Eigentlich ist er Komponist. Kein klassischer, aber von der eigenen Vision her. «Wenn ich eine Idee habe, bin ich absolut ungeduldig», meint Mischa Nüesch alias Audio Dope beim Besuch in seinem Studio an der Solothurnerstrasse, hinter dem Basler Bahnhof SBB: «Höchstens eine Viertelstunde gebe ich mir Zeit. Dann muss das Gerüst stehen.»

Der Endzwanziger, der uns in die Welt seiner Erfolgsgeheimnisse einweiht, nimmt einen Vergleich aus der Kunstgeschichte – ein Fach, das er zwei Jahre lang studierte: «In 15 Minuten kann ich kein Ölbild kreieren. Höchstens ein paar Skizzen! Das ist der Unterschied. Damit muss ich klarkommen.»

Die grosse Geste, die einprägsame Hookline oder ein schriller Gesang – das ist dagegen seine Sache nicht. Lieber bastelt der ausgebildete Informatiker an einem grösseren Projekt. So auch bei seinem im Februar 2018 erschienen, selbstbetitelten Album, dessen Vinyl-Ausgabe in seinem schlichten, voll digitalisierten Studio heraussticht: «Ich habe darin bewusst auf gewisse Hits verzichtet, damit das Album als Ganzes Sinn macht. Für mich sind Aufbau und Dramaturgie alles. Ich brauche stets einen roten Faden.»

Ein Millionenerfolg auf Spotify

Was 2012 mit dem ersten «Mini-Hype» und ungefähr 100 000 Youtube-Plays begann, hat sich heute zur Web-2.0-Erfolgs-Story gemausert: Denn mittlerweile ist Audio Dope «Spotify-Millionär» geworden. 1,5 Millionen Mal wurde sein Track «Floating» schon abgespielt. Für diese Streaming-Anzahl hat er nicht nur Anerkennung, sondern auch fast 10 000 Franken erhalten. Und wurde nun zum zweiten Mal für den zweiten Pop-Preis nominiert.

Stolz? «Schon», meint Mischa Nüesch – lässt aber eine lange, nachdenkliche Pause folgen. Denn noch scheint der introvertierte, ruhige Künstler sich ein bisschen fremd zu fühlen in der eigenen Erfolgsgeschichte: «Ich habe nie etwas forciert. Mein Ziel war es nie, bekannt zu werden. Mein Ziel war, glücklich zu sein mit dem, was ich mache. Wenn ich damit berühmt werde: Umso besser!»

Soundtrack zum Leben

Eigentlich sehe er seine Musik weniger in den Charts oder als Hits. Sondern als Soundtrack zum Leben, als Begleitmusik, die sich nahtlos in den Alltag des Hörers einfügt: «Ich brauche Tiefe in meiner Musik. Und Hintergrund. Ich denke, das Hintergründige zeichnet mich aus. Meine Musik ist eigentlich bewusst ein bisschen unauffällig.»

Ganz gerne im Hintergrund

Der Autodidakt, der sich Musikprogramme wie «Fruity Loops» und heute «Ableton Live» – die Standard-Software aller Produzenten-Geeks – selber beibrachte, freut sich deshalb, wenn Freunde seine Musik zum Joggen, Lernen oder Putzen hören. Oder wenn sie in Szenebars aufgelegt wird: «Eine Bekannte sagte mir kürzlich, dass sie meine Musik jeweils den ganzen Abend laufen lässt, wenn sie arbeitet», grinst er: «Viele Leute haben dann ja keine Ahnung, wer das gemacht hat. Das ist für mich aber absolut okay! Ich bleibe auch persönlich gerne im Hintergrund.»

Dieses Understatement zeichnet Audio Dopes Sound aus. Damit live aufzutreten stand für ihn deshalb gar nicht im Zentrum. Am Anfang spielte er nur auf einer Bühne, wenn man ihn anfragte. Da war er noch überhaupt nicht überzeugt, dass auch seine feinsinnigen, ruhigeren Tracks beim Publikum zünden würden.

«Ich bin nunmal nicht der ausgefeilte Pop-Hit-Garant sondern ein Komponist, der sich im elektronischen Spektrum bewegt, und von Krautrock oder den Beats eines J Dilla beeinflusst ist», verteidigt er sich: «Wenn jemand sich beschwert, ich solle doch endlich mal eine Uptempo-Nummer bringen, entgegne ich halt: Sorry, das sind alles meine eigenen Tracks.»

Heisser Open-Air-Sommer

Seine Auftritte bestreitet Audio Dope inzwischen nicht mehr solo, sondern gemeinsam mit Drummer Florian Haas. Dieser interpretiert seine Kompositionen live, und veredelt Audio Dopes vom Sampling geprägten Sound mit instrumentalen Patterns. Zu zweit gelang ihnen so in diesem Jahr der Sprung an die grossen Schweizer Open-Air-Festivals wie dem Berner Gurten, dem Paléo in Nyon oder in Zürich.

Sehr aufbauend seien diese Sets gewesen, bilanziert Nüesch erfreut: «Vor allem am Paléo gingen die Leute voll ab!» Dennoch sei er auch froh gewesen, von der grossen Bühne wieder in die Abgeschiedenheit seines Studios verschwinden zu können, und seine Ruhe zu haben. Denn eigentlich verbringt er seine Zeit nach wie vor am liebsten alleine vor dem Bildschirm, versunken in seinen eigenen Klangwelten. «Im Flow», wie er dies selber nennt. Denn dies sei für ihn das allerwichtigste: «Es muss fliessen in meiner Musik.»

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