Beton weist kaum Trageelemente auf», erklärt der Intendant, der auch das Nachtcafé ab 23 Uhr wieder aufleben lassen wolle. Im Gegensatz zu den Workshopräumen sei der frei zugängliche Grossraum nicht buchbar. Statt Monitoren informiere Wand­beschriftung über den Spielplan. «Der Zugang zum Theater soll niederschwelliger werden», sagt von Peter. Auf Nachfrage dürfe man sogar auf der Galerie den Proben beiwohnen.

Theater Basel will auf Jugendliche zugehen

Wir werfen gemeinsam mit dem Intendanten einen Blick auf die Bühne: Einige Ensem­ble­mitglieder nutzen das Foyer bereits zum Proben. Mit der Neugestaltung solle «ein fluider Austausch zwischen den Theaterschaffenden und dem Pub­likum» ermöglicht werden.

Als Schnittstelle zur Jugendkultur dienen die Räumlich­keiten der alten Billettkasse, betont Benedikt von Peter und führt uns am innovativen Kinder­eck mit Schnittblumen und Theatermemory neben einer Ausstellung der HDK vorbei. «Hier stören auch laute ­Bässe nicht.» Der Intendant will die Jugendlichen auf dem Theaterplatz über die Terrasse er­reichen.

Mit der Umnutzung des alten Ballettraumes zur Galerie 7, die jungen Theaterklubs zur Verfügung stehen werde, ginge man vermehrt auf die Bedürfnisse der neuen Generation ein, sagt von Peter. «Für spontane Per­formances stehen die beiden kleineren Tanzböden zur Ver­fügung», so der Co-Leiter Patrick Oes. Jeder könne seine eigene Musik und eigene Boxen mitbringen. Ein rotes Schild erinnert an die bestehenden Corona-Auflagen: «Hier könnt ihr hoffentlich bald tanzen!»

Foyer Public, Theater Basel. Di–So, 11–18 Uhr. www.theater-basel.ch/de/foyerpublic

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