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Basel in Farbe, Teil 9 – Peter Moeschlin zeigt den Alltag der frühen Sechzigerjahre

Patrick Marcolli
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Die scheinbar fortschrittliche Stadt der Sechzigerjahre.

Die scheinbar fortschrittliche Stadt der Sechzigerjahre.

Staatsarchiv Basel-Stadt (BSL 1022 KT 929)

Gab es sie eigentlich, die «guten alten Zeiten»? Diese Fotografie aus dem Nachlass von Peter Moeschlin (1924-2003) mag einen solchen Zustand suggerieren. Basel ist in Bewegung, Basel ist geordnet geschäftig, Basel ist «busy». Die absichtlich lange Verschlusszeit, die Moeschlin wählte, schafft eine grossstädtische Atmosphäre. Das Werbebanner auf dem Tram will, so lässt sich vermuten, zum Konsum von Zigaretten der Marke Mary Long mit Filter verführen.Mondän und stilvoll, eine Stadt von Welt mit Männern von Welt.
Die Realität sah natürlich ein wenig anders aus. Der Kanton Basel-Stadt hatte zum Zeitpunkt der Aufnahme, sie entstand 1963, ein paar tausend Bewohnerinnen und Bewohner mehr als heute, auf durchschnittlich deutlich kleinerem Raum lebend, erstere noch ohne Wahlrecht. Wer sich an diese Zeit erinnert, weiss auch, dass die chemische Industrie damals die Luft in der Stadt verpestete. Dem Autoverkehr waren keine Grenzen gesetzt, er galt als fortschrittlich. Sogar der Marktplatz diente, wie auf dem Bild schemenhaft im Hintergrund zu erkennen, als Parkplatz. In dieser Zeit wurde auch wenig Rücksicht auf das historische Stadtbild genommen: Altstadt- und Gründerzeithäuser mussten massenhaft billigen Bauten weichen. «Gute alte Zeiten»?

Hier geht es zu den anderen Teilen der Serie «Basel in Farbe».