Euroairport
Bahnanschluss Euro-Airport 2020 wird teurer: 260 Millionen Euro

Stündlich soll es ab 2020 mehrere Verbindungen der Strecke Mulhouse - Flughafen - Basel geben. Binationale Verhandlungen entscheiden, wie sich die Schweiz finanziell beteiligt. Der Airport-Bahnhof wird halbunterirdisch neben den Parkhäusern gebaut.

Peter Schenk
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Willi Rehmann, Präsident von Pro Bahn Nordwestschweiz: «Die Idee einer Strassenbahn finde ich merkwürdig. Da tut es Bus 50 auch.
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Der Euro-Airport.
Der EuroAirport Basel-Mülhausen soll bis 2020 über einen Bahnanschluss verfügen.
2013: Auf dem Euro-Airport: das grösste Flugzeug der Welt, die Antonov An-225 (links) und die hier stationierte Lockheed Super Constellation, Baujahr 1956.
Der Euro-Airport im Hoch: Bald soll bei den Passagieren die 6-Millionen-Marke geknackt werden.
Abflughalle am Euroairport.

Willi Rehmann, Präsident von Pro Bahn Nordwestschweiz: «Die Idee einer Strassenbahn finde ich merkwürdig. Da tut es Bus 50 auch.

Zur Verfügung gestellt

Anfangs sollte der geplante Bahnanschluss zum Euro-Airport (EAP) noch 200 Millionen Euro kosten, zuletzt war die Rede von 220 Millionen, nun aber sollen es sogar 260 Millionen Euro werden.

Die Zahl stammt von Alain Groff, Leiter des Basler Amts für Mobilität, der sich auf die Region Elsass als wichtigen Projektpartner bezieht. Die Gesamtkosten betreffen den Realisierungszeitpunkt.

Wenn alles gut läuft, könnte der Bahnanschluss 2020 in Betrieb genommen werden. Gebaut werden muss dafür eine knapp sieben Kilometer lange, neue Bahnstrecke, die die bestehende Linie bei Saint-Louis verlässt, direkt zum Flughafengebäude führt und weiter nördlich wieder an die Strecke Basel–Mulhouse angebunden wird.

Pro Stunde sechs Züge nach Basel

Der neue Euro-Airport-Bahnhof soll halbunterirdisch neben den Parkhäusern 70 bis 100 Meter von den Terminals entstehen. Geplant sind stündlich sechs Verbindungen nach Basel und vier nach Mulhouse.

Jean-Marie Zoellé, Maire von Saint-Louis, war im Interview mit der bz kürzlich sogar von 300 Millionen Euro für den Bahnanschluss ausgegangen – ein Betrag, der derzeit in Frankreich nicht auftreibbar sei. Auch wenn die Angabe der Region Elsass deutlich niedriger ist, liegen die neuen Kostenschätzungen immer noch 60 Millionen Euro über den anfangs kommunizierten Preisen.

Dennoch nehmen die Chancen für die Realisierung des EAP-Bahnanschlusses wieder zu, und das liegt am Stand der Verhandlungen über den binationalen Status des Flughafens. Alain Groff formuliert die Ausgangslage so: «Entscheidender als die Höhe des Betrags ist der rechtliche Status des Flughafens.

EAP EXPRESS

EAP EXPRESS, der Förderverein für den Bahnanschluss am EuroAirport Basel-Mulhouse-Freiburg wurde am 15. Oktober 2010 durch folgende zehn Gründungsmitglieder ins Leben gerufen:

Conseil Régional d'Alsace
Conseil Général du Haut-Rhin
Mulhouse Alsace Agglomération (M2A)
CCI Sud Alsace Mulhouse
Kanton Basel Stadt
Kanton Basel Land
Handelskammer Beider Basel (HKBB)
Stadt Freiburg im Breisgau
Stadt Lörrach
Flughafen Basel-Mulhouse

Ziel ist es, den direkten Anschluss des Flughafens Basel-Mulhouse an die bestehenden französischen, schweizerischen und deutschen Eisenbahnnetze zu fördern, damit Reisende und Beschäftigte den Flughafen besser erreichen können.

zvg / euroairport.com/de/eap-express

Die Beiträge der Schweizer Partner sind sicher davon abhängig, ob die derzeit ungeklärten Fragen in Sachen Steuern, Gebühren und Arbeitsrecht zufriedenstellend geregelt werden können.

Solange hier keine Einigung mit Paris erzielt wurde, ist nicht damit zu rechnen, dass Bund und Kantone namhafte Beträge in den Flughafen und dessen Anbindung investieren.»

Lösung bei den Steuerfragen

Tatsächlich koppelt das Bundesamt für Verkehr (BAV) die Schweizer Beteiligung am Bahnanschluss an die Gespräche über den binationalen Status des EAP. Während die Arbeitsrechtproblematik mit dem sogenannten «accord de méthode» geregelt ist, harzte es bisher vor allem bei den Steuerfragen, über die seit Mai 2013 Gespräche zwischen Bern und Paris stattfinden.

Jetzt aber zeichnet sich eine Lösung ab. In seiner Mailantwort auf die Fragen der bz, in dessen Erarbeitung auch das EDA (Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten) einbezogen wurde, schreibt das BAV zu den Steuerverhandlungen: «Dabei konnten verschiedene Fragen geklärt werden. Die Schweiz und Frankreich beabsichtigen, in den nächsten Wochen eine Lösung für sämtliche Steuerfragen am Euro-Airport zu finden.»

Laut Claus Wepler, im Basler Departement für Wirtschaft, Soziales und Umwelt für den EAP zuständig, war der Flughafen letzte Woche Thema bei einem Treffen zwischen Bundesrätin Widmer-Schlumpf und dem französischen Finanzminister Moscovici. Wie das BAV hofft Wepler auf Ergebnisse in den nächsten Wochen.

Dies hätte direkte Folgen für die Finanzierung des Bahnschlusses. So teilt das BAV mit: «Wenn die beiden Staaten eine Lösung für die noch offenen Fragen gefunden haben, kann über eine finanzielle Beteiligung der Schweiz am Bahnanschluss-Projekt diskutiert werden.»

Kein Tram statt Bahnanschluss

Die Idee von Jean-Marie Zoellé, die geplante 3er-Tramverlängerung vom Bahnhof Saint-Louis bis zum EAP weiterzuziehen und auf den Bahnanschluss zu verzichten, stösst in Basel auf Ablehnung.

Für Alain Groff entfaltet nur ein vollwertiger Bahnanschluss genügenden Nutzen, indem er die Erreichbarkeit für Personen verbessert, die nicht in unmittelbarer Nähe des Flughafens wohnen.

Groff schliesst eine spätere Tramverlängerung zwar nicht aus, aber eine Anbindung der näheren Agglomeration werde durch die Buslinie 50 sichergestellt. Dieser sei zudem einige Minuten schneller als das Tram.

Deutlich äussert sich auch Willi Rehmann, Präsident von Pro Bahn Nordwestschweiz: «Die Idee einer Strassenbahn, die von Basel SBB über Saint-Louis Gare gemütlich zum EAP tuckert, finde ich merkwürdig. Da tut es Bus 50 auch. Für mich ist völlig klar: Entweder kriegen wir den Bahnanschluss EAP hin, oder alles bleibt, wie es ist!»

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