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Basel in Farbe, Teil 6 – Fotograf Heinz Höflinger begibt sich in Basels exotischstes Lokal

Patrick Marcolli
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Frau Seiler trinkt im «Tropic» einen Kaffee und guckt dabei der Schlange zu.

Frau Seiler trinkt im «Tropic» einen Kaffee und guckt dabei der Schlange zu.

Staatsarchiv Basel-Stadt (Hö B 728)

Gastronomen sind, Modemachern ganz ähnlich, die Meister des Trendsettings. Der Basler Paul Seiler (1914–1987) war einer von ihnen. Also eigentlich war er ein Weltenbummler, ein Abenteurer, ein Mann, der von der Ferne träumte und in die Ferne reiste.

Seine Heimatstadt liess er an seinen Erlebnissen teilhaben, zunächst an Vortragsabenden, später mit zwei gastronomischen Einrichtungen: dem Café Tropic in der Steinenvorstadt sowie mit dem «Atlantis», zunächst an der Steinentorstrasse beheimatet, danach (und bis heute) am Klosterberg. Kollege Christian Platz hat vor einigen Jahren die Geschichte von Paul Seiler in einem Artikel für «barfi.ch» liebevoll nacherzählt (online noch auffindbar).

Einblicke in die exotische Zeit des Exotismus

Auch für den jungen Heinz Höflinger muss das Café Tropic ein grosses Faszinosum gewesen sein. Die vorliegende Aufnahme entstand 1953 oder 1954, Höflinger war damals Mitte zwanzig und folgte seinen stadtberühmten Vorfahren in der Kunst der Fotografie nach. Eine besonders gute Aufnahme ist es nicht. Alles wirkt etwas beengt. Spannend ist sie vor allem, weil sie uns einen Blick gewährt in die längst vergangene Zeit, als Gastronomen mit Exotismus noch Geld gemacht haben, als es offensichtlich noch keine Vorschriften zur artgerechten Tierhaltung gab und den Cocktails noch Sonnenschirmchen beigefügt wurden.

Uschi Seiler, die Gattin des Inhabers, hat sich für den Fotografen an den berühmten Tisch mit der lebenden Schlange gesetzt und trinkt einen Kaffee. Vielleicht hat sich Höflinger auf einen der Hocker gestellt, um aus einer guten Perspektive fotografieren zu können. Das Bild lebt jedenfalls nicht von seiner Bildidee, sondern allein von der Einrichtung des Lokals, das in den Siebzigerjahren seine Pforten schloss.

Hier geht es zu den anderen Teilen der Serie «Basel in Farbe».

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