Spitäler
Auch sie wollen gehört werden

Die privaten Spitäler in den beiden Basel blicken dem Zusammenschluss gelassen entgegen – eine Forderung haben sie aber.

Annika Bangerter
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Die privaten Spitäler machen es vor: Sie positionieren sich mittels spezialisierter Angebote.

Die privaten Spitäler machen es vor: Sie positionieren sich mittels spezialisierter Angebote.

Juri Junkov

Es klang ein bisschen nach den Musketieren, als der Basler Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger der bz folgenden Satz sagte: «Gemeinsam sind die öffentlichen Spitäler stärker.»

Diese Spitäler wollen die Regierungen der beiden Basel zu einer Spitalgruppe zusammenfassen und gemeinsam führen. Damit wollen die beiden Regierungen die Gesundheitsvorsorge der Bevölkerung optimieren, das Kostenwachstum im Spitalbereich dämpfen und die Hochschulmedizin in der Region Basel sichern. Obwohl die Konkurrenz für die privaten Spitäler dadurch zunehmen dürfte, begrüssen diese den Zusammenschluss. «Hinsichtlich der Forschung und der Aus- und Weiterbildung sind wir auf ein starkes Uni-Spital angewiesen. Zudem ist es wichtig, gesamthaft ein starkes regionales Gewicht zu haben», sagt Thomas Rudin, Direktor des Bethesda-Spitals.

Als «hoch vernünftig» bezeichnet Stephan Fricker, Direktor der Merian-Iselin-Klinik, den Schulterschluss der beiden Gesundheitsdirektoren. «Dieser Entscheid führt zu einer verstärkten Schwerpunktbildung der Spitäler. Das ist zeitgemäss: Nicht mehr alle Häuser bieten sämtliche Dienstleistungen an; wer ein spezifisches Angebot hat, zeichnet sich darin mit besonders guten Leistungen aus», sagt er.

Private Spitäler sind flexibler

Gerade in dieser Entwicklung liege die Chance für die privaten Spitäler, sagt Stefan Felder, Professor für Gesundheitsökonomie an der Uni Basel: «Die Privaten haben weiterhin die Vorteile auf ihrer Seite, weil sie beweglicher sind und sich leichter spezialisieren können.» Seitdem 2012 das System der Fallpauschalen eingeführt wurde, hat der Wettbewerb unter den Spitälern zugenommen. «Der Entscheid der Regierungen, das Bruderholz zu schliessen und dafür eine neue Tagesklinik aufzubauen, ist Ausdruck davon. Die Spezialisierungen der Spitäler dürfte in Zukunft noch zunehmen», sagt Felder. Das bestätigte auch die Nachfrage der bz unter den grössten Privatspitälern in der Region: Alle gaben an, sich künftig noch stärker anhand ihrer jeweiligen Schwerpunkte zu positionieren.

So auch das Claraspital, wie dessen Direktor Peter Eichenberger sagt. «Für uns ist der Zusammenschluss eine Chance. Wir werden unsere Schwerpunkte weiter ausbauen und uns noch stärker darauf konzentrieren.» Dies habe aber zur Folge, dass das Claraspital Leistungen in seinen Randbereichen abbauen müsse. Eichenberger geht davon aus, dass durch die Spezialisierung die Bedeutung der Netzwerke unter allen Spitälern – privat wie öffentlich – zunimmt. Davon würden auch die Patienten profitieren: «Die Qualität steigt und die Kosten sinken.»

Koordination oder Kartell?

So gelassen die Direktoren der privaten Kliniken dem Zusammenschluss entgegenblicken, so einig sind sie sich auch in einem weiteren Punkt: Sie pochen darauf, in der neuen Spitalstrategie der Regierung einbezogen zu werden. «Die neue interregionale Spitalplanung darf sich nicht nur auf die öffentlichen Häuser konzentrieren und somit die privaten Player vom Wettbewerb ausschliessen», sagt Igor Batarelo, Direktor ad interim der Hirslanden Klinik Birshof Basel in Münchenstein. Das sei vor allem hinsichtlich der regionalen Schwerpunktbildung zentral, sagt Peter Eichenberger vom Claraspital: «Es gibt Bereiche in der Spitzenmedizin, die man regional koordinieren muss, um gesamtschweizerisch vorgegebene Mindestfallzahlen zu erhalten.»

Solche Koordinationen erachtet der Gesundheitsökonom Stefan Felder jedoch als problematisch: «Mindestfallzahlen müssen sich im Wettbewerb durchsetzen können. Absprachen bedeuten dagegen Wettbewerbsverhinderung. Das wäre, als ob Coop, Migros, Lidl und Aldi ihre Sortimente absprechen würden.» Der Vergleich eines Kartells will der Direktor der Merian-Iselin-Klinik nicht gelten lassen: «Die Regierungen sind Regulatoren. Vermischen sie dies nicht als eigener Leistungserbringer – sondern berücksichtigten sie auch die Privaten angemessen – ist das gar ihr Auftrag», sagt Stephan Fricker. So klingt es auch bei den privaten Spitälern ein bisschen nach den Musketieren.

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