Basel
Crowdfunding für das kurzfristige Überleben des Billard Saloons

Der Spielbetrieb setzt auf seine Besucher, um die coronabedingte Schliessung zu überbrücken.

Deborah Gonzalez
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Im Billard Saloon in Basel wird jetzt auf Crowdfunding gesetzt, um den Spielbetrieb vor dem Konkurs zu retten.

Im Billard Saloon in Basel wird jetzt auf Crowdfunding gesetzt, um den Spielbetrieb vor dem Konkurs zu retten.

zvg

Gerade jetzt sind viele auf die Hilfe anderer angewiesen. So geht es auch Mariano Proietto, dem Inhaber des Basler Billard Saloons. Denn dort, wo vorher jeden Abend die Kugeln von der einen Ecke in die nächste Tischecke gerollt waren, ist seit dem Lockdown Ruhe eingekehrt.

Der Saloon gehört nicht zu dem sogenannten «alltäglichen Bedarf» und muss dementsprechend geschlossen bleiben. Zum zweiten Mal bereits. Denn auch im Frühjahr 2020 musste Mario Proietto seinen Saloon gezwungenermassen schliessen. Die erste Schliessung habe er verkraften können. Doch so langsam käme auch er an seine Grenzen, sagt er. «Das hält fast keine Firma aus, wir sind nicht die Einzigen, die zu kämpfen haben.» Der Staat unterstütze zwar, jedoch reiche das Geld «bei weitem» nicht aus.

Familienbetrieb mit Herzblut geführt

Für Proietto ist der Saloon sein einziges Einkommen. Es ist sein Familienbetrieb, den er vor acht Jahren übernommen hat. Im Saloon selbst, den es seit 40 Jahren gibt, arbeitet Proietto bereits seit 36 Jahren. «Der Laden ist mein Leben. Ich bin seit der Anfangszeit dabei und mein ganzes Herz steckt hier drinnen», sagt er. Aufgeben sei für ihn keine Option. Er wolle weiterkämpfen, «bis es nicht mehr geht». Dafür sei ihm jedes Standbein recht.

Ein Kunde habe ihn vor einigen Wochen auf eine Idee gebracht. Er solle es doch mit Crowdfunding versuchen. «Ich habe mich darüber informiert und natürlich sofort ein Projekt gestartet», sagt Proietto. Auf der Seite von «Lokalhelden» kann man nun Gutscheine erwerben und somit für den Saloon spenden. Den günstigsten Gutschein für einen Billardabend mit Familie und Freunden gibt es ab 25 Franken. «Es geht darum, unser Überleben zu sichern. Da ist jede Spende wichtig. Auch wenn es klischeehaft klingt, aber jeder Franken zählt.»

Crowdfunding habe angeschlagen

Bereits seit Anfang Januar läuft das Projekt auf der Website. Knapp 15000 Franken wurden bereits eingenommen. Proietto zeigt sich glücklich und zuversichtlich zugleich: «Es funktioniert wirklich gut. Unsere Kunden sind für uns da und unterstützen uns. Das kommt gut.» Das Geld auf die Seite legen, könne er aber trotzdem nicht, versichert Proietto.

Die fast 15000 Franken seien dazu da, die Mietkosten zu tragen, aber hauptsächlich dafür, den Sommer zu überstehen. «Wir sind eine Indooraktivität, das heisst, dass wir im Sommer kaum etwas zu tun haben. Normalerweise arbeiten wir im Winter und können mit dem Geld dann die Saison überbrücken.» Sollte also bis Sommer kein zusätzliches Geld fliessen, stehe der Saloon vor grossen Problemen.

Wie es nun weitergeht, weiss Proietto nicht. Er glaube nicht, dass er bereits im März wieder öffnen könne. «Ich hoffe es, denke aber nicht, dass das der Fall sein wird», sagt er. Selbst eine Zeitbeschränkung sei in seinen Augen keine grosse Hilfe, weil seine Kunden eher zur Abendzeit in den Saloon kämen. Trotzdem wolle er die Hoffnung nicht aufgeben. «Wir kämpfen weiter. Jetzt geht es um das kurzfristige Überleben, danach schauen wir weiter.»

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